Bubble Tea und 40 Grad in Taipeh
Monique
5/27/2026


Schon der erste Nachmittag in Taipeh zeigt uns, wohin es mit den Temperaturen in den kommenden Wochen in Taiwan gehen wird. Selbst um 21:30 Uhr zeigt das Thermometer noch 31 Grad an. Dazu liegen plötzlich ganz andere Gerüche in der Luft: Essen aus kleinen Garküchen, gegrilltes Fleisch, süßer Bubble Tea und immer wieder der Duft von Räucherstäbchen, der aus Tempeln und Hauseingängen strömt. Willkommen in Taiwan.
Taipeh fühlt sich für uns sofort an wie eine spannende Mischung aus asiatischen Ländern. Die Hitze und Gerüche der Straßen erinnern uns an Thailand und Vietnam. Die modernen Gebäude und Infrastruktur erinnern uns an Japan und Südkorea. Und die Sprache erinnert uns an unsere Zeit in China. Mandarin hören wir überall um uns herum und wir merken schnell, dass wir sprachlich wieder komplett bei null anfangen.
Besonders rund um Ximen, eines der bekanntesten Shopping- und Ausgehviertel Taipehs, werden wir direkt ins Großstadtleben hineingezogen. Zwischen Neonlichtern, kleinen Seitenstraßen und unzähligen Geschäften herrscht purer Konsum. Gleichzeitig entdecken wir hier die kreativsten Souvenirs unserer bisherigen Reise. Von schrillen Katzenlampen über kunstvolle Sticker bis hin zu komplett absurden Accessoires gibt es hier gefühlt alles. Insbesondere im Red House, eines der historischsten und bekanntesten Gebäude im Viertel, sind viele kreative Designer*innen mit ihren Angeboten. Da fällt es mir schon ein wenig schwer nichts zu kaufen, nur zu schauen. Wir treffen auf die gleichen Convience Strores wie in Japan und Südkorea, jedoch mit landestypischen Eigenheiten, wie gekochte Eier und Mais to go.
Auch die LGBTQ+ Community ist in Ximen sehr präsent. Taiwan gilt als das offenste Land Asiens in diesem Bereich und war das erste asiatische Land, das die Ehe für alle legalisiert hat. Gerade in Ximen sehen wir queere Bars, Geschäfte und junge Menschen, die sich sichtbar frei ausleben. Kein Wunder also, dass viele Tourist*innen genau deswegen nach Taipeh kommen.
Kulinarisch fühlen wir uns ebenfalls schnell wohl. Das Essen erinnert uns stellenweise mehr an China als an Korea, gleichzeitig gibt es überall japanische Einflüsse und Restaurants. Besonders angenehm: vieles ist deutlich weniger scharf. So genießen wir auf einem Foodcourt leckere Breitbandnudeln mit Rindfleisch und Brühe, denn dies ist das Nationalgericht Taiwans. Sowieso dominieren kräftige Brühen, Dumplings, Reisgerichte und Tee. Bubble Tea gibt es wirklich an jeder Ecke und wir verstehen plötzlich, warum Taiwan als Geburtsort davon gilt. Die frisch gemachten Tapiokakugeln schmecken um Welten besser als wir Bubble Tea bisher kannten.
Unsere Wohnung liegt im Stadtteil Wanhua, zudem auch Ximen gehört, dem ältesten Bezirk Taipehs. Gerade hier fallen uns viele interessante Gebäude auf. Viele Häuser wirken von außen alt, teilweise fast heruntergekommen, gleichzeitig steckt unglaublich viel Fotopotenzial darin. Wir haben gelesen, dass in Taiwan oft weniger das Haus selbst zählt, sondern vor allem der Wert des Grundstücks. Viele rechnen ohnehin damit, dass die Gebäude irgendwann abgerissen werden. Renovierungen werden daher kaum durchgeführt. Dadurch entsteht der Mix aus alt und neu. Auf den Straßen sehen wir hier und da süße Schilder, die mit Capybaras, Hunden und Katzen auf ein gutes Miteinander im Straßenverkehr hinweisen.
Bei fast 40 Grad spazieren wir Richtung Daan Forest Park vorbei an der Chiang Kai-shek Memorial Hall. Die riesige weiße Anlage mit den blauen Dächern wirkt übergroß in der Hitze. Am Eingang treffen wir auf eine Tanzgruppe der Falun Dafa, einer spirituellen Praxis, die meditative Übungen mit einer Lebensweise von Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht kombiniert. Als kleine Geschenke können wir uns Anhänger aussuchen.
Im Museum der Memorial Hall spüren wir schnell, wie präsent die politische Situation hier ist. Immer wieder geht es um die Geschichte Taiwans und den Wunsch vieler Menschen, unabhängig von China zu bleiben. Rebellion und der Wille zur Demokratie liegen hier spürbar in der Luft. Wir sind beeindruckt und glauben, dass wir noch nie in einem Land waren, das so um seine Freiheit kämpft. Auch hier kommen wir mit einer ehrenamtlichen Helferin ins Gespräch, die uns ebenfalls die Spiritualität Taiwans näher bringt.
Sportlich und schweißtreibend wird es am Elephant Mountain für uns. Über unzählige Treppen, über 600, steigen wir schwitzend nach oben. Die Luft steht förmlich zwischen den Bäumen und wir sind froh über jeden kleinen Schattenplatz. Doch der Blick von oben entschädigt sofort. Vor uns ragt der Taipei 101 in den Himmel, einst das höchste Gebäude der Welt und bis heute das Wahrzeichen der Stadt.
In Taipeh wird die Straße zur Bühne gemacht. Viele Plätze vor Shoppingcentern oder in den Straßen von Ximen verwandeln sich in Tanzflächen. Überall treten Tanzgruppen und Straßenkünstler auf. Besonders K-Pop- und Hip-Hop-Choreografien sind extrem beliebt. Vor allem junge Frauen tanzen vor großem Publikum, während Männer mit riesigen Kameras jede Bewegung fotografieren und filmen. Interessant ist, dass die Stadt diese Kultur aktiv unterstützt. In einigen U-Bahn-Passagen und öffentlichen Bereichen stehen große Spiegel, damit Tanzgruppen dort trainieren können. Beim Shoppingcenter schauen wir Akrobaten zu und Stephan beweist sich als stärkster Mann überhaupt und kann das Schwert von He-Man in Besitz nehmen. Heldenhaft fährt er damit auch durch die Metro.
Ein weiteres Highlight wird unsere Tour in den Norden Taiwans. Die Landschaft verändert sich dort komplett. Im Bitou Cape Park laufen wir entlang der grünen Küste mit Blick auf das Meer und die unzähligen grünen Berge, die Taiwans Landschaft ausmachen. Anschließend essen wir im kleinen Fischerhafen von Bitou zu Mittag. Es gibt ausschließlich Fischgerichte und so landen in unserer Nudelsuppe jeweils fünf kleine Tintenfische samt ihrer schwarzer Tintenfarbe, die essbar, für uns jedoch ungewöhnlich fischig im Geschmack ist. Im Hafen entdecken wir bei anderen Restaurants weitere Meerestiere, z.B. Bärenkrebse und Blaukrabben, die wir vorher noch nie gesehen haben. Auf unserer Tour entlang der Nordküsten sehen wir auch viele Fischer an den Ufern. Kein Wunder, dass das Angebot von Meerestieren so groß ist. Anschließend halten wir kurz bei den bunten Zhengbin Port Color Houses, deren Fassaden direkt am Wasser stehen und fast ein klein wenig an skandinavische Hafenstädte erinnern. Viel beeindruckender finden wir allerdings den Heping Island Park mit seinen außergewöhnlichen Felsformationen, die durch den rauen Wind geformt worden sind. Nach Wind, Meer und dunklen Steinen trinken wir Eiskaffee und genießen die kühlende Klimaanlage im Café.
Zum Abschluss landen wir auf dem Food Market in Keelung. Zwischen den Garküchen, Tempel, bunten Schildern und unzähligen Essensständen gibt es allerlei Unbekanntes zu Essen, wovon wir jedoch die Finger lassen, weil wir vom Mittagessen noch zu satt sind. Stattdessen genießen wir in unserem Viertel abends ein japanisches Curry und dazu leckeres taiwanesiches Bier in einem Krug.
Nach vielen Wochen sehen wir nun das erste Mal wieder Menschen, die in Mülltonnen nach Brauchbarem suchen. Uns fällt dies auf, da meine lange Hose inzwischen sehr gelitten hat und kaputt gegangen ist. Daher werfe ich sie samt Tüte in einen öffentlichen Mülleimer. Zufälligerweise essen wir später Mittag mit Blick auf eben diesen Mülleimer. Ziemlich schnell kommt der erste Mann und sucht in den Mülleimern und findet meine Hose. Er schaut sie sich an und nimmt sie mit. Innerhalb kürzester Zeit kommen drei weitere ältere Männer, die ebenfalls die Mülleimer durchsuchen und sogar den Müll, meist Verpackungsmaterialien, neu sortieren. Bei einer Recherche erfahren wir, dass Taiwan zweitgrößter Recycler auf der Welt ist, nach Deutschland. In über 10 Kategorien wird der Müll getrennt und recycelt. Meine Hose kann daher auf dem Recyclinghof angekauft werden und bringt somit dem älteren Mann noch ein wenig Geld ein. In Taiwan ist die Müllabfuhr so organisiert, dass je nach Wochentag die unterschiedlichen Müllarten abgeholt werden. Mit markanten Erkennungsmelodien fahren die Müllautos durch die Stadt und die Bürger bringen dann ihre Mülltüten direkt zum Müllwagen. Die jeweiligen Mülltüten müssen zur Müllart passen und können in jedem Convience Store gekauft werden, ähnlich unserer Tonnengebühr in Deutschland. Nach dem Mittagessen schlendern wir von Schatten zu Schatten durch Ximen, gönnen uns wieder einen Bubble Tea und in einer der unzähligen Verkaufsgässchen kaufe ich eine neue Schutzfolie für mein Smartphone, denn die bisherige ist inzwischen so zerkratzt, dass es sich eher wie eine Kraterlandschaft anfühlt.
Am späten Nachmittag, wenn die Sonne nicht mehr so stark ist, machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Longshan Tempel, welcher aus dem Jahr 1738 ist. Wir sind beeindruckt von den feinen Verzierungen und der Gestaltung. Der Kontrast du zu den umliegenden Wohnhäuser ist immens. Der Tempel gilt als Treffpunkt der taoistischen und buddhistischen Götter. Und so gibt es in allen Winkeln Götterfiguren und Tische für Gaben an die Götter. Wir sehen viele Betende, die rote Holzklötze (Mondblöcke, weil sie wie ein Halbmond geformt sind) immer wieder auf den Boden werfen. Es ist fazinierend zuzuschauen und daher warte ich auch so lange, bis eine junge Frau mit ihrem Ritual fertig ist, um sie anzusprechen. Sie erklärt mir, dass sie zum Gott der Liebe und Ehe betet, dieser jedoch auch gerne für andere Wünsche genutzt wird. Je nachdem, wie die Mondblöcke fallen, geht der Wunsch in Erfüllung oder nicht, oder sie soll später nochmal nachfragen, damit der Gott erst ihre Gaben aufbrauchen kann und dann den Wunsch in Erfüllung gehen lässt. Die Frau hat für Konzerttickets gebetet und ich drücke ihr die Daumen, dass ihr Wunsch in Erfüllung geht.
Von sovielen Eindrücken bekommen wir Hunger und laufen über den Huaxi Market. Der Vorteil, wenn man abseits der bekannten Märkte ist, ist dass sie ruhiger sind und eher die Einheimischen anzutreffen sind. Es gibt allerlei zu Essen, z.B. Hühnerfüße und auch zu spielen. Kleine Automaten, oder Luftballons mit Pfeilen treffen, spielen die Menschen hier gerne nach Feierabend. Wir suchen uns ein Lokal aus, obwohl wir keinen Platz mehr im klimatisierten Raum bekommen. So sitzen wir mit einem winzigen Ventilator auf dem Gang des Marktes. Das Essen ist Dank einer kräftigen Brühe lecker, ansonsten jedoch ungesund, denn Gemüse ist nicht zu entdecken. Für Entspannung gehen wir anschließend zur chinesischen Massage. Für eine Schulter- und Fußmassage von 40 Minuten zahlen wir zusammen nur 21 Euro. Es werden wohl sicher noch weitere Massagen in Taiwan folgen. Da uns der Tempel so gut gefallen hat, schauen wir nochmals bei Dunkelheit vorbei und werden belohnt. Leise laufen buddistische Klänge über die Lautsprecher und der Tempel sieht mit der Beleuchtung sehr mystisch aus. Im Park nebenan sehen wir auch noch eine Frauengruppe ihren abendlichen Sport machen. Taipeh hat uns sehr gut gefallen und wir freuen uns auf weitere Eindrücke in Taiwan.























































