Colca-Canyon und Colca Tal

Monique

9/11/2025

Die Reise begann mit einer langen Fahrt nach Cabanaconde, die sich um eine Stunde länger zog als geplant. Von Arequipa aus führte der Weg vorbei am Mirador de los Andes. Schon aus dem Bus heraus verzauberte uns die Aussicht auf die weite Berglandschaft so sehr, dass wir spontan beschlossen, länger hier zu bleiben. Am Abend, noch etwas erschöpft von der Fahrt, gab es im Hostal Spaghetti Bolognese mit Alpakafleisch. Ein gewohntes Gericht mit einem Twist und unglaublich lecker.

Am nächsten Morgen starteten wir zur ersten großen Wanderung. Vom Hauptplatz in Cabanaconde führte der Weg hinab zur Llahuar Lodge. Mit einem Bambusstock, den ich mir im Hostal leihen konnte, ging es zunächst sanft bergab. Doch bald warteten steile Serpentinen, die meinem Knie schmerzlich zusetzten. Den weiteren Weg musste ich daher mit bedachten Schritten langsamer fortsetzen. Unten angekommen, wurden wir für die Mühen belohnt: heiße Quellen, in denen wir unsere erschöpften Muskeln bei 39 Grad entspannen konnten. Zum Abendessen gab es Lomo Saltado vom Alpaka, das sehr köstlich war, und der Vollmond, der die Berge hell erleuchtete, machte die Anstrengungen des Tages schnell vergessen.

Am zweiten Tag brachen wir früh auf nach San Juan de Chuccho. Der Weg führte beständig bergauf, begleitet von einem französischen Paar, das ein Stück mit uns wanderte. In einem kleinen Ort gönnten wir uns eine Flasche Inka Cola, später auf einer Hochebene eine zweite. Ein Gespräch mit der mitteilungsfreudigen Kioskbesitzerin ließ uns einen Moment am Leben der Menschen dort teilhaben. Der Weg zog sich länger hin als gedacht, und so waren wir dankbar für jede Begegnung, die uns Kraft schenkte. So auch etwa die des alten Bauern, der uns mit einem festen Handschlag begrüßte. Unsere Lodge lag direkt am Berghang, das Mittagessen war schlicht, aber unvergesslich: Guacamole, die ihresgleichen sucht, dazu Gemüsesuppe und erneut Lomo Saltado vom Alpaka. Von unserem Balkon aus schweifte der Blick über die Felsen des Canyons. Später, als die Sonne unterging, färbte sich der Himmel in warmes Rot, und beim Abendessen funkelte über uns ein Sternenhimmel wie aus einem Märchen.

Am nächsten Morgen hieß es, den Rückweg nach Cabanaconde anzutreten – und zwar bergauf. Mit Cocablättern im Tee und frischer Avocado gestärkt, begannen wir am tiefsten Punkt des Canyons den Aufstieg auf 3439 Meter. Rund 1000 Höhenmeter lagen vor uns. Schon nach einer Stunde wurde der Weg zur Tortur: die steilen Serpentinen, die Sonne, die dünne Luft. Wir hielten oft an, atmeten tief durch und kämpften uns weiter. Nach drei Stunden standen wir schließlich am höchsten Punkt des Anstiegs. Von dort ging es zurück nach Cabanaconde, wo wir uns in einem einfachen Restaurant stärkten. Für 7 Euro bekamen wir beide eine Gemüsesuppe, Reis mit Hühnchen und Rote Bete. Später stiegen wir in ein Collectivo, das uns nach Chivay brachte, aber so voll war, dass die Fahrt nicht ganz angenehm war. Ein Highlight bot sich aber völlig unerwartet: Nachdem wir in drei Tagen Wanderung keinen einzigen Condor gesehen hatten, konnten wir nun aus dem Fenster gleich mehrere erblicken. Sieben Andenkondore kreisten majestätisch in der Thermik. Schade, dass wir nicht die Möglichkeit hatten auszusteigen und diese länger zu beobachten.
Chivay selbst empfing uns authentisch und voller Leben. Frauen in bunter, traditioneller Kleidung prägen das Straßenbild. Manche mit hochgeklappten, farbenfrohen Hüten, andere mit schlichten weißen. Beide Varianten werden hier ganz selbstverständlich im Alltag getragen und erzählen Geschichten einer tief verwurzelten Kultur.

Am nächsten Morgen überraschte uns die Kälte: nur 1 Grad zeigte das Thermometer. Zum Glück wird es tagsüber aber immer angenehm warm, so dass man in der Sonne entspannt im T-shirt rumlaufen kann. Chivay liegt auf 3635 Metern, und diese Höhe spürten wir bei jedem Schritt. Wir wanderten zu den Ruinen der Stadt, die auf zwei prä-inkaische Kulturen zurückgehen, und später weiter zu den heißen Quellen La Calera. Das Wasser stammt aus dem Vulkan Cotallaulli und kommt mit über 80 Grad aus der Erde. Für die Becken wird es auf angenehme 38 Grad heruntergekühlt. Wir saßen dort im warmen Wasser, während der Dampf in die klare Bergluft stieg.

Am nächsten Tag brachte uns ein Collectivo für einen Euro nach Yanque. Von dort wanderten wir zu den Ruinen von Uyo Uyo, Zeugen der Inkazeit, die jedoch von den Kolonisatoren zerstört wurden. Der eigentliche Höhepunkt war aber der Blick über die Landschaft. Endlos, weit und von einer Schönheit, die schwer in Worte zu fassen ist. Der Weg führte uns noch einmal hinunter zum Río Colca, ehe wir in einem kleinen Restaurant einkehrten. Auch hier war das Essen einfach, herzhaft und günstig: Vorspeise und Hauptgericht für zwei Personen für zusammen 7 Euro.
Und dann kam der Abschied. Von einer Region, die uns nicht nur mit ihrer Natur, sondern auch mit den Begegnungen mit den Menschen tief berührt hat. Mit einem Lächeln und ein paar Brocken Spanisch entstanden immer wieder kleine, herzliche Momente. Diese Nähe, so unscheinbar sie manchmal wirkte, macht dieses Reiseziel unvergesslich.