Frühling in Kanazawa und Kyoto

Monique

4/4/2026

Wir gönnen uns in Kanazawa bewusst ein paar paar Tage mehr, um uns entspannter durch die Stadt, die als das "Little Kyoto" bezeichnet wird, treiben zu lassen. So schlafen wir jeden Tag aus und kommen nach dem Frühstück meist erst gegen 11 Uhr los.

Kanazawa hat touristisch einiges zu bieten, z.B. den Omicho Market, das kulinarische Herz der Stadt, das seit Jahrhunderten die Menschen hier mit frischem Fisch und Gemüse versorgt. Wir beobachten das geschäftige Treiben und die vielen Touristen und entscheiden, an einem anderen Tag zum Mittagessen zurück zukommen. Das historische Higashi Chaya District, eines der am besten erhaltenen Geisha-Viertel Japans mit den schmalen Gassen mit ihren dunklen Holzhäusern ist toll anzusehen. Im kleinen Geiko-Museum im Viertel erhalten wir Einblicke in die Welt dieser traditionellen Unterhaltungskünstlerinnen und wir können Fotos mit Wasaga- Schirmen machen, die in der Region Kanazawa berühmt sind. Wagasas sind traditionelle japanische Regenschirme, die aus Washi-Papier bestehen, das an einem Bambusrahmen befestigt ist, und die so behandelt werden, dass sie wasserdicht sind.

Wir beide gehen unheimlich gerne ins Kino und nun ist endlich ein neuer Film mit unserem Lieblingsschauspieler Ryan Gosling auf der Leinwand. Daher geht es ab ins Kino zu "Project Hail Mary" auf Englisch mit japanischen Untertiteln. Dabei gönnen wir uns 2-Sorten Popcorn mit Karamellsoße und Honig-Sojasauce. Biedes zusammen ist tatsächlich eine leckere Kombination zu diesem tollen und empfehlenswertem Film.

Ein echtes Highlight ist der Kenrokuen Garden, der als einer der drei schönsten Landschaftsgärten Japans gilt. Zwischen Teichen, kunstvoll angelegten Wegen und ersten Kirschblüten verbringen wir viel Zeit. Direkt daneben liegt der Kanazawa Castle Park, dessen weitläufige Anlage und restaurierte Gebäude einen guten Eindruck davon geben, wie bedeutend Kanazawa einst war. Leider ist die Burg weitgehend von einer Bauplane verdeckt, so dass wir unseren Spaziergang hier verkürzen.

Am Abend trennen sich unsere Wege kurz: Während Stephan weiter am Video arbeitet, gehe ich alleine essen. In einer kleinen Seitenstraße hinterm Bahnhof finde ich ein kleines Restaurant ohne Schlange. Ich sitze am Tresen mit meinem Stempelbuch und komme mit zwei Japanern durch Hände und Übersetzungsapp ins "Gespräch". Sie blättern durch die Seiten und finden es amüsant, woher ich die Stempel habe. Als mein Bierglas sich leert, greift die Frau zur Flasche und gießt mir nach. Wie ich erfahren habe, gilt das in der japanischen Trinkkultur als Zeichen von Respekt, indem man darauf achtet, ob das Glas des Gegenübers leer ist, sprich ich war ihr sympathisch.

Was uns in Kanazawa immer wieder herausfordert, ist das öffentliche Verkehrssystem. Unterschiedliche Anbieter, verschiedene Tickets, alles überwiegend auf Japanisch. Mal funktioniert die eine Karte nicht, mal die andere. Am Ende laufen wir oft lieber, als das Bussystem zu entziffern. Im Bahnhof sehen wir auch lange Schlangen vor den Ticketautomaten und wir sind froh , dass es für ausländische Touristen extra Automaten mit Mitarbeitenden gibt, die uns auf Englisch helfen können. Im Internet lese, dass die Schlange zum Ticketkauf auch mal bis 50 Minuten lang sein kann. Der Bahnhof von Kanazawa erscheint uns voller, als alle bisher gesehenen.

Wir erkunden lieber weiter ein Viertel, wo einst die Samurai lebten. Die engen Gassen, Lehmwände und traditionellen Häuser geben einen Eindruck vom Leben dieser Zeit. Wir können sogar in die Häuser reinschauen mit ihren Tatami Matten und reduzierter Einrichtung.

Auch das kleine, ruhige Kazue-machi Chaya District hat seinen ganz eigenen Charme, besonders, wenn es langsam Dunkel wird und die Lampen abgehen. Wir gehen in ein kleines Museum über die Geschichte des Viertels und können einen der typischen japanischen Regenschirme, Wagasa, aufspannen. Im starken Kontrast zu den traditionellen Vierteln steht das 21st Century Museum of Contemporary Art, das mit moderner Architektur und interaktiven Installationen überrascht. Wie auch in Tokio ist der Eintritt für Kindergartenkinder kostenlos und das Angebot wird auch gut genutzt.

Zwischendurch erproben wir uns im Singen in einer Karaoke-Kabine, besuchen einen Mizuhiki Workshop und schlendern durch Parks. Besonders schön ist es, noch einmal zum Geishaviertel zurückzukehren. Diesmal zum Sonnenuntergang, wenn das warme Licht die Holzfassaden zum Leuchten bringt. Und ja, zwischendurch landen wir auch mal in einem italienischen Kettenrestaurant. Endlich wieder mal Käse im Essen!

Mit vielen Eindrücken im Gepäck geht es weiter nach Kyoto. Die Fahrt mit dem Shinkansen, inklusive Umstieg, verläuft reibungslos, und zur Stärkung gibt es ganz unkompliziert Gyudon und Lachs in einem kleinen Lokal. In Kyoto angekommen begleiten mich bei einem Spaziergang entlang des Takase Rivers und des Kamo River bis zum Okazaki-Kanal ganz ganz viele Kirschblüten. Zusammen mit einem umwerfenden Sonnenuntergang, endet der erste Tag in der ehemaligen Kaiserstadt.

Gerade jetzt beginnt die Zeit des Hanami, das gemeinsame Betrachten der Kirschblüten. Es ist nicht nur die Blüte selbst, die beeindruckt, sondern vor allem, wie die Menschen sie erleben. Überall bleiben auch die Japaner:innen stehen, machen Fotos, picknicken unter den Bäumen und genießen diese besondere Zeit des Jahres.

Da Kyoto gerade voller Touristen ist, bleiben wir nur zwei Nächte, denn eigentlich sind wir nur hier wegen des Theaterstücks "Kitano-Odori", dass für den Frühlingsanfang steht. Die Aufführung von traditionellem Gesang, Tanz und Theater durch insgesamt 16 Geishas ist faszinierend und befremdlich zugleich. Jede Hand- und Kopfbewegung der Darstellerinnen wirkt präzise einstudiert und transportiert zweifelsohne eine Bedeutung, die sich uns aber entzieht. Natürlich ist auch der Gesang auf japanisch und bleibt für uns ein Mysterium. Selbst das Spiel der Instrumente, wie z.B. der Shamise, wirkt wie aus einer anderen Welt. Wir können die Aufführung dennoch genießen und fühlen uns ein wenig in die Edo-Zeit zurückversetzt.

In unserer kurzen Zeit hier sehen wir viele Schreine und Tempel. An unserem einzigen, ganzen Tag regnet es in Kyoto durchgehend. Wir beuschen das Nijo Castle, dessen weitläufige Gärten voller Kirschbäume stehen. Weiter geht es zum Hirano Shrine und erleben die Kirschblüten in voller Pracht, denn ein ganzer Park steht hier im Zeichen der Sakura. Die Bäume stehen zum Teil so dicht, dass sie wie ein Dach sind.

Abends fahre ich mit der Metro die kurze Strecke nach Gion, einem sehr altem Viertel von Kyoto. Beim Aussteigen hauen mich die Massen der Touristen um. Es ist 20:30 Uhr, regnet seit Stunden durch und trotzdem empfängt mich Gedränge. Vor neun Jahren war es hier ruhig und entspannt.

Da mein Ziel der Maruyama Park ist, mache ich mich schnell auf den Weg durch den Yasaka Shrine bis zum Park, wo die Kirschblüten am Abend beleuchtet sind und eine ganz besondere Atmosphäre schaffen. Zumal es hier auch leerer ist. Auf dem Rückweg nehme ich dann die Seitenstraße zur Metro. Dabei ist das Glück auf meiner Seite und 2 Geishas kommen im Regen mir entgegen. Welch ein stilvoller Abschluss für Kyoto.