Magie auf 14.700km Entfernung: Rapa Nui

Monique

10/25/2025

Schon die Anreise auf die abgelegenste, bewohnte Insel der Welt ist ein kleines Abenteuer. Im strömenden Regen landen wir auf Rapa Nui. Zur Begrüßung spielt eine kleine Band polynesische Musik am Flughafen, überall duftet es nach Blumen, und unser Gastgeber José begrüßt uns herzlich mit einer traditionellen Blumenkette.

Unsere kleine Holzhütte liegt am Rand von Hanga Roa, umgeben von bellenden Hunden, gackernden Hähnen und duftenden Pflanzen. Von unserer Cabaña sind es nur ein paar Schritte zu den Moai-Statuen von Ahu Tahai. Es ist für uns der perfekte Ort, um jeden Abend den Sonnenuntergang zu genießen.

Wir haben das große Glück, dass Daisy und Banu von unserer Tour durch die Wüsten von Bolivien ebenfalls vor Ort sind, und so verbringen wir einen Abend zu viert beim Sonnenuntergang.

Wenn die Sonne langsam im Pazifik versinkt, färbt sich der Himmel in warme Rottöne. Und als wäre dieser Moment nicht schon magisch genug, ertönt eines Abends aus einer nahen Musikanlage das Lied „Somewhere over the Rainbow“. In solchen Momenten wird uns bewusst, wie besonders es ist, genau hier zu sein. Wir sind am Ende der Welt, umgeben von Geschichte und dieser Schönheit.

Wir erkunden die Insel in den folgenden Tagen intensiv zu Fuß, mit dem Mietwagen und auf geführten Touren. Überall begegnen uns die Moais, rund tausend an der Zahl. Jede Figur hat ihr eigenes Gesicht, ihre eigene Geschichte. Dabei lernen wir viel über die Kultur und Geschichte der Rapa Nui, die faszinierend und tragisch ist.

Viele der einstigen Clans der Insel standen im Konflikt miteinander, zerstörten gegenseitig ihre Kultstätten und legten schließlich auch ihre Moais um. Richtig düster wurde es zu Zeiten des Bürgerkriegs, der auch aufgrund der Überbevölkerung und dem Ressourcenmangel zu schlimmsten gewalttätigen Auseinandersetzungen bis hin zu Kannibalismus führte. Die Spuren dieser Geschichte spürt man auch heute noch im Zusammenleben der Menschen. José erzählt uns, dass die Dorfgemeinschaft oft in Konkurrenz steht, und dass selbst das Flughafenterminal nach 40 Jahren verlegt werden soll, weil eine Familie das Land plötzlich für sich beansprucht. Auf Basis mündlicher Überlieferungen. Das sind aber nicht die einzigen Probleme. Es gibt viel zu viele Hunde, die oft in fragwürdigem Zustand sind und die Touristen um Aufmerksamkeit oder Essen anbetteln. Nicht nur einmal hatten wir Kakerlaken in unserer Hütte und insgesamt fehlte es uns hier und da auch an Herzlichkeit der Einwohner.

Die Landebahn auf Rapa Nui wurde einst auf Wunsch der NASA verlängert. Für den Notfall, dass das Space Shuttle hier hätte landen müssen. Zum Einsatz kam sie nie, aber so bekam die Insel die wohl am spektakulärsten gelegene Notfallpiste der Raumfahrtgeschichte.

Auch wenn die Insel politisch zu Chile gehört, spüren wir überall Polynesien. Die vielen Blumen, der Blick auf den Pazifik bis hin zum frischen Fisch auf den Tellern, lassen uns den Inselvibe spüren.

Am beeindruckendsten sind die Touren über die Insel. Wir besuchen die drei Vulkane Rano Kau, Terevaka und Poike, deren Lavaströme einst die Insel formten. Dadurch können wir Rapa Nui aus drei Perspektiven erleben und sehen, wie klein die Insel mitten im Ozean ist .

Ein Höhepunkt ist der Besuch im Steinbruch Rano Raraku, wo die Moais einst aus dem Vulkangestein geschlagen wurden. Viele Figuren blieben hier zurück. Sie sind aufrecht im Hang, teils bis zum Hals im Boden versunken. Der Rest vom Körper wurde über die Jahrhunderte begraben.

An einem anderen Tag führt uns eine Ganztagestour bis zum Anakena Beach, dem wohl schönsten Strand der Insel. Weißer Sand, Palmen und Moais. Da die Sonne heute für eine stärkere Hitze sorgt, springe ich ins Meer, auch wenn es für mich zu kühl ist. Ich blicke zurück zum Strand, sehe die Moais und weiß, dass ich genau am richtigen Ort bin.

Und genau so fühlt es sich an, meinen 43. Geburtstag hier zu verbringen. Wir wandern, lachen, genießen den Sonnenuntergang und spüren, dass dieser Ort mehr ist als nur eine Insel.

Wenn unsere Reise bald weiter nach Neuseeland geht, bleiben wir geografisch in Polynesien. Ein Stück von Rapa Nui werden wir im Herzen mitnehmen.