Bula, it's Fiji time!

Stephan

12/26/2025


Ich weiß nicht, woran ihr denkt, wenn ihr Fiji hört. Ich muss da zuerst immer an die Szene von "Truman Show" denken, in der Jim Carey mit gepacktem Koffer im Reisebüro sitzt und ein Ticket nach Fiji will, weil es vom seinem Zuhause am weitesten entfernt ist. Natürlich bekommt er keines und verlässt das Reisebüro mit leeren Händen. Das Bild von Fiji als weit entferntes Inselparadies ist bei mir aber hängen geblieben.

Weil die Tickets von Neuseeland günstig sind und wir diese malerischen Strände auch mal live erleben möchten, fiel uns die Buchung leicht. Der Start in Fiji war allerdings erstmal holprig. Holprig ist auch die treffende Beschreibung für den Flug von Auckland nach Nadi, wo wir abends in strömendem Regen landeten. Monique musste ein paar Freundentränen vergießen, auch weil sie so dankbar war, dass wir den Flug heil überstanden hatten. Die Einreise gestaltete sich dann noch sehr zäh. Geld tauschen und Sim-Karte organisieren mussten wir auch noch, so dass wir viel zu spät und völlig gestresst den Flughafen Richtung Unterkunft verließen. Zum Glück hatte der bestellte Taxifahrer viel Geduld und wartete die ganze Zeit auf uns.

Wir haben dann nur noch geduscht und sind ins Bett. Am nächsten Morgen holte uns Sunny, unser Taxifahrer, wieder ab und brachte uns zum Hafen in Denarau. Es regnete weiterhin in Strömen.

Denarau ist eine künstlich aufgeschüttete Insel, auf der sich große, internationale Hotelanlagen befinden. Ein Großteil der Besucher von Fiji sieht nicht mehr von Fiji als den Flughafen und das Hotelresort in Denarau. Für viele Australier und Neuseeländer ist Fiji, was Mallorca für die Deutschen ist. Ein all-inclusive Urlaub im Komplettangebot. Wer schöne Strände will und ein bisschen authentische Lebenskultur, muss aber weg vom Touri-Hotspot und am Besten auf die äußeren Inseln.

Entsprechend nehmen wir morgens um 8:30 Uhr die Fähre nach Matacawalevu, eine der nördlichen Inseln der Yasawa Inselgruppe. Wir verbringen die ersten 5 Nächte am Long Beach, wo Kasa, ihre Tochter Mary und deren vier Kinder leben und ein Homestay betreiben. Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen leben da auch noch irgendwo und packen mit an. Die ersten 3 Nächte haben wir ganz für uns allein und genießen die Ruhe und den Austausch mit Mary und ihren Kindern. Mary lebt eigentlich mit den Kindern in Nadi, weil diese dort zur Schule gehen. Nun sind aber Sommerferien und diese werden natürlich bei der Oma auf der Insel verbracht. Dort sieht Mary auch ihre jüngste Tochter Kiri wieder, die das ganze Jahr bei der Oma lebt, da sie erst vier Jahre alt ist.

Unsere Tage haben eine feste Struktur. Zu den festgelegten Essenszeiten wird getrommelt, damit wir wissen, dass wir zum Essen kommen können. Immer gibt es etwas Anderes: Zum Frühstück mal Roti (Pancakes), Rührei oder Porridge, und zu den anderen Mahlzeiten Huhn, Curry, Spinat oder Aubergine. Fisch gibt es erstaunlich selten. Die Kinder essen gerne Mudcrabs, die sie selber vorher gefangen haben.

Wir machen dann nach dem Frühstück einen Strandspaziergang, da sich aufgrund der Ebbe Schwimmen nicht anbietet. Dann wird gelesen bis es um 12 Uhr auch schon wieder Mittagessen gibt. Den Rest des Tages verbringen wir mit Müßiggang, unterbrochen nur von Abkühlungen im Meer, wo man es stundenlang aushalten kann, weil das Wasser so warm ist. Um 7 gibt es ein leckeres Abendessen und wir plaudern ein wenig mit Mary über ihren Tag, die Kinder und das Leben hier in Fiji. Mary führt ein straffes Regiment. Ihre Kinder müssen vor jeder Mahlzeit mitanpacken. Vor allem heisst das Sand rechen und vom Laub der Bäume befreien.

Wir gewöhnen uns erstaunlich schnell an diesen Rhythmus, der sich so drastisch von unserer bisherigen Reise unterscheidet. Monique kann sich nicht erinnern, wann sie zuvor jemals so untätig gewesen ist! Die aufgezwungene Ruhe tut uns gut, und abgesehen von einem kurzen Schnorcheltrip und der Wanderung ins Dorf unternehmen wir nichts. Bei beiden Aktionen begleiten uns die Cousinen Maria und Cristiana, die ca. 12 Jahre alt sind. Es ist toll, mit den beiden Mädchen Zeit zu verbringen und etwas von ihrem Leben zu erfahren. Monique und Cristiana teilen beim Schnorcheln sogar einen besonderen Moment, als ihnen ein Fisch im Wasser gegenübersteht und sie aufmerksam anguckt.

Das Leben der Fijianer unterscheidet sich wenig überraschend sehr von unserem in Deutschland. Die Standards sind niedrig und das Leben einfach. Insbesondere hier auf den Inseln lebt man viel intensiver mit und von der Natur. Was das Meer und der Wald hergibt, ist integraler Bestandteil des Speiseplans. Die Mädchen erzählen uns, dass selbst die riesigen Fledermäuse, die wir mehrfach abends beim Flug beobachten konnten, gegessen werden! Der Tourismus ist die wichtigste Einkommensquelle. Leider erfahren wir von Mary, dass auch hier Korruption dafür sorgt, dass die einheimische Bevölkerung benachteiligt wird. Die teuren Ressorts sind (fast) ausschließlich in ausländischer Hand und Fijianer arbeiten dort nur als Angestellte. Maria erzählt dennoch, dass sie später mal in einem Hotel arbeiten möchte, weil man dort mehr Geld verdienen kann. Die Familie ist allerdings geschäftstüchtig und gut organisiert. Sie haben sich hier in den letzten 25 Jahren etwas aufgebaut und hoffen, dass es auch in Zukunft so weiter geht.

Nach fünf Tagen verabschieden wir uns schweren Herzens von der liebenswürdigen Familie. Die Zeit mit Mary und ihren Kindern hat bei uns bleibende Eindrücke hinterlassen. Den Spaziergang zum Dorf mit den Cousinen, auf dessen Rückweg wir vom Regen klatschnass wurden und dem anschließenden Bad im Meer, werden wir sicher nicht so schnell vergessen.

Weiter geht's nach Naviti, zur größten Yasawa Insel. Hier haben wir kein Homestay, sondern ein Eco-Resort gebucht. Also kein internationales Luxusresort, sondern eine von Locals betriebene Hotelanlage. Es stellt sich heraus, dass diese in den Coronajahren leer stand und sehr in Mitleidenschaft geraten ist. Der Familienbetrieb wird nun von einer Reihe Cousins nach und nach renoviert und wieder auf Vordermann gebracht. Mehr als ein paar Hütten in Strandnähe ist das aktuell nicht und mit der berühmten "Fiji-Time" wird es sicher noch 'ne Weile dauern, bis alles wieder einen gewissen Standard hat, falls das überhaupt je passiert. Aber die Mitarbeiter:innen sind freundlich, das Essen lecker und das Wasser bietet tolle Korallenriffe zum Schnorcheln.

Es macht uns außerdem viel Spaß, uns mit den anderen Gästen zu unterhalten. Nach den Monaten in Südamerika, die insbesondere für mich kommunikative Abstinenz bedeuteten, genießen wir den Austausch. Wir treffen eine Familie aus Kempten, die vor 15 Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist und eine Familie aus München, die für 6 Monate gemeinsam durch Australien und Ozeanien reist. Das zeigt wieder, was alles möglich ist, wenn man es will. Dass wir hier allerdings auf so viele Deutsche treffen würden, überrascht uns dann doch sehr. Wer aber nach Neuseeland oder Australien reist, hat es eben nicht weit bis Fiji.

Unsere Tage hier sind erstaunlich gut gefüllt. Immer gibt es etwas zu tun. Essen, Plaudern, Schwimmen, Schnorcheln, Kokosnüsse knacken, AngeIn, Volleyball oder abends beim Krabbenrennen mitfiebern, uns wird hier nicht langweilig. Direkt neben unserer Anlage befindet sich ein weiteres Resort in schlechtem Zustand. Dieses wird von einem Amerikaner und einem Australier renoviert. Fünf Minuten entfernt, hinter einem kleinen Hügel, lebt außerdem noch eine 12-köpfige Familie, die ein Homestay betreibt. Alle hier helfen sich gegenseitig aus und man mischt sich unter die anderen Gäste bei den verschiedenen Aktivitäten.

An einem Abend machen wir im Schein des Lagerfeuers sogar bei einer Kavazeremonie mit. Kava ist ein traditionelles Getränk, das aus einer Wurzel gewonnen wird und eine berauschende Wirkung haben soll. Davon merken wir nichts, obwohl wir einige Male die kleine Schale mit der matschig-braunen Flüssigkeit leer trinken. Immerhin kribbelt es ein wenig an Zunge und Lippen, was über den schlechten Geschmack aber nicht hinwegtrösten kann. Wir fühlten uns dennoch geehrt, dass wir teilnehmen durften und gaben uns auch reichlich Mühe, das rituelle Klatschen richtig hinzubekommen.