Arequipa, die weiße Stadt

Monique

9/6/2025

Die „Weiße Stadt“ liegt eingebettet zwischen mächtigen Vulkanen, die bis über 5000 Meter hoch sind, die man von fast jedem Ort in der Stadt sieht.

Schon unser erster Spaziergang durchs historische Zentrum hat uns gezeigt, dass hier eine Mischung aus kolonialem Flair, lebendigen Straßen und gleichzeitig einer gewissen Gelassenheit herrscht. Immer wieder kommt man am Plaza de Armas vorbei, der mit seinen Arkaden, Palmen und der mächtigen Kathedrale fast wie eine große Bühne wirkt. Besonders am Abend, wenn die Lichter angingen und die Sonne unter, entstand ein toller Blick auf die Cathedrale und Berge.

Ein echtes Highlight war das Santa Catalina Kloster. Kaum hatten wir das Tor durchschritten, standen wir in einer kleinen Stadt voller bunter Wände, Gassen und Innenhöfe. Wir verbrachten dort viel länger als geplant, weil es hinter jeder Ecke etwas Neues zu entdecken gab. Abwechslung brachte uns auch ein Besuch im Mundo Alpaca, wo wir mehr über die Tiere und die Verarbeitung der Wolle erfahren haben.

Besonders lebendig wurde es dann auf dem Markt San Camilo. Hier türmten sich Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse, und an jeder Ecke duftete es nach etwas anderem. Denn natürlich liegen Fisch und Fleisch offen rum, z.b. auch Hühnerköpfe.

Ich konnte nicht widerstehen und gönnte mir einen Saft mit Lucuma – meiner liebsten Frucht in Peru. Außerdem kaufte ich mir Coca-Blätter, um ein bisschen gegen die Höhenkrankheit vorzubeugen.

Unsere Wege führten uns auch in den Stadtteil Yanahuara, wo wir durch enge Gassen spazierten und am Mirador die Aussicht auf die Vulkane genossen. Der El Misti thront wirklich majestätisch über Arequipa. Noch schöner wurde der Blick später, als wir in einer Rooftopbar am Plaza de Armas bei Sonnenuntergang saßen. Mit einem Algorrobina-Cocktail in der Hand, bestehend aus einer süßen Mischung aus Johannisbrot-Sirup, Pisco, Kondensmilch, Eiweiß und Zimt, sahen wir der Himmel sich einfärbte.

Ein interessanter Ausflug führte uns zur Route de Sillar. In den Steinbrüchen bekamen wir nicht nur einen Eindruck davon, wie die Stadt zu ihrem Beinamen „Weiße Stadt“ kam, sondern auch, warum so viele Gebäude aus diesem hellen, vulkanischen Gestein erbaut wurden: Sillar ist leicht zu bearbeiten und gleichzeitig erstaunlich stabil. Bei einem Spaziergang durch einen Canyon, haben wir uns Petroglyphen der Wari-Kultur angeschaut. Die Wari existierten bereits vor rund 1.500 Jahren.

Kulinarisch hatte Arequipa auch einiges für uns zu bieten. Nach fünf Wochen südamerikanischer Küche freute ich mich riesig über einen Teller Spaghetti mit Tomaten und Basilikum. Auch Sushi habe ich mir gegönnt, da ich unbedingt mal nicht-südamerikanisches Essen wollte. Stephan probierte Anticuchos: gegrillte Rinderherzen. Ich wagte mich an Cuy. Ein Erlebnis, jedoch nichts für eine Wiederholung. Natürlich haben andere Länder andere Speisen. So würden uns die Inder schräg anschauen, weil wir Kühe essen. Besonders skurril fanden wir die Plakate mit Cuy-Werbung in der Stadt, die die kleinen Tiere tatsächlich als Motiv nutzten, wie bei uns das glückliche Schwein in der Metzgerreklame. Wir haben auch Helado Queso-gefrorener Käse gegessen. Queso heißt Käse auf spanisch. Zum Glück ist es jedoch kein echter Käse, sondern hat lediglich die Farbe. Daher auch der Name. Das Eis war super lecker und gehört angeblich zu den Top 3 Desserts weltweit.

So schön Arequipa auch ist, zwei Themen haben uns allerdings nachdenklich gestimmt: zum Einen die Luft. Schon beim Atmen hatten wir das Gefühl, dass die Luft nicht gut ist, und ein Blick auf den Luftindex bestätigte unseren Eindruck. Die Qualität der Luft ist sogar noch schlechter als in Lima. Wahrscheinlich liegt das daran, dass es hier keine Elektromobilität gibt, viele Autos und Busse alt sind und dichte Wolken von schwarzem Ruß aus den Auspuffen kommen. Auch ist erkennbar, wie viel Sand und Staub in der Luft sind, sobald man in den Randgebieten der Stadt ist.

Mindestens genauso auffällig war für uns das Bild der älteren Menschen, die wir in großer Zahl am Straßenrand sahen. Manche verkauften Kleinigkeiten, andere bettelten oder standen bei Suppenküchen an. Das hat uns ins Nachdenken gebracht, vor allem im Vergleich zu Deutschland, wo unser Renten- und Vorsorgesystem (auch wenn es nicht perfekt ist) für eine ganz andere Sicherheit sorgt. Ein System, das man im Alltag oft als selbstverständlich hinnimmt, das aber im Ausland plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheint.

Nach Cabanaconde fahren nur zwei Busgesellschaften. Wir haben uns einfach für die frühere Tour entschieden, denn ob es bei 5 Stunden Fahrt bleibt, kann man vorher nicht wissen.