1 See - 2 Länder

Monique

9/22/2025

Mit einer 7 Stunden Busfahrt geht es auf nach Puno. Der Bus ermöglicht uns Dank 160° Liegesitze eine komfortable Fahrt. Der Blick aus dem Fenster zeigt uns wieder andere Landschaften und lädt zum stundenlang aus dem Fenster schauen ein. Wir haben einmal am Straßenrand für eine Biopause gehalten. Ein Wellblechverschlag, eine Toilette und ein extra Eimer zum Spülen. Das ist das Landleben. Dafür gab es leckere Käse-Empanadas am Stand.

Puno begrüßt uns mit einem entspannten Vibe und wir fühlen uns direkt wohl. Grundsätzlich hat die Stadt nicht viele Sehenswürdigkeiten. Wir spazieren zum Plaza de Armas, dann hoch zu einem Aussichtspunkt, einem Markt und zum See an den Hafen. Der Titicacasee ist der am höchstgelegende beschiffbare See der Welt. Zudem gönne ich mir ein letztes Mal leckeren Lucuma-Kuchen und Pisco Sour.

Während des Mittagessens sehen wir im Fernsehen Nachrichten über das Chaos am Machu Pichu. Zwar sei die Strecke nun wieder freigegeben, aber auch der einzige Ausweichweg ist überfüllt. Die Gründe für den Streik und die Blockade der Gleise sind vielfältig: zu geringes Einkommen, Korruption bei der Lieferung neuer Shuttlebusse, die die Touristen vom Dorf hinauf zum Eingang bringen sollen. Zudem wurde das Ausschreibungsverfahren für Konzessionen nicht eingehalten. Und schließlich droht die Organisation der „7 Weltwunder“, Machu Picchu den Status zu entziehen. Aufgrund von Übertourismus, Umweltproblemen und Benachteiligung der lokalen Bevölkerung.

Während wir unsere Forelle genießen, fühlen wir uns in unserer Entscheidung, nicht nach Machu Picchu gereist zu sein, bestätigt. Zuvor hatten wir auf einem Aussichtspunkt zwei deutsche Touristen kennengelernt, die uns eine Familie der Uros für eine Übernachtung empfohlen haben. Welch toller Tipp!

Die Familie bestehend aus Wilson, Nelly und ihrer fast zweijährigen Tochter Eleina ist einfach zuckersüß. Wir werden am Hafen mit einem Boot abgeholt und fahren dann zu ihrer Insel. Die Uros sind eine indigene Bevölkerung, die auf selbstgebauten Schilfinseln im Titicacasee leben. Ursprünglich diente diese Lebensweise dem Schutz. Bei Gefahr konnten sie ihre Inseln einfach vom Land weg in Sicherheit bringen. Unsere Unterkunft ist ein kleines Hausboot direkt neben der Insel. Wilson und Nelly erklären uns auf Spanisch, wie die Inseln gebaut werden. Später machen wir mit einem traditionellen Schilfboot eine Tour über den See. Wir lernen, dass man das Schilf essen kann und es sogar als Medizin verwendet wird. Zum Abschluss legt Wilson Angelschnüre aus. Mit dem Sonnenuntergang wird es schlagartig kalt. Zum Glück haben wir einen kleinen Gasofen auf dem Hausboot. Auf dem See gibt es kaum künstliches Licht; die Uros nutzen hauptsächlich Solarenergie. So funkelt der Sternenhimmel klar über uns. Nach einem weiteren Forellenessen lege ich mich probeweise auf das Schilf und bin überrascht, wie warm es hält. Kein Wunder also, dass die Häuser ebenfalls daraus gebaut sind. Am nächsten Morgen fahren wir früh hinaus, um die Angelschnüre einzuholen. Wilson erklärt uns die Fische, die er gefangen hat, und freut sich über sein Mittagessen. Da unser Hausboot sogar eine Dachterrasse hat, genießen wir die Sonne und den Ausblick. Von hier oben beobachten wir, wie andere Inseln von Tagestouristen besucht werden. Heute lebt die Gemeinschaft größtenteils vom Tourismus. Die Besucher kommen morgens für eine Führung und eine kurze Bootsfahrt. Schließlich bringt uns Nelly gemeinsam mit ihrem Bruder und der kleinen Eleina zurück zum Hafen. Von dort fahren wir mit einem Collectivo bis an die Grenze. Kurz vor dem Übergang heißt es: Rucksack schultern und zu Fuß zum Zoll von Peru. Nach vier Wochen im Land bekommen wir unseren Ausreisestempel. Durch ein kurzes Niemandsland mit Wechselstuben und Souvenirständen gelangen wir zum bolivianischen Zoll. Der Beamte dort ist weniger gesprächig: ein kurzer Blick in die Kamera, ein Stempel im Pass und fertig.

Da wir die letzten Soles in Bolivianos gewechselt hatten, können wir gleich das Collectivo nach Copacabana bezahlen. Die Region lebt davon, dass hier die Inka-Kultur ihren Ursprung hat. Uns überkommt sofort Sommerstimmung: Es ist deutlich wärmer, und überraschenderweise hat Bolivien eine Zeitumstellung. Die Sonne geht hier erst um 19 Uhr unter. Bei einem Pisco Sour beobachten wir, wie sie über dem Titicacasee versinkt.

Unser Aufenthalt führt uns auch auf die Isla del Sol. Doch die Anreise ist beschwerlich: Mit dem langsamsten Boot der Welt dauert jede Fahrt fast zwei Stunden, begleitet von beißendem Kerosingeruch. Kurz wünschen wir uns die Speedboote von den Galapagos zurück.

Copacabana selbst zeigt uns vielleicht schon ein wenig, wie Bolivien sein wird: ärmlicher, einfacher als Peru, mit weniger Touristen, dafür mit viel Kultur. Selbst das Geldwechseln ist hier ein Abenteuer. Weil die Währung stark abgewertet ist, ziehen wir Dollar am Automaten und tauschen sie am Straßenrand in Bolivianos. So bekommen wir statt 1:8 einen Kurs von 1:12. Zusammen mit dem günstigen Umtausch von Euro in Dollar machen wir aus 170 Euro ganze 300 Euro im Straßenwert.

Für unsere Weiterreise nach La Paz steigen wir wieder in den Bus und sind die einzigen Gringos. Auch diesmal lädt die Landschaft zum Staunen ein. Besonders spannend wird es, als wir den Titicacasee überqueren: Da es keine Brücke gibt, wird der Bus kurzerhand auf einen Ponton verladen und übersetzt. Zudem ist der Ausblick auf die 6000er einfach wunderschön und wir freuen uns auf unsere Zeit in Bolivien