Lima, wie prima.

Monique

8/30/2025

Von den paradisischen Galapagos-Inseln sind wir in die 11-Millionen-Einwohner-Metropole Lima gereist.
Wir haben uns im lebendigen, bei Touristen beliebten Stadteil Miraflores eine Wohnung gemietet, denn wir werden einen einwöchigen Spanisch-Sprachkurs absolvieren.

Der Vorteil einer Wohnung ist u.a., dass man sich mit Lebensmitteln selbst versorgen kann. Uns macht es immer Spaß, auf Reisen durch die Supermärkte zu schlendern, denn auch das Essen und die Kulinarik sind ein wichtiger Bestandteil und hier gibt es einiges an Obst und Gemüse, das wir nicht kennen. Tatsächlich kommen gleich beim ersten Einkauf zweimal Menschen auf uns zu und empfehlen uns bestimmte Obstsorten. Da greifen wir doch zu.
Als nächstes wollten wir uns eine SIM-Card kaufen. Jedoch hat der Mitarbeiter uns eher unsere Seele abgekauft und so haben wir einen Telefonvertrag für einen Monat erhalten. Hinzu kommt noch die Besonderheit, dass wir die Monatsgebühr erst später zahlen und dafür in eine Bank gehen müssen. Zwei Tage später sind wir nochmal hin und haben den Vetrag in einen Prepaid umgewandelt.

Lima liegt mit seiner Steilküste direkt am Pazifik. Zum Spazieren und Verweilen lädt daher der Malecón ein, eine fast 10km lange Küstenpromenade mit vielen Parkanlagen, z.B. Parque de Amore oder Parque de Chino. Wie viele andere Limanesen genießen wir das 18 Grad warme Winterwetter bei einem langem Spaziergang.

Um mehr über die Stadt zu erfahren, nehmen wir auch wieder an einer Stadtführung teil.
Mit dem ÖPNV geht es in das historische Zentrum von Lima. Der ÖPNV ist in Lima anders strukturiert als in Deutschland. Für die Busse, welche von der Stadt angeboten werden, gibt es wie im deutschen U-Bahn-System gesonderte Spuren auf den Straßen, halt nur ohne Schienen. Es muss vorher ein Ticket gekauft werden und alle Fahrgästen gehen durch Drehkreuze auf einen kleinen Bahnsteig.
Ansonsten gibt es noch private Busanbieter, welche immer die gleiche Route durch die verschiedenen Stadtteile fahren. Diese sindalt und kleine Luftverschmutzer. Eine Person steht dabei in der Tür und ruft die weiteren Stationen aus. Fahrgäste können dann zusteigen und zahlen direkt im Bus.

Das historische Zentrum von Lima wirkt komplett anders als Miraflores. Noch lauter und hektischer und dazu sind viele Gebäude erkennbar unter dem Einfluss des spanischen Kolonismus gebaut worden. Wir erleben eine Tanzparade, die wohl jeden Sonntag stattfindet, und erfahren von unserer Guidin, wie Meerschweinchen in Peru von Schamanen eingesetzt werden. In vielem ist die Begeisterung für dieses Tier erkennbar. Wir sehen Taschen, Tassen, T-Shirts mit Meerschweinchenbildern oder auch flauschige Kuscheltiere. In Peru werden Meerschweine Cuy ("ku-i") genannt, da sie dieses Geräusch von sich geben: cuy cuy cuy.
Schamanen nutzen Cuys, um herauszufinden, an welcher Krankheit die jeweilige Person erkrankt ist. Leider wird am Ende der Session das Cuy verstorben sein. U.a. auch, da der Schamane das Cuy so fest packt und schüttelt, dass er das Cuy quetscht. Zudem wird das Cuy dann aufgeschnitten und der Schamane erkennt, woran der Mensch erkrankt ist.

Wie in vielen Großstädten außerhalb Europas gibt es auch in Lima ein Chinatown und natürlich sind wir dorthin gegangen. An jeder Ecke wird in einem noch größerem Gewusel und Lautstärke quasi alles angeboten, das es nur geben kann. In Peru gibt es eine Fusion der chinesisch-peruanischen Küche (Chifa) und das populärste Gericht ist: Chaufa. Eine große Portion gebratener Reis mit Hühnchen oder Ente oder...

In Chinatown gibt es auch ein Einkaufszentrum. Neben Steinen, Duftstäben und Schmuck gibt es auf mehreren Etagen Schönheitssalons und Friseure. Dicht an dicht gedrängt müssen es Dutzende, vielleicht sogar hunderte Salons sein, die alle mehr oder weniger das Gleiche anbieten.
Und da ich eigentlich schon in Köln zur Kosmetik wollte, es jedoch nicht mehr schaffte, habe ich nun hier die Gelegenheit genutzt. Wie entscheidet man unter so vielen Wahlmöglichkeiten? Am besten wer am Nettesten aussieht.
Nicht ganz so edel, wie in einem Schönheitssalon lag ich auf einer Bank direkt mit Blick auf den Flur des Einkaufszentrums. Zunächst gab es fünf verschiedene Cremes ins Gesicht und bei mir kam die Befürchtung auf, dass eine Gesichtsbehandlung hier etwas anderes bedeutet, als in Deutschland. Fast zwei! Stunden später war die Kosmetikbehanldung beendet. Dazu gab es noch eine Gesichtsmaske geschenkt. Das alles für 19 Euro zzgl. einem frischen Aussehen.

Für die Sprachschule hatten wir entschieden, dass wir in unterschiedlichen Kursen sein werden. Vor zwei Wochen hatte ich einen Sprachtest via Zoom. Dank Lernen via Duolingo in den letzten zwölf Monaten, sind mir viele Wörter bekannt und einiges habe ich in meinem Anfängermodus lernen können. Nun ist es wichtig ins Sprechen zu kommen. Stephan ist in die "Survial Class" gegangen, da er keine echten Vorkenntnisse in der Sprache hat.
In seiner Gruppe war er zu zweit und bei mir im Kurs waren wir zu dritt.
Die Tage in der Sprachschule waren eine Herausforderung. Seitdem wir nach Ecuador gereist sind, spreche ich Deutsch - Englisch und Spanisch jeden Tag. Nun vier Stunden am Stück Spanisch zu sprechen und dann noch korrigiert zu werden, merkt man am Ende des Schultages.
Ich denke da auch zwangsläufig an die Menschen, die z.B. nach Deutschland geflüchtet sind. Wir lernen freiwillig und sind in der Lage, die Kosten selbst zu tragen. Wie viel schwerer ist es für Menschen, die in diese Situation durch äußere Umstände gekommen sind und auf staatliche Unterstützung angewiesen sind?
Es ist verrückt, wie wir in unseren Kursen sitzen und Fragen beantworten über Essen, Freizeit und was kostet ein Buch in meinem Land, damit wir einen Rahmen haben, um die Zahlen zu lernen.
Wer eine neue Sprache lernt bzw. nicht in der jeweiligen Ursprungssprache spricht, wirkt oft weniger kompetent. Doch dieser Umstand spiegelt nicht die tatsächlichen Fähigkeiten eines Menschen wider. Es ist allein die Sprachbarriere, die den Ausdruck hemmt. Doch auch hinter wenigen Worten, steckt großes Potential.

Da wir uns in Lima mitten im peruanischen Winter befinden und trotz der Küstenlinie fast keine Winde in der Stadt sind, steht die Wolkendecke still und Lima liegt qausi permanent unter einer festen Wolkendecke. Bei knapp 18 Grad sind wir die ganze Zeit warm angezogen.
Hinzu kommt, dass die Menschen in Peru das Konzept einer Heizung nicht kennen. Sowohl in unserer Wohnung, als auch in den Räumen der Sprachschule, gibt es keine Heizungen. Zudem haben die Fenster lediglich Einfachverglasung. Das führt zuweilen dazu, dass es draußen und drinnen die gleiche Temperatur hat. Außerdem dringt durch diese dünnen Fenster der Lärm ungefiltert in die Wohnung. Das Hupen, Musizieren und Leben aller Menschen hören wir überall.

Nach den Vormittagen in der Sprachschule verbringen wir die Nachmittage sowohl mit Sightseeing als auch mit Alltäglichem. Diese Routinen tun auch mal gut. So gehen wir jeden Tag zum Lunch woanders hin und probieren uns durch die leckere peruanische Küche.
Um dieser ein Stück näher zu kommen, habe ich einen Cevice- und Pisco Sour- Kochkurs gemacht. Cevice ist ein kaltes Gericht aus rohem Fisch (z.B. Wolfsbarsch), rote Zwiebeln, Süßkartoffeln, Limetten, Koriander und einer Soße, die Tigermilch genannt wird. Diese Soße entsteht durch das "Garen ohne Hitze" des Fisches durch die Säure der Limette.

Eines der Abendangebote der Sprachschule war ein Reggaeton-Tanzkurz. In spanischen Erläuterungen hieß es locker bleiben in den Knien und Hüfte bewegen. Tatsächlich hat sich die Stunde eher wie Hochleistungssport für meine Hüften und Oberschenkel angefühlt. Trotzdem hat es mit der Gruppe viel Spaß gemacht, und gute Musik auf die Ohren bringt immer gute Laune.

Peru ist oftmals für die Inka-Kultur bekannt. In Lima gab es bereits tausende Jahre vor den Inkas andere Kulturen, die an dieser Stelle gelebt haben, u.a. Lima, Wari und Yschma.
Das Huaca Pucllana-Museum liegt in Miraflores und ist eine archäologische Ausgrabungsstätte einer 1.500 Jahre alten Pyramide und vielen Bereichen mit Gebäuden und Plätzen. Ein Pluspunkt von dem Museum ist, dass wir das erste Mal die Gelegenheit hatten weitläufiger über Lima zu schauen. Die Stadtteile bestehen überwiegend aus Hochhäusern, so dass eine Weitsicht kaum möglich ist. Im Museum gab es auch noch einen Garten mit Obst- und Gemüse aus Peru. So haben wir erfahren, dass es über 3.000 Kartoffelsorten in Peru gibt. Auch supersüße Meerschweinchen und Lamas waren im Museum, um zu zeigen, wie die Menschen früher lebten.

Einmal in Museumslaune ging es direkt weiter ins Lum-Museum als Ort der Erinnerung, Toleranz und soziale Inklusion. Unsere neuerworbene Spanischkenntnisse wurden direkt gefordert, denn es gab keine englischen Übersetzungen. Ein Teil des Textes konnte ich tatsächlich verstehen, jedoch geht es irgendwann nur noch mit einem Translator. Peru war von bürgerkriegsähnlichen Konflikten betroffen in den 80ern und 90ern betroffen und in dem Museum geht es um die Aufarbeitung dieser.

Recherchiert man über Lima, erfährt man, dass Lima nach Kairo die zweitgrößte Wüstenstadt der Welt ist. Während unserer Zeit in Miraflores ist uns dies nicht ansatzweise aufgefallen.
Beim Verlassen von Lima mit dem Bus nach Ica, ändert sich binnen kurzer Zeit die Landschaft massiv und die Trockenheit de Landschaft wird sichtbar: Sand, Sand, Sand. Sand als Hügel, Sand als Berg, Sand als Deko vor dem Haus. Es ist erkennbar, dass jegliches Grün wie Gras hier nur durch Bewässerung wachsen kann. Andernfalls sieht man Palmen und Kakteen.

Obwohl Lima eine gigantische Großstadt ist, haben wir uns im beschaulichen Miraflores etwas ausruhen können und Energie für neue Abenteuer gesammelt. Wir freuen uns nun auf die weiteren Orte und Städte in Peru, die wir alle mit dem Überlandbus erreichen können.

Fotoshow (mit Musik) über unsere Zeit in Lima.