Cusco - Das Zentrum des Inkareichs

Stephan

9/17/2025

Hätte, hätte, Fahrradkette...
Hätten wir schon in Chivay gewusst, dass es Schwierigkeiten mit den Zügen zum Machu Picchu geben würde, wären wir gar nicht erst nach Cusco gefahren und hätten uns eine unangenehme dreizehnstündige Busfahrt gespart. Hätten wir wiederum in Cusco gewusst, dass die Proteste dann doch recht zügig beendet sein würden, wären wir vielleicht doch nicht sofort nach Puno abgereist. Wie man's macht, macht man's verkehrt. Aber das gehört zum Reisen dazu und es bringt nix, sich hinterher darüber zu ärgern. Tun wir auch nicht.

Unser Aufenthalt in Cusco hatte also irgendwie schon keinen guten Start und hat auch kein versöhnliches Ende genommen. Wir sind mit Cusco nie richtig warm geworden. Zu hip, zu touristisch, zu künstlich, zu teuer, zu schlechte Luft.

Wir haben insgesamt 3 Tage in Cusco verbracht und uns einen gewissen Eindruck machen können. Wir haben eine Stadtführung mitgemacht, haben die wichtigsten Viertel erkundet und ein Museum besucht. Irgendwie war es aber nicht unsers, vielleicht hatten wir auch falsche Erwartungen. Zunächst mal ist Cusco kein beschauliches Bergdorf und Machu Picchu ist hier auch nicht um die Ecke. Cusco ist eine Großstadt mit 500.000 Einwohnern (oder drei mal so vielen, das ist hier schwer zu sagen) und Machu Picchu ist noch 4h mit dem Zug entfernt. Dennoch gilt Cusco als Tor zu Machu Picchu, weil dieses nur mit einem Zug (oder zu Fuß) erreichbar ist, der nunmal von Cusco fährt.

Wer Cusco besucht, bewegt sich vor allem durch die Altstadt und das anliegende, hippe Viertel San Blas. Beide Stadtteile repräsentieren Peru im gleichen Maße wie Manhattan die USA. Sprich: Gar nicht. Hier ist es sauber, sicher, die Häuser sind schön anzusehen und es gibt reichlich nette Hotels, Restaurants und Cafés, die zum Verweilen einladen. Alles ist optimal auf die Bedürfnisse der Touristen zugeschnitten. Ein Guide erzählte uns, dass in diesen Vierteln aber keine Peruaner mehr leben, weil es einfach zu teuer für sie ist. Klar ist es schön, durch die geschmückten Gässchen zu schlendern, aber die findet man so oder so ähnlich auch an vielen anderen Orten der Welt. Uns gefällt es in den Straßen, in denen sich auch die Einheimischen bewegen, viel besser. Zum Glück muss man sich dafür nur mal ein paar Meter vom Zentrum entfernen und man ist mitten im Geschehen. Den besten Kaffee in Cusco haben wir nicht in einem hippen, bio, wir-bauen-unseren-Kaffee-selber-an-Café getrunken, sondern in einem einfachen Café neben einer Bushaltestelle außerhalb des Zentrums. Dort war er außerdem noch viel günstiger.

Cusco empfanden wir eher auf eine andere Weise bemerkenswert: Cusco ist ohne Zweifel die touristische Hauptstadt des Landes. Der Tourismus in Peru ist aber gerade mal 20 Jahre alt. Dennoch leben in Cusco inzwischen etwa 80% der Bevölkerung direkt oder indirekt vom Tourismus! Was für eine radikale Veränderung in so kurzer Zeit. In den nächsten 5 Jahren soll sich die Menge der Besucher verdoppeln. Schon jetzt hat Cusco ernste Probleme mit den Menschenmassen (Verkehr, schlechte Luftqualität, Wasserprobleme) und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Machu Picchu, Sacred Valley, Rainbow Mountains) sind völlig überlaufen. Wie soll das dann in 5 Jahren aussehen?

Der Tourismus hat natürlich sein Gutes, denn er bringt viel Geld ins Land. Dieses bleibt zwar zum Großteil bei einigen Monopolisten hängen (Der Bürgermeister von Lima besitzt die Eisenbahn zum Machu Picchu sowie zahlreiche Luxushotels.), aber es tröpfelt dennoch noch einiges an die überwiegend sehr arme Bevölkerung durch. Man kann den Einwohnern nur wünschen, dass sie an der zukünftigen Entwicklung teilhaben und diese nachhaltig umgesetzt wird und nicht auf Kosten der Lebensqualität.

Leider gibt es reichlich Grund, das zu bezweifeln. Die politische Elite steckt seit Jahren in der Krise (drei der letzten 4 Präsidenten sitzen im Knast, ein Selbstmord) und Korruption ist tief verwurzelt. Niemand, mit dem wir darüber gesprochen haben, sieht eine positive Veränderung am Horizont. Das ist umso bitterer, weil die Peruaner wirklich freundliche, herzensgute Menschen sind, die etwas Besseres verdient hätten.

Der Zusammenhalt in der Familie wird hier gelebt, das ist zumindest unser Eindruck. Wir haben häufiger beobachtet wie Scharen von Eltern ihre Kinder im Teenageralter von der Schule abholen, sie liebevoll begrüßen und sogar die Schultasche nach Hause tragen. Die Älteren sitzen hier nicht im Altersheim, die gibt's ja auch gar nicht, sondern sind Teil der Familie. Stichwort Mehrgenerationenhaushalt. Sozialer Zusammenhalt ist hier auch bitter nötig. Es gibt keine Rente, kein Geld für Arbeitslose oder Kranke. Wer nicht für sich selbst sorgen kann, der braucht Unterstützung der Familie. Trotz der einfachen Lebensumstände oder gerade deswegen besitzen die Peruaner viel Humor. Den sieht man auch in Cusco. Hier gibt's Buslinien mit Namen wie "Batman", "Zorro" oder "Fast&Furious". Das würde ich gern mal in Deutschland sehen, dann würden die Leuten auch mehr ÖPNV nutzen!

Unser Ausflug ins Sacred Valley war interessant, lehrreich und anstrengend, denn wir fingen um 7 Uhr morgens an und waren erst um 19 Uhr zurück. Eigentlich mögen wir Touren, bei denen wir mit hunderten anderen Touristen von Punkt zu Punkt gekarrt werden und zwischendurch an Vorführungen, die eigentlich Verkaufsshows sind, teilnehmen sollen, gar nicht. Wir konnten uns aber darauf einlassen und hatten dann auch durchaus unseren Spaß. Wenn man sonst alles selbst organisiert, kann es auch mal schön sein, sich einfach mitziehen zu lassen. Und zwei schicke Mützen haben wir auch noch gekauft!

Das Highlight jeder Perureise ist natürlich Machu Picchu. Soll es zumindest sein. Der Besuch dieses Weltwunders wird einem aber nicht gerade leicht gemacht. In der Hochsaison sind die Tickets schon Monate vorher ausgebucht. Für Tagestickets stehen die Leute stundenlang in der Schlange und übernachten sogar vor dem Verkaufsschalter. Alles im Zusammenhang mit Machu Picchu ist teuer, aufwendig und kompliziert. Immer wenn man mit anderen Reisenden spricht, wird Machu Picchu zum Thema und die Standardfrage: "Do you have a ticket?", wird gestellt. Schon seit Lima beschäftigte uns das. Durch den Hipe um Machu Picchu entsteht ein gewisser Druck, der uns leider auch einiges an Vorfreude genommen hat. Letztlich gelangten wir an den Punkt, an dem wir das nur noch irgendwie abhaken wollten. Als dann auch noch Proteste und Sabotageaktionen stattfanden, die unsere Anreise mit dem Zug unmöglich machten, war die Entscheidung schnell getroffen. Wir lassen Machu Picchu aus und reisen direkt weiter nach Puno.

Wie eingangs erwähnt, wird Cusco uns nicht besonders gut in Erinnerung bleiben, aber auch nicht besonders schlecht. Es ist nur kein Ort, der unseren Bedürfnissen entspricht. Puno hat uns tatsächlich deutlich besser gefallen. Dazu aber mehr im nächsten Artikel.