Cochabamba für Genesung und Christus
Stephan
10/6/2025
Irgendwie haben wir uns in La Paz einen Darminfekt eingefangen. Das ist wohl grundsätzlich nicht vermeidbar, aber dann doch ärgerlich und besonders unangenehm, wenn man eine neunstündige Busfahrt vor sich hat. Wir haben diese aber überstanden und sind erschöpft in Cochabamba angekommen.
Die ersten beiden Tage haben wir nur auf der Couch gelegen und ferngesehen, um zumindest das Gröbste auszukurieren. Von Auswandererstories über "Hartz, Rot, Gold" bis "Rosins Restaurants" haben wir einfach alles geguckt, das uns von Youtube angeboten wurde. Wenn eine Sehenswürdigkeit die andere jagt, kann so ein Tag vor dem Fernseher auch mal schön sein.



Cochabamba ist eine stark wachsende Stadt mittig zwischen den anderen Großstädten Boliviens gelegen und bekannt für sein vielfältiges Warenangebot. Hier gibt es immerhin den größten Markt Südamerikas. Durch die Lage inmitten eines Tals ist das Klima hier ganzjährig mild. Cochabamba hat keine großen Highlights zu bieten und ist daher angenehm untouristisch. Einzig erwähnenswertes Ausflugsziel ist die riesige Christusstatue, die sogar mit einer Seilbahn erreichbar ist und auf einem Berg über der Stadt thront.
Unsere Wohnung lag im wohlhabenden nördlichen Teil der Stadt, wo man schöne Parkanlagen und viele nette Cafés und Restaurants findet. Im Norden liegt auch der Tunari Nationalpark, den wir auf noch etwas wackligen Beinen zumindest ein klein wenig erkundet haben. Außerdem waren wir im Kino. "One Battle After Another" ist politisch, sehr kritisch und absolut empfehlenswert! Natürlich haben wir auch die Altstadt mit seinem hübschen Hauptplatz und dem ein oder anderen ansehnlichen Gebäude bei einem Spaziergang erkundet. Der botanische Garten von Cochabamba ist aber leider nicht der Rede wert.
Was es in Cochabamba auch noch gibt ist ein Nationaldenkmal von Bolivien. Diese Christusstatue ist das zweitgrößte Bildnis einer christlichen Gottheit auf der Welt. Somit ist die Statue auch größer, als die Bekanntere in Rio de Janerio.
Und Cochabamba ist auf Platz 4 der höchstgelegenden urbanen Zentren der Welt mit einer Bevölkerung von mind. 1 Million Menschen.
Cochabamba hatten wir allerdings nicht ausgewählt, um hier die nächsten Highlights zu erleben. Wir wollten nach knapp zwei Monaten Reise, in denen wir uns kaum echte Ruhephasen gegönnt hatten, auch mal etwas runterfahren und durchatmen. Der Infekt hätte sich also gar keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um uns lahmzulegen. Ich habe die Zeit auch genutzt, um zum Zahnarzt zu gehen. Mir war irgenwann in den letzten Wochen irgendwie ein Stück eines Zahns abgebrochen. Die Reparatur meines Zahns inklusive Zahnreinigung hat 1,5 Stunden gedauert und nur 55€ gekostet. Das zaubert einem doch ein Lächeln ins Gesicht!I



Noch eine kleine Anekdote zum Thema Geld abheben.
Durch die Inflation gibt es in Bolivien aktuell zwei Wechselkurse. Einmal den Offiziellen und den Realen. Wenn man Geld am Automaten abholt, bekommt den offiziellen Kurs von 1-8. Wenn man aber Euro eintauscht, bekommt man einen Kurs von bis zu 1-14. Da wir hier natürlich keine Euro mehr dabei haben, kann man sich mit einer App behelfen, um den guten Wechselkurs doch zu bekommen. Dafür muss man letztlich aber in eine Bank an den Schalter und Formulare ausfüllen. Es dauert also etwas. Bei unserem ersten Versuch, so an das günstige Geld zu kommen, wurde es dann doch reichlich kompliziert. Vorab: In einer Bank hier darf kein Smartphone benutzt werden und man darf auch nur einzeln an den Schalter treten. Überall stehen Sicherheitskräfte, die das streng kontrollieren.
Beim ersten Versuch schickte mich die Dame vom Schalter weg, weil nicht mein vollständiger Name im Formular eingetragen war. Vollständig heisst hier: Stephan Alexander Martin Heimann Pretel. Also wieder zurück, neue Wartemarke ziehen, korrekt eintragen und wieder hin. Beim zweiten Mal war die Adresse falsch. Es muss die in Bolivien sein. Also wieder zurück, neue Wartemarke ziehen, neu eintragen. Beim dritten Versuch fehlte die Telefonnummer. Es muss eine bolivianische sein. Also wieder alles von vorn.... Es sei hier angemerkt, dass jedes Mal ein anderer Bankmitarbeiter gerufen werden musste - der Einzige, der Englisch sprach - um mir zu erklären, was falsch war. Monique durfte ja nicht mit an den Schalter herantreten und mein Handy durfte ich zur Übersetzung nicht nutzen. Bei Versuch Nummer vier war dann schließlich alles in Ordnung und ich bekam mein Geld. Die Mitarbeiterin am Schalter war genauso erleicht wie wir als wir endlich gehen konnten.
Die Suche nach dem nächsten Ziel wurde wieder zur Herausforderung, aber schließlich konnten wir eine Entscheidung treffen: Wir verbringen zwei Tage im 3 Stunden entfernten Torotoro-Nationalpark. Dort soll es Spuren von Dinosauriern geben und eine schöne Landschaft. Die Anfahrt werden wir schon irgendwie schaffen und dann auch einen Weg finden, um möglichst direkt nach Sucre weiterzufahren.





Nach 2 Monaten unterwegs ziehen wir ein Resümee: Zwischen den Zeilen.
