Die Blase ist geplatzt

Stephan

8/5/2025



Wir haben unseren ersten Kulturschock erlebt. Da wechseln wir von unserem gemütlichen, ruhigen, privat geführten B&B zum einem großen Hostel (ca 60 Gäste) und werden erstmal voll aus unserer Bubble geworfen. Während wir uns in den ersten Tagen noch sehr individuell bewegt haben, sind wir nun Teil einer durchorganisierten Backpacker-Herde. Ja, so haben wir uns ein wenig gefühlt als wir nach 2h Fahrt am Hostel beim Cotopaxi Nationalpark ankamen und von der Managerin schäferhundartig eingewiesen wurden. Dann und dann sind die Mahlzeiten, da ist das Jacuzzi, dort die Hängematten, zwischen 5-6 Uhr frage ich euch was ihr morgen machen wollt und das sind unsere Angebote...

Backpacking ist offensichtlich nicht automatisch Individualtourismus. Es gibt Hostels, die sind das Äquivalent zum All-Inclusive Clubhotel. Tagesaktivitäten, Transport, Abendgestaltung und die Planung der nächsten Reiseetappe werden hier den Gästen mundgerecht serviert. So machen dann alle irgendwie das Gleiche, waren schon da, wo man hin will oder haben nahezu identische Ziele für die nächsten Wochen ausgewählt. Eine der ersten Fragen, die man gestellt bekommt ist: "How long have you been travelling for?" Offensichtlich rechnet niemand mit der Antwort, dass man ja nur 2 Wochen Urlaub macht. So hat sich die Illusion, dass wir etwas Eigenes machen oder unsere Reise vielleicht irgendwie etwas Besonderes ist, schlagartig in Luft aufgelöst. Tatsache ist, dass ein guter Teil der Backpacker hier im Hostel auch Langzeitreisende sind. Die haben auch alle schon alles gesehen und gemacht. Zahlreiche andere Deutsche sind auch hier, zwei davon ebenfalls im Sabbatical. Puff, zisch, Blase geplatzt.

Dass global gesehen eine Weltreise heute nun wirklich nichts Außergewöhnliches mehr ist, dass war uns schon klar. Dass wir aber an Tag 5 so deutlich vor Augen geführt bekommen, wie viele ähnlich wie wir unterwegs sind, war dann schon ein Schock. Der Backpacker ist des Backpackers größter Feind.

Am Anfang habe ich konsequenterweise die anderen Backpacker gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Ich reise doch nicht um die halbe Welt, um mich dann mit Franzosen, Niederländern oder Deutschen über ihre Urlaubserlebnisse zu unterhalten! Nach etwas Akklimatisierung kommt man dann natürlich doch ins Gespräch, schon allein, weil man ja rudelhaft zusammen an einem Tisch sitzt und die Mahlzeiten gemeinsam einnimmt. Eins muss ich aber zugestehen: Für Alleinreisende ist das natürlich super. Man findet schnell Anschluss und bekommt jede Menge Tipps was man sonst noch so machen kann, ob man sie nun hören will oder nicht.

Immerhin eine Person zeigte sich dann doch interessiert und angemessen beeindruckt von unserem Unterfangen. Eine Voluntärin aus Boston begleitete uns auf einer Wanderung zum Gipfel vom Pasochoa und beim Abstieg kamen wir ins Gespräch.

Wir(Ich) sind aber froh, dass dies vorerst unser einziges gebuchtes Hostel ist und wir erstmal wieder nur zu zweit unterwegs sind. So können wir vielleicht wieder ein bisschen in die Blase eintauchen.