Im Paradies von San Cristóbal
Stephan
8/23/2025


Die Anreise von Isla Isabela über Isla Santa Cruz war mühselig und wenig angenehm. Wir mussten um 4:30 Uhr morgens aufstehen, hatten dann 6h Aufenthalt in Puerto Ayora und waren um ca. 17 Uhr auf San Cristóbal. Ein Flugzeug wäre deutlich schneller, aber auch deutlich teurer gewesen.
Der erste Eindruck von Puerto Baquerizo Moreno war ein sehr positiver. Schon vom Taxiboot, das einen vom Schnellboot zum Pier bringt, konnten wir Dutzende Seelöwen erkennen und zahlreiche im Wasser schwimmen sehen. Sowieso ist San Cristóbal reich beschenkt, was die Tierwelt angeht. Blaufußtölpel, für die wir auf Santa Cruz extra eine Tour gebucht hatten, finden sich hier direkt im Hafen. Der Ort wirkt auch etwas freundlicher und aufgeräumter als Puerto Ayora. Bei einem Spaziergang entlang der Promenade mit Restaurants, Geschäften und Touranbietern kann man zudem gleich mehrere Seelöwenkolonien beobachten.
Apropos Seelöwen. Wenn es etwas reichlich auf San Cristobal gibt, dann Seelöwen. Während wir anfangs noch jeden Einzelnen bewundert haben, sind sie hier so im Überfluss zu finden, dass wir uns stellenweise gewünscht haben, es wären doch ein paar weniger. Die Strände werden von ihnen zu Dutzenden belagert und die gestressten Urlauber finden kaum einen Platz zum Liegen. Man muss sich mit ihnen arrangieren. Da sie einen mit ihren lauten Rufen und den Verfolgungsjagden über den Strand ohnehin nicht zur Ruhe kommen lassen, nutzt man am besten die Gelegenheit, ihr reges Treiben zu beobachten.
Während sich die Weibchen geduldig und liebevoll um ihren Nachwuchs kümmern, bellen, posieren und raufen die Männchen den ganzen Tag lang, wenn sie nicht gerade schlafen. In Fragen der Emanzipation sind die Tölpel da deutlich weiter.
Wenn die Seelöwen über Vulkangestein klettern und dabei ihre - vor allem bei den ausgewachsenen Männchen - massigen Körper hochhiefen, wirken sie behäbig und bisweilen etwas überfordert. Wenn aber ein Rivale das eigene Revier betritt oder den Weibchen zu Nahe kommt, dann kann alles sehr schnell gehen. Plötzlich werden die Seelöwen ganz flink und können mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit über den Sand watscheln.
So richtig in ihrem Element sind sie natürlich im Wasser. Es ist bemerkenswert, sie zu beobachten, wenn sie mit voller Geschwindigkeit durchs Wasser gleiten oder wie Delphine übers Wasser springen. Wenn man dabei selbst noch schwimmen ist und nur kurz neben einem ein Seelöwe lautlos und elegant seine Runden dreht, sind die Rollen getauscht und man kann nur neidisch zusehen. Einmal versuchte ich einen Seelöwen, der scheinbar bewegungslos vor mir durchs Wasser glitt, zu verfolgen. Ich war chancenlos und kam ihm kein bisschen näher.
Die Seelöwen scheinen mir am wenigsten beeindruckt von der Anwesenheit der Menschen zu sein. Sie machen es sich überall gemütlich, wo es ihnen gefällt. Manchmal suchen sie sogar gezielt den Kontakt, wenn z.B. ein Junges jemanden zum Spielen braucht. Dann schwimmen sie um einen herum und stupsen einen an. Dabei ist man sicher dennoch gut beraten, Abstand zu halten, was hier auf Galapagos auch überall geboten ist. Mit einem 300kg Seelöwen-Papa würde ich mich nicht anlegen wollen! Diese imposanten Schwergewichte sind die unangefochtenen Herrscher über die Strände.
Zurück zu San Cristóbal. An den ersten beiden Tagen haben wir die zu Fuß erreichbaren Strände bzw. Schnorchelspots besucht. Besonders eine Bucht (Muelle Tijeretas), die über einen Steg zugänglich ist, bietet Schnorchlern mit ihrem kristallklaren Wasser beste Bedingungen. Uns sind hier wunderschöne Aufnahmen von Iguanas, Schildkröten, Fischen und Seelöwen gelungen. Allein dieser Spot schlägt alles, das Isabela oder Santa Cruz in dieser Hinsicht zu bieten haben.
An beiden Abenden waren wir in einem ziemlich besonderen Restaurant. Dieses besteht aus der kleinen Veranda des Privathauses von Juanita, einem Grill und Tischen, die nach Bedarf und passend zur Gästeanzahl herausgestellt werden. Während wir ein paar Runden Jenga gespielt haben (der Turm war weltrekordverdächtig hoch und Monique hat 2x gewonnen), bereitete Juanita am Grill unser Essen vor. Noch authentischer kann man nicht essen! (https://maps.app.goo.gl/7YjzFAxv4BNydP6v8)






Für den dritten Tag hat sich der Gastgeber unseres Hostals bereit erklärt, uns mit dem Taxi seines Vaters über die einzige Landstraße der Insel zu ein paar interessanten Orten zu fahren. (Natürlich nicht kostenlos, aber zu einem fairen Preis.) Er hat uns dann auch einiges zum Leben hier erzählt, das wir sonst sicher nicht erfahren hätten. Z.B., dass die Galapagos Inseln von Drogenschmugglern zum Auftanken ihrer Schnellboote genutzt werden oder, dass oft die zweite Etage eines Hauses fehlt, weil die Eltern beim Bau des Hauses vergeblich gehofft haben, der Nachwuchs würde dort irgendwann einziehen. Zieht Sohn oder Tochter weg, wird die zweite Etage einfach nicht fertig gebaut und bleibt als Rohbau zurück. Witzig: Die Einheimischen nennen die Touristen hier entweder "Gringos" oder "Colorados", weil sie sich gern von der Sonne verbrennen und lustige Farben annehmen.
Wir haben also wieder Schildkröten, einen tollen Strand, Blaufußtölpel, Seelöwen, Krebse und einen Vulkankrater gesehen. Wobei Letzteres nicht wirklich stimmt, da es so nebelig war, dass eigentlich nix zu sehen war. Insgesamt war es ein runder Halbtagsausflug, der uns den Nachmittag zur freien Verfügung ließ, so dass wir auch mal ganz entspannt in einem Kaffee sitzen und einen Kuchen essen konnten.








Am letzten Tag in Galapagos und San Cristóbal haben wir noch etwas Besonderes gemacht: eine Tagestour mit einer kompletten Umrundung der Insel. Wie immer bei den Bootstouren durchläuft man erstmal einige Stationen bis es endlich losgeht: Abholung an der Unterkunft, Fahrt zum Shop und Ausrüstung holen, Fahrt zum Pier, Taxifahrt zum Tourboot. Der erste Halt war der berühmte "Kicker Rock", eine steile Felswand einige hundert Meter vor der Insel. Beim Schnorcheln im eiskalten Wasser haben wir tatsächlich flüchtige Blicke auf Hammerhaie werfen können! Das Wasser ist hier allerdings so tief, dass die Haie auch sehr schnell wieder außer Sichtweite schwammen. Die Besonderheit bei dem Schnorchelspot ist auch, dass dieser im offenen Meer und nicht in Küstennähe liegt. Der Blick entlang dem Kicker Rock geht weit in die Tiefe. Der Rest der Tour habe wir mit Stopps an verschiedenen Stränden oder Schnorchenspots verbracht. Ein unerwartetes Highlight bot sch aber während der Fahrt: Gleich zwei Mal schwamm ein Buckelwal samt Jungtier an uns vorbei. Die kurzen Momente, in denen sie an die Oberfläche kamen und Luft holten, haben alle auf dem Boot begeistert.







Ein kleines Fazit
Die Galapagos Inseln sind auf jeden Fall eine Reise wert. Dennoch ist nicht alles super und wir würden auch nicht wieder alles genauso machen. Wir ziehen ein persönliches Fazit und benennen auch ein paar negative Aspekte.
Bargeld ist hier unwahrscheinlich wichtig. Kaum ein Laden, Restaurant oder Touranbieter akzeptiert Kartenzahlung. Selbst Hotels nehmen oft keine Karte. Und wenn doch, dann gern gegen Aufpreis. Doof nur, dass die Geldautomaten ein Limit von 200$ haben und dafür jedes Mal 4,60$ Gebühren verlangen. Zumindest auf Isla Isabela und San Cristóbal ist es so. Obwohl wir mit 1000$ in Bar auf die Galapagos Inseln angereist sind, mussten wir noch weitere 1200$ abheben.
Die Galapagos Inseln sind definitiv kein Badeparadies. Wir haben keinen Strand gesehen, der Annehmlichkeiten wie Strandliegen, Sonnenschirm oder Toiletten geboten hätte. Zudem ist an vielen Stränden das Baden nicht möglich oder gleich ganz verboten. Hotels mit Pool lassen sich diesen Luxus dazu gut bezahlen. Wer baden gehen möchte, muss sich also mit einfachen Bedingungen zufrieden geben. Aber wer kommt schon für einen Strandtag nach Galapagos!?
Die Sonne ist extrem intensiv. Durch die Erdkrümmung ist ganz Ecuador der Sonne näher als z.B. Europa. Die UV-Strahlung ist daher so hoch, dass man sich sehr gut schützen muss. Höchster Sonnenschutzfaktor, regelmäßiges Nachcremen, Kopfbedeckung und schützende Kleidung sind Pflicht. Das ist manchmal auch lästig.
Ganz so teuer wie wir anfangs befürchtet hatten ist es nicht geworden, Low Budget ist hier allerdings auch nicht möglich. Dafür ist das Preisniveau insgesamt zu hoch und es kann sehr schnell sehr teuer werden, je nachdem wie man hier urlaubt. Wir haben unser gesetztes Budget weitestgehend einhalten können, was auch den Grund hat, dass hier gerade nicht die Hochsaison ist. Zudem haben wir an vielen Stellen Kosten gespart und uns kaum Luxus gegönnt (Natürlich ist es schon Luxus, überhaupt hier zu sein.).
Unsere Unterkünfte waren einfach (2* Landeskategorie), in zweiter oder dritter Reihe und hatten zum Teil nicht Mal warmes Wasser zum Duschen.
Wir haben am Tag nur einmal auswärts gegessen und mittags meist mit einem Snack überbrückt. Zudem sind wir abends in aller Regel in einheimische Restaurants gegangen, die nicht gezielt Touristen ansprechen. Hier ist es günstiger und ohnehin authentischer.
Wir haben fünf geführte Touren/Ausflüge gemacht und pro Kopf insgesamt 380$ ausgegeben. Das ist vergleichsweise wenig. Man kann mehr als das schon für eine einzige Tour zahlen und für All-inclusive Luxusyachten zahlt man ganz andere Summen. Wer Luxus möchte, wird tief in die Taschen greifen müssen.
Wir haben viel zu Fuß unternommen und selbst organisiert, auch wenn das manchmal umständlich war. Trotz der Kompromisse haben wir keineswegs den Eindruck, etwas verpasst zu haben. Im Gegenteil, wir haben wahrscheinlich mehr von den Inseln, die wir besucht haben, gesehen als so mancher, der diese nur vom Boot kennenlernt. Natürlich haben wir bei weitem nicht alles entdeckt oder alle Unterarten der Schildkröten oder Iguanas live erleben können. Dafür müsste man aber mehr Zeit hier verbringen und zwangsläufig auch eine der mehrtägigen Bootstouren buchen. Dann wird's aber auch richtig teuer.
Galapagos-Interessierten, die ein begrenztes Budget haben, würden wir An- und Abreise über San Cristóbal empfehlen. San Cristóbal ist die kompletteste der drei großen Inseln. Wer hier eine Woche verbringt, hat fast alles erlebt, das Galapagos ausmacht. Man verpasst dann zwar den Charme von Isla Isabela, spart sich jedoch die anstrengenden Reisetage mit den wenig angenehmen Schnellbooten. Santa Cruz hat unseres Erachtens weniger zu bieten und könnte guten Gewissens ganz ausgelassen werden.
Können wir eine Reise hierhin empfehlen? Die Galapagos Inseln sind wirklich außergewöhnlich und uns fällt kein anderer Ort ein, der sich damit vergleichen ließe. Wir sind hier nicht nur einer Vielzahl einmaliger Tiere begegnet, sondern kamen diesen auch ungewöhnlich nah. Wilde Tiere bewegen sich hier nahezu angstfrei und in einer Harmonie mit den Menschen, die einen erstaunen lässt. Wo sonst legt sich ein Seelöwe am Strand direkt neben einen und hält ein Nickerchen? Diesen Erlebnissen wohnt ein Zauber inne, der sich schwer in Worte fassen lässt. Man muss es selbst erleben, um es zu begreifen. Die Eindrücke, die wir hier gewonnen haben, werden uns sicher noch sehr lang begleiten. Die unvermeidbare Abreise ist uns sehr schwer gefallen.
Der Link zum Video: https://youtu.be/FntJGs_whmQ
