Im Osten von Südkorea
Monique
5/8/2026


Eigentlich soll unser nächstes Ziel Sokcho an der Ostküste Südkoreas sein. Doch wegen der Golden Week sind alle direkten Bustickets von Seoul bereits ausgebucht. Also entscheiden wir uns, während wir am Busbahnhof stehen, für einen Zwischenstopp in Chuncheon. Laut Fahrplan dauert die Busfahrt gerade einmal 70 Minuten. In der Realität sitzen wir jedoch fast fünf Stunden im Bus. Stau, Stau und nochmals Stau. Selbst die Toilettenpause dauert beinahe eine Stunde. Willkommen im koreanischen Feiertagsverkehr.
In Chuncheon angekommen, geben wir nur schnell unsere großen Rucksäcke im Hotel ab und ziehen direkt weiter zum Gangchon Rail Park. Dort fahren wir auf einer stillgelegten Bahnstrecke mit einem pedalbetriebenen Schienenfahrrad durch die Natur. Eigentlich rechnen wir schon damit, keine Tickets mehr zu bekommen. Als wir kurz vor halb vier ankommen, hängt bereits ein Schild aus, dass nur noch Plätze für 18:30 Uhr verfügbar sind. Trotzdem fragen wir nach und haben Glück. Für die Tour um 15:30 Uhr gibt es wohl noch zwei freie Plätze. Schnell Sonnencreme drauf und los.
Die Fahrt ist landschaftlich wunderschön. Nach den vielen Tagen in der Großstadt tut es gut, wieder mehr Grün zu sehen. Die Strecke führt entlang eines Flusses durch eine hügelige Landschaft. Zwischendurch fahren wir durch Tunnel, in denen mal romantische Musik und mal laute Partysongs laufen. Sobald es jedoch leicht bergauf geht, geraten viele Gefährte ins Stocken und die ganze Kolonne kommt nur noch langsam voran. Diese Mischung aus Natur, Kitsch und Sonne macht die Fahrt irgendwie sympathisch. Zum Abschluss steigen wir noch in den „Romance Train“ um und rollen mit Popmusik und Blick auf Berge und Wasser gemütlich weiter.
Nach fast zwei Stunden auf den Schienen sind wir hungrig und landen direkt im Restaurant gegenüber. Dort essen wir Dak-Galbi, eine Spezialität aus Chuncheon. Das scharf angebratene Hähnchen mit Gemüse und Reiskuchen wird direkt am Tisch in einer großen Pfanne zubereitet. Heiß, würzig und genau das Richtige nach diesem Tag und jeder Bissen schmeckt uns.
Am Abend, passend zum Sonnenuntergang, schwebe ich mit der Samaksan-Seilbahn über den Uiamho-See. Die Aussicht auf Wasser, Berge und Wälder kann ich in diesem Moment sehr genießen und in mich aufnehmen. Das Grün tut gut und beim Spaziergang rund um die Bergstation kann ich wunderbar durchatmen. Der Sonnenuntergang in den Bergen ist wunderschön und der Blick auf das leuchtende Chuncheon, verzaubert mich.
Im Hotel fällt uns ein kleines, aber dauerhaftes Kuriosum auf: Statt großer Badetücher gibt es oft nur kleine Handtücher. Koreaner finden es praktischer, denn diese trocknen schneller. Für mich, deren Duschroutine normalerweise aus „Handtuch umwickeln und lufttrocknen“ besteht, ist das eine echte Umstellung.















Am nächsten Tag geht es weiter nach Sokcho. Vom Busbahnhof aus, gehen wir direkt an den Strand. Da die Südkoreaner keine Sonnenstrahlen abgekommen wollen, steht hier ein riesengroßes Pavillon zum drunterlegen. Also packen wir unsere Decke aus, kaufen uns Tempura und genießen die Feiertagslaune am Strand.
Zum Abendessen erwartet uns eine neue Entdeckung: "Squid Sundae". Ein ganzer Tintenfisch wird mit einer Mischung aus fein gehackten Tintenfisch-Tentakeln, Glasnudeln, Karotten, Zwiebeln, Frühlingszwiebeln und oft Tofu oder Hackfleisch gefüllt. Wir sind sofort begeistert von diesem Gericht und werden es die nächsten Tage jedes Mal essen, sobald wir die Chance darauf haben.
An einem Regentag in Sokcho starten wir mit einem warmen Fußbad an einer öffentlichen Fußbad-Quelle. Die Wärme an den Füßen zu spüren ist angenehm, während und sonst kühle Luft umweht. Es ist witzig mit den Koreanern hier zu sitzen und man lacht gemeinsam, auch wenn wir uns sprachlich nicht verstehen.
Anschließend zieht es uns zum berühmten Fischmarkt. Die Auswahl an frischem und noch lebendigem Fisch scheint endlos zu sein. In unzähligen Gängen stehen links und rechts große Wasserbecken voller Oktopusse, Tintenfische, Muscheln und Fische. Auch Seeananas entdecken wir hier. Noch nie vorher davon gehört, wird es hier gerne gegessen.
Natürlich entdecken wir überall noch kleine Essensstände, die auch vieles andere anbieten. Besonders bekannt ist Sokcho für sein Makgeolli-Brot. Dies ist ein gedämpftes Brot, das mit koreanischem Reiswein fermentiert wird. Dafür stehen wir ganze 45 Minuten an. Verrückt eigentlich, aber es lohnt sich wirklich. Das Brot ist wahnsinnig lecker!
Am nächsten Tag scheint endlich wieder die Sonne und wir fahren in den Seoraksan-Nationalpark. Wegen der Waldbrandsaison und des Naturschutzes sind bis Mitte Mai viele Wanderwege gesperrt. Deshalb teilen sich fast alle Besucher dieselben noch übrigen drei Trails. Über mehr als 1660 Holz- und Steinstufen steigen wir hinauf zum Ulsanbawi Rock auf 873 Meter Höhe. Jeder einzelne Schritt lohnt sich. Die Aussicht reicht vom Meer bis tief hinein in die zerklüfteten Berge des Nationalparks.
Zurück in Sokcho besuche ich abends mit einer kleinen Fähre das Abai Village. Dies wurde 1951 von nordkoreanischen Flüchtlingen gegründet. Dort erinnert heute ein Denkmal an die rund zehn Millionen getrennten Familien zwischen Nord- und Südkorea.
Weil uns der Fischmarkt so gut gefallen hat, gehe ich natürlich noch einmal hin, inklusive weiterer 30 Minuten Wartezeit für das Makgeolli-Brot. Dieses Mal entdecke ich außerdem eine Sokcho Red Crab Roll und ein lokales Craft Beer. Genau solche Momente liebe ich: an kleinen Tischen in Gängen sitzen, Menschen beobachten und einfach etwas richtig Leckeres essen.
Währenddessen verzieht sich Stephan lieber in einen sogenannten PC Bang, ein koreanisches PC Café. Computerspielen hat in Südkorea einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. E-sports sind z.B als echte Sportart anerkannt. Viele haben keinen PC zu Hause, sondern gehen lieber in einen dieser riesigen Gamingräume, die nicht nur von Computernerds, sondern allen möglichen Menschen gern genutzt werden, um zu spielen, zu Chatten, die Lieblingssendung zu streamen oder einfach mit Freunden abzuhängen. Der Clou: Es gibt immer eine Auswahl an Essen und Getränken, die direkt an den Platz geliefert werden. Kein Wunder, dass Stephan gern Zeit hier verbringt. Gaming ist in Korea so selbstverständlich, es gibt sogar Hotels für Gamer.
Überhaupt wirkt Südkorea außerhalb von Seoul plötzlich deutlich entspannter. Die Menschen begegnen uns offener und herzlicher. Einige lachen freundlich, wenn wir uns auf Koreanisch bedanken.
Unsere zweite Wanderung im Seoraksan-Nationalpark führt uns zum Biseondae Peak. Der Weg verläuft entlang eines Flusses zwischen Granitfelsen und dichtem Wald. Über viele Stufen steigen wir hinauf bis zur Geumgang-Höhle und genießen oben eine Aussicht, die uns erneut sprachlos macht. Der Ausblick wirkt wie gemalt.
Direkt nach der Wanderung geht es direkt weiter zum Busbahnhof. Mit etwas Glück ergattern wir die letzten zwei Plätze im Bus nach Gangneung.



















































In Gangneung fahren wir abends an den Strand. Mit frittiertem Hähnchen sitzen wir am Wasser und spazieren später noch weiter entlang der Küste. Dabei staunen wir über die gute Infrastruktur und die vielen Hotels. Viele davon tauchen in unseren Recherchen gar nicht auf, weil sie nur über eine koreanische Buchungsapp angeboten wird. Leider lässt sich diese App nicht auf Englisch umstellen. Unser eigenes Hotel wirkt dagegen eher praktisch als hübsch.
Auffällig ist auch, dass viele Taxifahrer ältere Männer sind, die sich offenbar ihre Rente aufbessern. Überhaupt begegnen uns in Südkorea viele ältere Menschen, die weiterhin arbeiten. So auch auf dem Markt von Gangneung. Wir sehen viele ältere Frauen, die Gemüse aus ihren Gärten verkaufen. Die übrigen unzählige Stände hier sind voll mit getrocknetem Fisch, darunter sogar Rochen.
Eigentlich möchte ich mir das Museum der Olympischen Winterspiele 2018 anschauen. Schließlich fanden in Gangneung damals Wettbewerbe wie Eisschnelllauf, Curling und Eishockey statt. Vor Ort erwartet mich jedoch nur ein Zettel an der Tür auf koreanisch: Das Museum ist bis Dezember geschlossen. Online steht davon nichts. Also nehme ich auf gut Glück irgendeinen Bus zurück in die Innenstadt und hoffe einfach, richtig anzukommen. Dafür schnappe ich mir später ein Buch und eine Decke und fahre zur Coffee Street an den Strand. Erst Kaffee und Kuchen mit Meerblick, danach einfach nur am Strand liegen und den Wellen zuhören.
Und es passiert dann auch das, was auf Reisen fast unvermeidbar ist: Wir bestellen etwas, das wir eigentlich gar nicht essen möchten. Die Übersetzungs-App arbeitet nur halb zuverlässig und statt leckerem Rindfleisch landen plötzlich Rinderdärme mit Fett gefüllt auf unserem Tisch. Ich lasse das Fleisch links liegen und esse lediglich das Gemüse auf. Stephan, der ohnehin mit einer leichten Magenverstimmung zu kämpfen hat, fasst lieber gar nichts an und verzichtet.





















...Weiter geht es mit dem Zug in den Odaesan-Nationalpark. Informationen für Touristen sind hier eher Mangelware. Selbst die richtige Busverbindung wird zu einem kleinen Vertrauensspiel. Trotzdem schaffen wir es bis zu unserer Pension und spazieren zum Woljeongsa-Tempel, wo wir eine Laterne mit unseren Wünschen aufhängen.
In unserer Unterkunft lernen wir ein Paar aus Liverpool kennen, die die gleiche Wanderung für den nächsten Morgen planen. Am Informationszentrum erfahren wir jedoch, dass die Wege auch hier gesperrt sind. Wieder einmal stehen solche Informationen nirgends klar online für ausländische Reisende.
Also wandern wir stattdessen zu einem Tempel Richtung Gipfel und laufen anschließend zehn Kilometer zurück durch den Nationalpark. Während wir Vogelgezwitscher, den Fluss und den Wind in den Bäumen hören, wird diese spontane Alternativroute zu einer wunderschönen Wanderung, bei der wir unseren Gedanken nachhängen können.
Was uns im Alltag dagegen zunehmend auffällt: Die Sprachbarriere ist deutlich größer als in Japan. Viele Webseiten bestehen aus Bildern statt Text und lassen sich kaum übersetzen. Selbst Fahrpläne oder Informationen sind oft nur auf Koreanisch verfügbar. Dafür gibt es immerhin eine Hotline speziell für Touristen. Tatsächlich nutzen wir sie sogar, um einen Busfahrplan zu verstehen, nachdem selbst unser Pensionseigentümer nicht weiterhelfen konnte.
Und noch etwas fällt uns auf: Convenience Stores bieten zwar an jeder Ecke Essen an, aber gesund ist davon nur wenig. Frisches Obst oder ein vernünftiges Frühstück zu finden, wird manchmal überraschend schwierig.
Insgesamt tun wir uns noch etwas schwer mit Südkorea. Vielleicht ist das auch der Tatsache geschuldet, dass der Eindruck von Japan, das wir so lieben, noch so frisch ist. Wir bleiben aber offen und freuen uns auf die weiteren Erlebnisse hier.
















