Jeju: Von Vulkanpfaden bis Unterwasserwelt

Monique

5/22/2026

Die Ankunft auf Jeju begrüßt uns mit Palmen, Sonnenschein und sofortigem Urlaubsfeeling. Für einen kurzen Moment fühlt es sich eher nach tropischer Insel als nach Südkorea an. Dieses Gefühl verfliegt allerdings schnell, als wir versuchen den richtigen Bus nach Seogwipo zu finden.

Die eine Linie entdecken wir erst gar nicht und die andere nur dank der Hilfe einer Koreanerin. Ohne englische Übersetzungen der Zielorte auf den Fahrplänen bleibt Busfahren hier jedes Mal ein kleines Abenteuer. Besonders spannend wird es, wenn der Knopf zum Umstellen auf Englisch an den digitalen Anzeigen mal wieder nicht funktioniert. Zumindest auf die Naver-App ist immer Verlass.

In Seogwipo, im Süden der Insel, angekommen, gefällt uns die entspannte Atmosphäre direkt. Zwischen Meer, Palmen und kleinen Straßen fühlt sich alles deutlich ruhiger als in den Großstädten, wie Busan zuvor an.

Auf Jeju zieht es mich wieder unter Wasser. Bei zwei Tauchgängen entdecke ich vor allem Weichkorallen in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Große Fische sehe ich dagegen kaum. Ehrlicherweise habe ich auf den Fischmärkten der letzten Wochen größere Exemplare gesehen als beim Tauchen selbst. Die Tauchgänge sind auch eher 60% Erfahrung und 40% Spaß.

Die Wassertemperatur beträgt lediglich 18 Grad. Daher trage ich anstatt einem 3mm Shorty-Neoprenanzug wie in Indonesien hier nun einen langen 7mm dicken Neoprenanzug, Schuhe, Mütze und Handschuhe. Als mir beim Reinspringen ins Meer zum zweiten Tauchgang Wasser am Nacken in den Neoprenanzug fließt, wird es ab da spätestens kälter. Nach dem zweiten Tauchgang bin ich nicht die einzige an Bord, die stark friert.

Mein englisch-sprechender Buddy Sheon ist super nett, nur sein Englisch leider nicht gut genug. Zum Glück haben wir unter Wasser eine gemeinsame Sprache.

In Seogwipo gibt es den Maeil Olle Market für allerlei Leckereien. Der Markt ist voll mit kleinen Essensständen, Menschen und unglaublich vielen Angeboten. Besonders schwarzes Schweinefleisch und die berühmten Jeju-Orangen gelten hier als lokale Spezialitäten. Natürlich ist die Fischauslage, wie auch in den anderen Städten, immens. Wir probieren uns durch verschiedene Snacks und genießen an zwei Abenden die Busker-Musikauftritte in der Fußgängerzone. Musik scheint in Südkorea einfach überall dazuzugehören. Und die Akteure sind auch einfach super gut, so dass mir das ein oder andere Mal auch Gänsehaut kommt.

An einem Abend lernen wir Katrin und Tino aus Hamburg kennen. Den Abend verbringen wir gemeinsam auf dem Markt und sitzen am nächsten Morgen beim Frühstück direkt wieder zusammen. Es macht einfach Spaß, andere Langzeitreisende zu treffen, die ähnlich unterwegs sind wie wir und mit denen man sofort auf einer Wellenlänge liegt. Gerne hätten wir noch mehr Zeit mit ihnen verbracht.

Bei strahlendem Sonnenschein spazieren wir entlang eines Teils des Coastal Walks. Der Blick auf die Küste, das dunkle Lavagestein und das Meer sorgen einfach für Entschleunigung. Ergänzt wird das noch dadurch, in einem Café mit Blick auf das Meer einzukehren und beim Lunch die Seele baumeln zu lassen.

Sowieso ist die Kaffeekultur in Südkorea ein Grund, warum unsere Zeit hier viel entspannter ist. In Seogwipo haben wir ein süßes Café mit Blick auf das Meer gefunden und können dort lesend unsere Zeit verbringen. Es macht sehr viel Spaß den Koreanernen beim Dauer-Posing mit Getränk und Meerblick zu beobachten. 10 Minuten können für so ein Shooting schnell mal vorbeigehen.

Ein echtes Highlight wird unsere Wanderung im Hallasan-Nationalpark. Der Hallasan ist mit knapp 1950 Metern der höchste Berg Südkoreas und ein erloschener Vulkan im Zentrum der Insel. Bis hoch können wir nicht, daher starten wir auf dem beliebten Eorimok Trail und steigen über 700 Höhenmeter bis zum Witseoreum Shelter auf etwa 1700 Metern hinauf. Da dieser Abschnitt kaum geschützt ist, pfeift uns der Wind ordentlich um die Ohren. Hier und da steht rosa-farbender Rhododendron in Blüte.

Für den Rückweg nehmen wir den Yeongsil Trail. Die tiefhängenden Wolken ziehen ständig durch die Berglandschaft und sorgen für eine fast mystische Stimmung. Die Ausblicke unterwegs sind wirklich beeindruckend. Wie auch in den anderen Nationalparks, bestehen viele Streckenabschnitte der beiden Trails aus Holzstufen. Auf den letzten Kilometern setzt dann leichter Nieselregen ein, der sich später zu anhaltendem Regen entwickelt. Auch am nächsten Morgen bleibt das Wetter grau. Während der Busfahrt von Seogwipo nach Jeju City sehen wir zeitweise außer Nebel und Regen kaum etwas aus dem Fenster.

Perfektes Timing also für die berühmte Nanta Show. Die Aufführung erinnert uns ein wenig an eine Mischung aus Blue Man Group und Küchenschlacht. Die Schauspieler tanzen, trommeln mit Messern, Töpfen und Schneebesen, während plötzlich Flammen aus Kochtöpfen schießen und sich die Küchencrews gegenseitig bekämpfen. Fast noch unterhaltsamer als die Show selbst ist allerdings das südkoreanische Publikum. Viele reagieren unglaublich euphorisch und jubeln, als würde BTS persönlich auf der Bühne stehen. Auch wenn die Show sicher kein Broadway-Niveau hat, ist sie für den verregneten Tag genau das Richtige.

Obwohl Jeju über ein wirklich gutes Busnetz verfügt, merken wir schnell, dass ein Mietwagen hier vieles einfacher machen würde. Gerade abgelegenere und ruhigere Orte lassen sich damit deutlich besser entdecken. Ein kleines bisschen bereuen wir es daher, für unsere sechs Tage darauf verzichtet zu haben.

Für unseren letzten Tag in Südkorea holen wir das dann aber doch noch nach und mieten spontan ein Auto. Gerade einmal 13 Euro am Tag. Ein Preis, bei dem wir wirklich zweimal hinschauen müssen. Nachdem wir am anderen Morgen mit reichlich Verspätung mit dem Mietwagen den Parkplatz verlassen haben, sind wir zum 182m hohen Vulkan Seongsan Ilchulbong an der Ostküste von Jeju gefahren. Der Krater hat einen Durchmesser von 600 m und über viele Treppenstufen haben wir die Chance in den Krater hineinzuschauen. Im Anschluss passt es zeitlich wunderbar den "Hanyeo" (weibliche Freitaucherinnen) bei einer Demonstration ihres Könnens zuzuschauen. Die älteren Frauen tauchen ohne Sauerstoff nach Meeresfrüchten und verkaufen diese anschließend in ihrem Restaurant. Auch wenn es sich an dieser Stelle, um eine Demonstration handelt, wird diese Art des Fischens von vielen Frauen der Inseln weiterhin durchgeführt. Vier Frauen, sicher Ende 60 Jahre alt, stehen dort in ihren Neoprenanzügen mit wollender Unterwäsche und Gummi-Mokkasins und helfen sich nach einer kurzen Aufführung in ihre restliche Ausrüstung. In dem Lied beten die Frauen zu Jamsugut, dem Gott des Meeres, vor jedem Tauchgang. Da jüngere Frauen heuzutage andere Karrierewege einschlagen, sind der Großteil der Frauen eher Golden Girls. Auch wenn die Frauen in der Demonstration nichts gefangen haben, so tauchen sie bis zu 10 Meter ohne Geräte und kommen mit dem kaltem Wasser besser klar, als ich es getan habe. Die Tradition der "Hanyeo" auf Jeju besteht seit 1629. Bevor es Neoprenanzüge gab, sind die Frauen nur in ihren wollenden Sachen ins Wasser. Dabei fangen sie Meeresschnecken, Seeigel, Algen und andere Seekreaturen für den Verkauf. Dafür nutzen sie nur ein Messer und ihre Hände. Im patriacharlichen Südkorea haben die "Hanyeo" einen außerordentlichen Status, obwohl heute nicht bekannt ist, warum es ausschließlich die Frauen sind, die tauchen.

In ihrem kleinen Restaurant bestellen wir dann auch die Seafood-Ramen mit Muscheln und verschiedenen Meereschnecken. Wir schauen dabei zu, wie die Frauen bei anderen Gästen, die Schnecken auseinander nehmen, damit wir diese überhaupt essen können. So erklärt sich dann auch die Schere auf unserem Tablet. Zum Teil sind an den Schnecken Teile dran, die wir lieber nicht in der Nähe unseres Mundes wissen möchten. Nachdem wir diese Herausforderung gemeistert haben, lassen wir es uns schmecken. Mit dabei: eine gehörige Portion Respekt für die Golden Girls von Jeju.

Unseren Ausflug am Vulkankrater runden wir noch mit einer kurzen Spritztour mit dem Motorboot ab. Das Vulkangestein vom Wasser aus zu sehen und auch die Kormorane, die dort auf den Felsen ihre Pausen machen, geben uns eine wunderbare Stimmung für diesen letzten Tag in Südkorea mit. Anschließend geht es mit dem Mietwagen zur Landzunge Seopjikoji und wir schauen von den Klippen aus Vulkanstein aufs Meer. Als letzter Stopp fahren wir zum Hamdeok Beach, der für glasklares, blaues Wasser bekannt ist. Da das Wetter zwischenzeitlich von sommerlich blau auf regnerisch grau gewechselt ist, sehen wir davon nichts und verkrümeln uns lieber das letzte Mal, um koreanische Skincare zu kaufen.

Dann heißt es für uns nach genau einem Monat Abschied zu nehmen von Südkorea. Für unseren Weiterflug haben wir uns das erste Mal entschieden kein Onward-Ticket für die Arrvial-Card zu kaufen, in der ein Weiterflug angegeben werden muss. Und prompt fragt die Mitarbeiterin am Counter nach unserem Weiterflug. Sie macht zwei, drei Notizen mehr und wir erhalten trotzdem unsere Boardingkarte.

Schon nach wenigen Tagen in Südkorea merken wir schnell, dass dieses Land sich ganz anders anfühlt als Japan. Besonders Seoul fordert uns anfangs heraus. Nach den ruhigen Wochen in Japan wirkt die Millionenmetropole laut, schnell und intensiv. Überall blinkt Werbung, Menschen strömen durch die Straßen und ständig scheint irgendwo noch etwas los zu sein.

Generell haben wir das Gefühl, dass das Leben in Südkorea deutlich mehr auf der Straße stattfindet. Menschen sitzen zusammen, essen gemeinsam, schauen Straßenmusikern zu oder schlendern bis spät abends durch die Viertel. Diese lockere und offene Art der Menschen wird uns im Laufe unserer Zeit hier sehr gefallen. Immer wieder werden wir angesprochen oder bekommen kleine Aufmerksamkeiten geschenkt. Mal drückt uns jemand wartend vor dem Geldautomaten Bonbons in die Hand, mal überlässt uns jemand Plätze bei einem Busker-Auftritt oder eine ältere Frau zeigt uns lachend das koreanische Herzzeichen.

Auch der öffentliche Nahverkehr begeistert uns komplett. Mit der T-Money-Card funktioniert einfach alles. Eine Karte für Bus, Metro und sogar viele Taxis im ganzen Land. Aufladen kann man sie praktisch überall und selbst längere Fahrten bleiben erstaunlich günstig. Wahrscheinlich ist Südkorea für uns das Land mit dem besten ÖPNV-System auf dieser Reise. Trotz dieses umfangreichen Transportangebots für alle, haben wir den Eindruck, dass die Koreaner ihr Auto lieben. Viele Spuren und lange grüne Ampelphasen, machen es zuweilen als Fußgänger müßig. Zudem gibt es zwar viele Kameras und Geschwindigkeitsbeschränkungen, der Fahrstil ist trotzdem eher eine Mischung aus Vollgas und Vollbremse.

Spannend finden wir auch die vielen kleinen Unterschiede zu Japan. Englisch ist hier oft sogar noch weniger verbreitet, was uns mehrfach vor kleine Herausforderungen stellt. Webseiten, Busfahrpläne oder Informationen in Nationalparks sind häufig ausschließlich auf Koreanisch verfügbar. Gerade bei den Wanderwegen merken wir das deutlich. Ein Großteil der Trails in den Nationalparks ist aus Naturschutzgründen bis Mitte Mai gesperrt. Eine wichtige Information, die man als ausländischer Gast allerdings eher zufällig herausfindet.

Kulinarisch brauchen wir etwas Zeit, um mit Südkorea warm zu werden. Und wir sind bis zum Schluss immer wieder herausgefordert. Vieles dreht sich ums Grillen, Fleisch und scharfe Aromen. Uns fehlt manchmal das Leichte und Frische, das wir in Japan so geliebt haben. Einfach mal Ramen, wie schön wäre das gewesen! Dafür entdecken wir gefühlt an jeder zweiten Straßenecke Fischstände. Teilweise fragen wir uns wirklich, wie überhaupt noch etwas im Meer übrig sein kann. Nachhaltigkeit scheint sowieso ein Thema zu sein, das nicht Teil der Gesellschaft ist. So erleben wir es mehrere Male, dass wir einen Kaffee im Café trinken und trotzdem eine Wegwerfverpackung erhalten. Und wenn man nicht aufpasst, erhält man für alles eine Plastiktüte oder Plastikbesteck mit eingepackt.

Auch gesellschaftlich beobachten wir einige Dinge, die uns nachdenklich machen. Ähnlich wie in Japan ist Konformität sichtbar, besonders bei Kleidung und Auftreten im Berufsleben. Auffällige oder bunte Kleidung sehen wir im Arbeitsalltag kaum. Gleichzeitig wirkt vieles noch stärker von klassischen Rollenbildern geprägt. Gerade in Seoul begegnen uns viele junge Männer mit Luxusautos, perfekt gestyltem Auftreten und ausgeprägter Fitnessstudio-Kultur. Parallel dazu ist auch der Schönheitsdruck für Frauen deutlich spürbar. Der Wunsch nach heller Haut begegnet uns überall. Selbst beim Wandern tragen viele Menschen lange Kleidung, Handschuhe, Sonnenhüte und spezielle Gesichtsmasken zum Schutz vor der Sonne. Die Skincare-Industrie, inzwischen die größte der Welt, ist voller Innovationen und Hauttypbehandlungen werden mit KI oder Inhalte von Lachs-DNA bis Schnecken durchgeführt. Die Politik hat die Skincare-Industrie zu den Top 5 des Landes erklärt und sie soll noch weiter wachsen. Es kommen bereits über 1 Millionen Beauty-Touristen jedes Jahr nach Südkorea für Eingriffe und Operationen. Insbesondere am Flughafen fallen uns die vielen und sehr großen Einkaufstaschen von Marktführer der K-Beauty auf. Auch wir waren Skincare einkaufen, was jedoch anhand der Mengen von vielen anderen Touristen eher bescheiden wirkt.

Was uns auffällt ist, wie viele ältere Menschen noch arbeiten. Ob als Taxifahrer, Verkäuferinnen oder Marktstände betreibend, die Rente muss mit Arbeit auch im hohem Alter aufgestockt werden. Denn knapp die Hälfte der südkoreanischen Rentnern leben unterhalt der Armutsgrenze, trotz jahrzehntelanger Arbeit.

In allen Städten sehen wir wie kleine süße Puschelhunde in Kinderwägen, oft sogar in kleinen Outfits, durch die Gegend geschoben werden. Wir haben die leichte Vermutung, dass diese süßen Hunde hochgezüchtet sind und statt rumgefahren, lieber auch mal einem Ball hinterher jagen wollen würden.

Südkorea hat uns definitiv nicht so schnell und leicht umarmt wie Japan. Dieses etwas Rauere, Lautere und Unperfektere macht das Land am Ende jedoch sehr abwechslungsreich. Je länger wir unterwegs waren, desto mehr ist uns Südkorea ans Herz gewachsen.