Answer the call of Vanuatu
Monique
1/14/2026
So lautet der Werbeslogan von Vanuatu: Unser Ruf kam ganz pragmatisch in Gestalt eines günstigen Flugpreises von Fiji aus daher. Und so landen wir in unserem zweiten Südseeparadies.
Nach unserer langen, intensiven Zeit auf Fiji bleiben wir diesmal nur acht Tage in Vanuatu. Acht Tage, in denen wir uns bewusst ein wenig Komfort gönnen: zwei Resorts mit WiFi, Pool und Klimaanlage. Ein Kontrastprogramm, das wir nach den sehr ursprünglichen Wochen zuvor durchaus zu schätzen wissen.
Wir entscheiden uns für die Insel Efate, auf der auch die Hauptstadt Port Vila liegt. Die Stadt zieht sich im Süden entlang der einzigen Straße, die einmal rund um die Insel führt. Fortbewegung ist unkompliziert: Kleine Minivans fungieren als Busse, die man per Handzeichen anhält. Egal wohin innerhalb der Stadt – eine Fahrt kostet 150 Vatu, etwa einen Euro.
Unser erstes Resort liegt auf der kleinen Iririki-Insel. Anfangs sind wir etwas überrumpelt, denn außer uns scheinen ausschließlich Australier hier Urlaub zu machen. Schnell wird klar, warum: Durch die Nähe zu Down Under fliegt man von dort mal eben für eine Woche her. Für uns überraschend sind allerdings die Preise. Restaurantbesuche liegen teils über deutschem Niveau, im Supermarkt kostet eine Packung Leerdammer-Käse stolze 13 Euro – sofern man überhaupt Käse findet, was ähnlich wie auf Fiji eher die Ausnahme ist. Insgesamt ist Vanuatu spürbar teurer als Fiji, sei es bei Lebensmitteln, Touren oder Unterkünften.
Im zweiten Resort fühlen wir uns deutlich wohler. Das Meeresrauschen ist vom Zimmer aus zu hören, alles wirkt ruhiger, offener, weniger teuer. Eines Nachts wird Stephan wach und berührt etwas flauschiges. Die Katze vom Resort liegt zwischen uns im Bett und schläft dort friedlich. Ich selbst werde nur vom Miauen kurz wach, während Stephan sie rausbringt. Wie sich herausstellt, ist im Moskitonetz an der Tür ein Schlupfloch für die Katze.
Was wir jedoch weiterhin vermissen, ist die Gemeinschaft mit den Einheimischen und anderen Gästen. Auch die Tourangebote sprechen uns wenig an: Baden, Schnorcheln, Duty-Free-Shopping. Kultur wird vor allem in sogenannten „Cultural Villages“ angeboten. Eines davon möchten wir besuchen, stehen aber schließlich vor verschlossenen Toren – es ist spontan geschlossen, weil es regnet. Der jedoch 20 Minuten später wieder aufhört.
Um die Insel auf unsere Weise zu entdecken, entscheiden wir uns für einen Mietwagen und fahren einmal rund um Efate. Schnell wird klar, warum Aktivitäten hier fast ausschließlich über Tourenanbieter laufen: An der Westküste und im Norden ist schlicht nichts los. Orte auf der Landkarte bestehen oft nur aus ein paar Hütten, ohne Infrastruktur, ohne touristische Angebote. Das Leben hier wirkt einfach, funktional, reduziert.
Mittagessen gibt es am Top Rock im Norden der Insel, mit Blick auf die vorgelagerten Inseln Pele, Nguna und Emao. An der Ostküste halten wir später am Eton Beach zum Baden und fahren anschließend zur Blue Lagoon, dem wohl bekanntesten Badeplatz der Insel. Ein tiefblaues Wasserloch, in das man immer wieder hineinspringen kann. Da wir spät am Tag dort ankommen, sind wir die einzigen Touristen. Stattdessen beobachten wir Kinder aus der Nachbarschaft, die den Ort ganz für sich haben. Ich selbst kann aufgrund einer Ohrenentzündung mich nicht mit der Liane ins Wasser schwingen, was ich sehr schade finde.
Die Ohrenentzündung habe ich vom zuviel Schnorcheln und Planschen im Pool. und kam passend an einem Sonntag, wenn keine private Klinik geöffnet hat. Daher fahren wir zum öffentlichen Krankenhaus. Die Apotheke dort scheint allerdings schon länger geschlossen zu sein, denn bei dem Schild „Pharmacy“ fehlt sogar das „P“. Am Ende schickt uns der Arzt einfach ein paar Meter weiter die Straße hinunter. Ich bin froh, dass ich im Behandlungsraum nicht behandelt werde, weil hier eindeutig europäische Standards nicht erfüllt werden. Auch in der Apotheke wieder erstaunte Blicke, als ich sage, dass wir nicht aus Australien kommen. Diese Verwunderung begegnet uns überall: bei Busfahrern, Resortmitarbeitenden, Menschen, denen wir unterwegs begegnen. Die weite Anreise scheint für viele kaum vorstellbar. Selbst die Grenzbeamtin am Flughafen lässt unser Herkunftsland nicht unkommentiert.
Bis zum Kauf des Flugtickets war uns Vanuatu ehrlich gesagt kein Begriff. Umso passender ist der Hinweis einer Freundin, dass Vanuatu als das weltweit am stärksten gefährdete Land gilt. Tsunamis, Erdbeben, Zyklone, Vulkanausbrüche und der steigende Meeresspiegel sind Teil des Lebens hier. Das letzte größere Erdbeben war im Dezember 2024. Auch im Dezember 2025 und an unserem ersten Tag ebenfalls. Mit einer Stärke von 5,0 auf der Richterskala. Gespürt haben wir es nicht, weil wir es nicht kennen und nicht darauf achten.
Später hören wir im lokalen Radio, wie daran erinnert wird, dass Zyklonzeit ist und alle ihr Notfallset bereithalten sollen. Überall wird gebaut, an Straßen, an Infrastruktur, an Schutzmaßnahmen. Die Hauptstraße rund um Efate ist tatsächlich in einem schlechten Zustand, was erklärt, warum es abseits der Hauptstadt kaum touristische Infrastruktur gibt.
Vanuatu befindet sich sichtbar in Entwicklung. Nur etwa zehn von hundert Kindern besuchen eine weiterführende Schule. Das Land besteht aus 83 Inseln, nicht überall gibt es Schulen, und oft können Familien die Bildung schlicht nicht finanzieren. Viele Menschen wirken freundlich, aber auch zurückhaltend, manchmal unsicher. Englisch wird zwar häufig gesprochen, im Alltag dominiert jedoch eine Pidgin-Sprache – eine Mischung aus sehr einfachem Englisch und den jeweiligen Ursprungssprachen.
Und doch zählen die Menschen in Vanuatu zu den glücklichsten der Welt. Wir spüren es daran, dass jeder uns freundlich grüßt und sofern möglich, wir in einen kurzen Austausch kommen. Vielleicht liegt genau darin der Charme dieses Landes. Nicht im Komfort, nicht in Perfektion, sondern im Miteinander. Wer vielleicht selbst mal hierher reisen möchte, dem seien andere Inseln empfohlen: Malekula für das ursprünglichste Leben der Ni-Vanuatu oder Tanna mit dem aktiven Vulkan Yasur.
Wir nehmen nun Abschied von einem Monat Südsee und freuen uns wieder auf Großstadtfeeling.






















































