Kaiserstadt Gyeongju und Busan
Monique
5/16/2026


Mit dem Zug geht es für uns weiter nach Gyeongju, eine der historisch bedeutendsten Städte Südkoreas. Schon bei der Ankunft spüren wir, dass es hier ruhiger und gleichzeitig geschichtsträchtiger zugeht als an den bisherigen Orten unserer Reise.
Zum Mittagessen landen wir zufällig in einem kleinen Thai-Restaurant und kommen dort mit einem Paar aus Singapur ins Gespräch. Ganz unkompliziert verbringen wir den restlichen Nachmittag gemeinsam und erkunden noch ein wenig die Umgebung.
Am nächsten Tag lassen wir uns durch die weitläufigen Parkanlagen treiben, in denen die berühmten Königsgräber aus der Silla-Dynastie liegen. Die grasbewachsenen Hügel wirken fast surreal zwischen den hohen Nadelbäumen, und immer wieder öffnet sich der Blick auf die umliegenden Berge. Es ist ruhig, fast meditativ, und ein starker Kontrast zu den Großstädten zuvor. Besonders angenehm ist dabei, dass es in diesem Teil von Gyeongju kaum hohe Häuser gibt und der Blick frei bleiben darf.
Noch schöner wird die Stimmung am Abend, wenn die Sonne langsam untergeht und die gesamte Anlage in warmes Licht taucht. Auch die beleuchtete Brücke und die kleine Lichtershow am Cheomseongdae Observatory verleihen dem Ort eine besondere Atmosphäre. Das Observatorium stammt aus dem 7. Jahrhundert und gilt als das älteste bekannte Observatorium Asiens.
Zwischendurch kümmern wir uns um ganz alltägliche Dinge und stehen zum ersten Mal auf dieser Reise in einem Waschsalon. Es fühlt sich fast ungewohnt an, da wir bisher oft Waschmaschinen in den Unterkünften hatten oder kostenlos in Hotels waschen konnten. Selbst bei solchen Kleinigkeiten merken wir immer wieder, wie unterschiedlich Alltag in anderen Ländern funktioniert.
Am nächsten Tag schwingen wir uns aufs Fahrrad und fahren zu weiteren Grabanlagen sowie entlang des Flusses. Der Wind im Gesicht, die Berge in der Ferne und die entspannte Umgebung machen diese Tour zu einem echten Highlight.
Zum späten Mittag gönnen wir uns eine Muschelsuppe und einen Seafood-Crêpe. Als kleine Überraschung bekommen wir noch eine extra Schüssel Muschelsuppe einfach so dazu. Solche Gesten bleiben besonders hängen und das Essen schmeckt irgendwie gleich doppelt so gut.
Gut gesättigt lassen wir den Nachmittag schließlich in einem kleinen, liebevoll eingerichteten Café ausklingen. Die Café-Kultur in Südkorea begleitet uns inzwischen täglich und ist längst zu einer festen Nachmittagsroutine geworden. Irgendwo zwischen gutem Kaffee und süßen Kleinigkeiten kommen wir immer wieder kurz zur Ruhe.
Da uns Gyeongju so gut gefällt, verlängern wir kurzerhand unsere Fahrradausleihe. Bevor es wieder losgeht, gönnen wir uns erst einmal ein richtig gutes Frühstück; gefühlt das erste seit langer Zeit. Mit frischem Salat, Brot, Avocado und Eggs Benedict sitzen wir überraschend foodie-glücklich im Café und genießen es, einmal nicht nur Reis oder Convenience-Store-Snacks zu essen.
Gestärkt machen wir uns anschließend auf den Weg in ein Museum rund um die berühmten Königsgräber der Region. Gyeongju war einst die Hauptstadt des Silla-Reichs, das große Teile der koreanischen Halbinsel fast tausend Jahre lang regierte. Die Ausstellungen helfen uns dabei, die vielen grasbewachsenen Hügel, an denen wir die letzten Tage vorbeigefahren sind, noch einmal ganz anders einzuordnen. Besonders spannend finden wir den Aufbau der Gräber und die beeindruckende Ingenieurskunst dahinter.
Mit den Fahrrädern fahren wir später Richtung Namsan Mountain. Dort unternehmen wir eine kleine Wanderung zum Geumobong Peak auf 468 Metern Höhe. Der Weg führt über knapp fünf Kilometer durch bewaldete Hänge, vorbei an kleinen Buddhafiguren, Tempelresten und in Stein gemeißelten Reliefs. Der sogenannte Namsan Geschichts- und Kulturwanderweg verbindet Natur und Geschichte auf eine ganz besondere Weise. Immer wieder bleiben wir stehen, schauen auf die umliegenden Berge und genießen die Ruhe im Wald. Selbst am Gipfel bekommen wir von zwei älteren Frauen noch Süßigkeiten geschenkt und wir lieben diese kleinen Begegnungen in Südkorea.
Nach den entspannten Tagen in Gyeongju geht es mit dem Bus weiter nach Busan. Die Fahrt verläuft überraschend unkompliziert und schon bei der Ankunft merken wir sofort den Unterschied. Busan ist größer, moderner und deutlich lebendiger. Unsere Wohnung liegt im 31. Stock und ist bisher die schönste Unterkunft unserer Zeit in Südkorea.

































In Busan starten wir mit einem Spaziergang über den Songdo Skywalk, der über das Meer hinausragt. Anschließend schweben wir mit der Songdo Cable Car über die Küste und beobachten die Wellen und Containerschiffe unter uns. Danach geht es weiter ins bunte Gamcheon Culture Village, das mit seinen kleinen Gassen, bunten Häusern und Wandmalereien fast wie ein Labyrinth wirkt. Wir fühlen uns dabei ein wenig an Medellín und die Comuna 13 erinnert. Gleichzeitig bleibt es für uns faszinierend, wie gerne die Koreaner*innen Selfies machen und wirklich jeden Moment fotografisch festhalten.
Wenn es abends dunkel ist, bringt der Strand von Haeundae noch seine eigene Stimmung. Überall entlang der Promenade treten Straßenmusiker auf. Für diese sogenannten Busking-Auftritte gibt es feste Plattformen, für die sich die Künstler vorher bewerben können. Während wir dort sitzen und zuhören, frage ich mich kurz, was es Schöneres geben könnte, als hier am Meer zu sitzen und gemeinsam mit den Südkoreaner*innen die Musik zu genießen. Sie singen mit, klatschen, lachen, spenden Geld oder verfolgen parallel auf YouTube den Livestream der Künstler, die direkt vor ihnen auftreten. Diese Offenheit und Begeisterung steckt sofort an.
Zwischendurch zieht es uns natürlich auch wieder zum Shopping. Im Lotte Department Store Gwangbok kaufen wir Tauchequipment für die Actioncam und spazieren anschließend entlang der Küste bei der Sky Capsule und dem Beach Train. Die Kombination aus Meerblick, Nadelbäumen und Spazierwegen an den Klippen macht die Gegend unglaublich angenehm. Am Abend genießen wir Tapas und ein Glas Weißwein mit Blick auf den Strand.
Am Gwangalli Beach sehen wir auch wieder deutlich, wie gerne sich die Südkoreaner*innen mit Kleidung vor Sonne schützen. Da bleibt kein Stück Haut unbedeckt. Vom Strand aus machen wir einen Spaziergang bis zum größten Kaufhaus der Welt, dem Shinsegae Centum City. Im riesigen Foodcourt kann mich sich an Essen aussuchen, was man mag und auf der Suche nach dem Ausgang verlaufen wir uns anschließend in der Weitläufigkeit des Gebäudes. Fast 20 Minuten brauchen wir, um den Ausgang wiederzufinden.
Natürlich darf auch ein Besuch des berühmten Haedong Yonggungsa Temple nicht fehlen. Der buddhistische Tempel liegt spektakulär direkt an der Küste und gehört zu den wenigen Tempelanlagen Koreas, die unmittelbar am Meer gebaut wurden. Zwischen den Felsen, den Wellen und den traditionellen Gebäuden entsteht eine ganz besondere Stimmung.
Und so enden unsere Tage in Busan meistens ganz ähnlich: irgendwo am Strand sitzend oder spazierend und die erstklassigen, professionellen Sandburgen bestaunen, mit Meeresrauschen im Hintergrund, Straßenmusik in der Luft und dem Gefühl, dass diese Stadt definitiv einen Besuch wert ist.
Auf der Rollbahn im Flugzeug Richtung Jeju Island wird es dann noch einmal etwas merkwürdig: Die Fensterläden müssen geschlossen bleiben, da wir an Militäranlagen vorbeifahren und niemand die Möglichkeit haben soll, Fotos für Nordkorea zu machen. Ein Moment, der uns noch einmal daran erinnert, wie präsent die Teilung Koreas im Alltag weiterhin ist.













































