Kaohsiung und Lambai Island
Monique
6/8/2026


Kaohsiung zeigt sich von seiner sommerlichen Seite. Bereits beim Ausflug zum Lotussee läuft uns der Schweiß in Strömen herunter. Die Sonne brennt vom Himmel und lässt die bunten Tempel, Pagoden und riesigen Figuren rund um den See noch intensiver leuchten. Besonders die berühmte Drachen- und Tigerpagode wirkt mit ihren kräftigen Farben fast wie aus einem Freizeitpark entsprungen. Daneben reihen sich weitere Tempelanlagen aneinander, jede ebenso verspielt und farbenfroh wie die vorherige.
Nach so viel Kultur gönnen wir uns eine Mittagspause mit gutem Essen und einem außergewöhnlich leckeren Cold Brew mit Ananas. Eine Kombination, die zunächst seltsam klingt, aber erstaunlich gut funktioniert.
Am Nachmittag gehen wir in den Central Park, einer grüne Oase mitten in der Stadt. Von dort spazieren wir weiter zum Hafen und zum Love Pier. Während langsam die Dämmerung einsetzt, spiegeln sich die Lichter der Stadt im Wasser. Den perfekten Abschluss bildet eine kleine Bootsfahrt im Dunkeln auf dem Love River, bei der sich Kaohsiung noch einmal von seiner entspannten Seite zeigt.
Ein Regenschauer bringt uns ganz europäisch zu Ikea. Zwischen Köttbullar, Billy-Regalen und bekannten Produkten fühlt es sich für einen Moment an, als wären wir zurück in Deutschland. Das Vertraute tut auch mal gut. Andererseits entdecken wir immer wieder Elektrogeräte und Accessoires, die es vermutlich nur bei Ikea in Asien gibt.
Anschließend fahren wir mit der Straßenbahn durch die Stadt. Besonders bleibt uns ein Hinweis im Gedächtnis: „Lower your voice.“ Nicht bitte leise sein, sondern direkt die Aufforderung, die Stimme zu senken. Auch eine Art, für Ruhe in öffentlichen Verkehrsmitteln zu sorgen.
Unser Ziel ist das kreative Viertel Pier 2 Art Center. Zwischen alten Lagerhallen, Kunstinstallationen und ehemaligen Industriegebäuden entsteht eine spannende Mischung aus Vergangenheit und Moderne. Im Port Warehouse No. 2 landen wir zufällig in einem VR-Kino und schauen einen Film mit Alex Honnold, dem berühmten Free-Solo-Kletterer. Später lesen wir nach, dass er erst wenige Monate zuvor den Taipei 101 erklommen hat. Da ergibt die Filmauswahl plötzlich Sinn.
Während draußen erneut Regen einsetzt, spazieren wir zwischen historischen Eisenbahnwaggons hindurch. Besonders charmant finden wir die kleine Bahn, die Besucher durch das Gelände des Port Warehouse fährt. Eigentlich für Kinder gedacht, aber wir haben mindestens genauso viel Spaß.
Mit Taiwan werden wir kulinarisch immer wärmer, beim Frühstück bleibt es allerdings schwierig. Hier wird meist herzhaft gegessen. Oft stehen kaltes Gemüse, Suppen oder sogar kaltes Rührei auf dem Tisch. Das holt uns geschmacklich nur selten ab. Asien ist eben kein Kontinent für Frühstücker. Zumindest nach deutschem Verständnis.
Für unser nächstes Ziel nutzen wir den Taiwan Tourist Shuttle. Das landesweite System verbindet viele Sehenswürdigkeiten miteinander und funktioniert erstaunlich unkompliziert. Dank unserer EasyCard können wir nahezu das gesamte Land bereisen, ohne ständig neue Tickets kaufen zu müssen.
















































Am Hafen von Donggang wartet allerdings erst einmal eine Herausforderung: die Überfahrt nach Xiaoliuqiu, auch bekannt als Lambai Island. Es regnet in Strömen, die Wellen sind hoch und die Klimaanlage auf der Fähre läuft gefühlt auf arktischen Temperaturen. Die vorsorglich eingeworfenen Tabletten gegen Übelkeit erweisen sich als hervorragende Entscheidung. Während rings um uns herum zahlreiche Menschen mit der Überfahrt kämpfen und sogar ein Passagier kurzzeitig ohnmächtig wird, schaffen wir es immerhin ohne Zwischenfälle ans Ziel.
Nach dem Mittagessen mieten wir einen Scooter, denn anders kommt man schlecht über die Insel. Da zwei Personen, zwei große Rucksäcke und ein Roller nicht wirklich zusammenpassen, fährt Stephan die Strecke zu unserer Unterkunft einfach zweimal.
Dort angekommen folgt allerdings die Ernüchterung. Das Zimmer wirkt wenig einladend, die Umgebung ebenfalls, und gemeinsam mit dem schlechten Wetter sinkt unsere Stimmung deutlich. Während Stephan den zweiten Rucksack holt, komme ich über eine Übersetzungs-App mit dem Gastgeber ins Gespräch und frage vorsichtig nach einer Stornierungsmöglichkeit. Nach einer Nacht wechseln wir die Unterkunft und werden dort so herzlich empfangen, dass sich die Insel plötzlich ganz anders anfühlt.
Mit dem Scooter erkunden wir die kommenden Tage die Insel. Wir besuchen die Black Devil Cave und die Beauty Cave und entdecken dabei überraschend viel Infrastruktur. Da Wochenende ist, scheint halb Taiwan auf der Insel unterwegs zu sein.
Besonders deutlich wird das am Shanfu Fishing Port. Eigentlich möchten wir dort schnorcheln. Stattdessen blicken wir auf eine riesige Menge an Menschen, die mit Schwimmwesten und Schwimmringen im Wasser treiben oder Tauchkurse absolvieren. Wir wundern uns darüber wie das hier irgendjemand gut finden kann. Später erfahren wir, dass die meisten Taiwanesen tatsächlich nicht lernen zu schwimmen. Da bleibt ihnen halt nichts anderes übrig, und sie scheinen auch großen Spaß an der Planscherei zu haben.
Ich gehe trotz allem ins Wasser, komme aber bereits nach wenigen Sekunden wieder heraus. Die Sicht ist miserabel, aufgewirbelter Sand und kleine Müllpartikel treiben durchs Wasser.
Auch an anderen Stellen haben wir wenig Glück. Die Wellen sind kräftig und machen das Schnorcheln schwierig. Selbst der Secret Beach bleibt hinter unseren Erwartungen zurück. Xiaoliuqiu bietet ohnehin eher felsige Küsten als lange Traumstrände.
Am Vase Rock sieht es schließlich besser aus. Über große Steine gelangen wir ins Wasser und entdecken direkt unsere erste Meeresschildkröte. Leider bleibt es bei dieser einen Begegnung. Stephan kämpft erneut mit seiner Tauchmaske, die ständig Wasser hineinlässt, und verletzt sich beim Ausstieg auch noch das Knie an den Felsen. Ein Minzeis später sieht die Welt zum Glück wieder etwas freundlicher aus.
Überhaupt überrascht uns die Insel in einem Punkt besonders: Fast alles wird bar bezahlt. Ausgerechnet in Taiwan, der Heimat von TSMC, dem wichtigsten Chiphersteller der Welt, kommen wir erstaunlich oft nicht mit Karte weiter.
Mein persönliches Highlight sind die beiden Tauchgänge mit meinem Buddy Ryan. Die Sichtweiten liegen aufgrund eines vorbeigezogenen Taifuns lediglich bei fünf bis sechs Metern. Trotzdem macht das Tauchen großen Spaß. Teilweise lassen wir uns einfach von der Strömung treiben. Mehrfach begegnen uns Schildkröten, die völlig entspannt am Meeresboden liegen oder gemütlich fressen. Es wirkt fast so, als würden sie uns gar nicht wahrnehmen.
In der Tauchpause frage ich meinen Buddy, warum Taiwanesen eine Schwimmweste tragen, wenn sie schnorcheln gehen. Können sie etwa nicht schwimmen? Ryan bestätigt dies, denn es gäbe weder Schwimmunterricht in der Schule noch private Angebote von Schwimmhallen. Seine Eltern haben das Meer mit ihm gemieden, da sie selbst nicht schwimmen können. Er hat schwimmen erst im Rahmen seiner Tauchlehrerausbildung gelernt. Und erschreckenderweise ist die Wassertemperatur von 28 Grad ihm immer noch zu kalt.
Beim zweiten Tauchgang konzentrieren wir uns auf die kleinen Dinge: bunte Nacktschnecken, Anemonen und winzige Rifffische. Leider werden die Fotos nichts. Die kleinen Motive zu fotografieren, ist deutlich schwieriger als gedacht. Man muss sehr nah heran, gleichzeitig die Tarierung halten und die Kamera ruhig führen.
Als wir die Insel schließlich verlassen, verabschieden wir uns herzlich von unserem Gastgeber. Wieder schlucken wir vorsorglich Tabletten gegen Übelkeit. Während die Fähre durch die Wellen tanzt und sich der Horizont scheinbar in alle Richtungen bewegt, staune ich über die Gelassenheit der Taiwanesen. Gefühlt schlafen 98 Prozent der Passagiere tief und fest, während ich lieber Musik höre und aus dem Fenster schaue.
Irgendwann läuft „Einmal um die Welt“ von Mary Roos. Mit Blick aufs Meer und auf die vergangenen Monate werde ich plötzlich sehr sentimental. Diese Reise ist voller besonderer Momente.
Und als wäre das nicht genug, erleben wir kurz darauf noch einen dieser Augenblicke, die uns berühren. Am Busbahnhof helfen uns zwei Mitarbeiterinnen beim Umsteigen. Sie erklären geduldig den Weg und möchten anschließend sogar noch ein Foto mit uns machen, weil wir ihrer Meinung nach so gut aussehen.
Wenig später sitzen wir im Bus und mir laufen die Tränen aus Dankbarkeit übers Gesicht. Immer wieder begegnen wir auf dieser Reise so freundlichen Menschen, erleben kleine Glücksmomente und merken, wie glücklich wir sind, all das erleben zu dürfen.






















