Nuwara Eliya, Ella und Udawalawa
Monique
7/12/2026
Regen, Tee und grüne Berge begrüßen und im Hochland Sri Lankas auf der Fahrt von Kitulgala nach Nuwara Eliya. Die Straßen schlängeln sich in endlosen Serpentinen den Berg hinauf, vorbei an sattgrünen Teeplantagen, die sich wie ein Teppich über die Hänge legen. Es regnet ununterbrochen, doch die Frauen pflücken mit großen Säcken auf dem Rücken unbeirrt weiter die frischen Teeblätter. Zwischen den kleinen Bergdörfern sind viele Menschen zu Fuß unterwegs, sodass sich der Verkehr auf den schmalen Straßen immer wieder staut. Auf rund 1.900 Metern Höhe angekommen, ist die Luft deutlich kühler, als wir es bisher gewöhnt sind.
Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, selbst durch eine Teeplantage zu spazieren. Erst hier wird uns bewusst, wie viel Handarbeit hinter jeder Tasse Tee steckt. Die Pflückerinnen haben feste Tagesziele, die sie erreichen müssen. Ganz egal, ob die Sonne scheint oder der Regen in Strömen fällt. Wir erfahren, dass die Pflückerinnen und Arbeiter tamilischer Herkunft sind, eine ethnische Gruppe, die seit Jahrzehnten in Sri Lanka massiv unterdrückt wird. Auch in anderen Teilen Sri Lankas pflücken Tamilen die Teeblätter.
Die nächsten 48 Stunden verbringen wir in einer kleinen Wohlfühlblase. Unser Hotel verwöhnt uns mit Komfort, Vollpension, einer gemütlichen Bar, Live-Musik am Abend und richtig gutem Essen, dass mal als Menü, mal als Buffet angeboten wird. Nach den vergangenen Wochen tut es gut, einfach einmal nichts organisieren zu müssen: Decision-Detoxing.
Nachmittags machen wir lediglich einen Spaziergang um den Lake Gregory. Dieser ist jedoch nicht so entspannt, wie erhofft. Erst finden wir die Abkürzung vom Hotel zum See nicht und müssen doch die Straße entlang und dann müssen wir für einen Abschnitt am See sogar Eintritt zahlen. Und das eigentlich nur dafür, um an Motorbootverleihern vorbei zu laufen und sie gleichzeitig abzuwimmeln.
















Anschließend wartet ein weiteres Highlight auf uns: die legendäre Zugfahrt von Nanu Oya nach Ella.
Sie gilt als eine der schönsten Bahnstrecken Sri Lankas und entsprechend hoch ist die Touristendichte. Für umgerechnet gerade einmal 1,52 Euro kaufen wir Tickets für die zweite Klasse, setzen uns aber kurzerhand in die dritte. Denn dort ergattern wir Plätze direkt am Fenster mit einem kleinen Tisch. So können wir beide perfekt aus dem geöffneten Fenster schauen, um die Landschaft zu genießen.
Während der fast 3 stündigen Fahrt kaufen wir Tee und geröstete Erdnüsse bei den fliegenden Händlern. Das Panorama ist eine Mischung aus grünen Berghängen, Teeplantagen und kleinen Wasserfällen, die sich immer wieder mit Tunneln abwechseln. Der Zug fährt gemächlich durch die Landschaft, oft kaum schneller als 15 km/h. Während Kinder mit einem Kalb am Gleisbett entlanglaufen und den Bahndamm ganz selbstverständlich als Weg nutzen, hängen zahlreiche Tourist:innen weit aus den Türen, um das perfekte Foto zu schießen. Einige ubertreiben es maßlos und wir fragen uns irgendwann schon, ob manche für dieses eine Instagram-Bild hier sind oder für die Landschaft selbst.
Mit der Ankunft in Ella endet unsere kleine Wohlfühlblase allerdings ziemlich abrupt. Bisher haben wir Sri Lanka als ruhig, entspannt und angenehm leer erlebt. Ella fühlt sich dagegen wie eine ganz andere Welt an. Überall wird gebaut, Restaurants sind gut besucht, Tuktuks, Autos und Busse blockieren die Straßen und aus vielen Cafés dröhnt Musik. Es erinnert uns ein wenig an das hippe Ubud auf Bali und das hat uns auch schon nicht gefallen.
Auch unsere Unterkunft begrüßt uns zunächst mit Kettensägengeräuschen von der Baustelle nebenan. Dazu steht ein beißender Geruch von verbranntem Plastik in der Luft. Kurz überlegen wir sogar umzuziehen. Rückblickend war es aber genau die richtige Entscheidung zu bleiben. Die Unterkünfte mitten im Ort liegen direkt an den lauten Straßen und die ruhigen Unterkünfte außerhalb benötigen jedes Mal ein Tuktuk oder liegen sogar in der Nähe der Müllhalde. Unsere Unterkunft ist da ein guter Kompromiss. Zudem können wir immerhin morgens beim Frühstück zahlreiche Tiere, so auch das Rieseneichhörnchen, beobachten.
Ella selbst lebt komplett vom Tourismus. In der Hauptsaison sollen die Menschen vor den Restaurants sogar Schlange stehen. Davon kann aktuell keine Rede sein und dennoch empfinden wir es als voll. Das Publikum hat sich zudem radikal gewandelt. Junge Männer laufen oberkörperfrei durch den Ort, Möchtegern-Influencer:innen posieren an jeder Ecke und viele Outfits überlassen nur noch wenig der Fantasie.
Wir suchen stattdessen unseren Ausgleich. Zweimal besuche ich Yogastunden in einer kleinen Holzhütte zwischen den Bäumen. Zwischen Atemübungen, gemeinsamen "Oms" und einer langen Entspannungseinheit komme ich wunderbar zur Ruhe. Stephan gönnt sich für seine Entspannung gleich drei Massagen, darunter auch eine ayurvedische Behandlung.
Natürlich darf auch die berühmte Nine Arches Bridge nicht fehlen. Die historische Eisenbahnbrücke aus der britischen Kolonialzeit ist eines der Wahrzeichen Sri Lankas und entsprechend beliebt. Rund um die Brücke warten bereits unzählige Menschen auf den nächsten Zug, um das perfekte Foto zu machen. Wir warten nicht so lange und genießen lieber einen frisch gepressten Saft am Wegesrand mit Blick auf die Felder.
Auch der Little Adam's Peak gehört zum Pflichtprogramm. Der Weg ist einfach und führt vorbei an allem, das Tourist:innen begeistern soll: Poolclubs, Cafés, einer Zipline und Schaukeln inklusive Kleidern für Fotoshootings. Wir finden den Trubel eher nervig und laufen an Allem vorbei. Oben angekommen genießen wir dennoch den Blick über die Berge bis hinüber zum Ella Rock.
Dorthin führt uns am nächsten Morgen unsere zweite Wanderung. Mit knapp drei Kilometern ist sie zwar nicht besonders lang, dafür aber ordentlich steil. Gleich zu Beginn begegnen wir allerdings einem selbsternannten Guide, der uns partout begleiten möchte. Egal wie schnell oder langsam wir laufen; er bleibt in unserer Nähe. Erst als Stephan deutlich und laut wird, zieht er endlich weiter. Oben entschädigt der Blick über die grünen Berge und hinüber zum Little Adam's Peak für den etwas nervigen Start.
Für mich wird aber ein ganz anderer Ausflug zu einem der eindrucksvollsten Erlebnisse unserer Zeit in Ella. Ich besuche das Mahamevnawa Buddhist Monastery, ein buddhistisches Kloster etwas außerhalb des Ortes. Nach einem geführten Rundgang durch die Stupa nehme ich an einer geführten Meditation teil. Sie dreht sich um Selbstliebe, denn erst sich selbst lieben lernen, heißt auch andere lieben zu können.
Anschließend steht der Mönch für Fragen zur Verfügung und erklärt uns Tourist:innen den Buddhismus. Er sagt ganz ruhig, dass er überzeugt sei, glücklicher zu sein als wir. Nicht aus Überheblichkeit, sondern weil er sich täglich um seinen Geist kümmert. Er besitzt weder Haus noch Auto, muss sich nicht um Versicherungen, Einkäufe oder das nächste Abendessen kümmern. Im Kloster wird er dreimal täglich versorgt und widmet seine Zeit der Meditation und der Begleitung anderer Mönche und Nonnen.
Ob ich seine Sicht komplett teile, weiß ich nicht. Aber das Gespräch macht nachdenklich und es zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich Menschen Glück definieren können.
Etwas ganz anderes beschäftigt uns dagegen täglich beim Essen. Ein Nein scheint in Sri Lanka kaum zu existieren. Ganz egal wie oft wir erklären, dass kleinere Portionen völlig ausreichen oder wir auf einzelne Beilagen verzichten möchten, unser Tisch füllt sich trotzdem immer wieder bis zum Rand. Dazu gibt es fast immer reichlich Reis, Roti oder andere Kohlenhydrate. Einen einfachen gesunden Salat finden wir meist nur in international geprägten Restaurants.
Auch unsere Gastgeberin erzählt uns viel über das Leben im Land. So besuchen tamilische und muslimische Kinder andere Schulen als singhalesische, buddhistische Kinder. Eine gesellschaftliche Trennung, die bereits in jungen Jahren beginnt. Von der Regierung erhält jedes Kind zwei Schuluniformen, die meist komplett weiß oder mit dunkelblauer Hose sind. Bei der roten Erde und dem täglichen Spielen im Freien bedeutet das vor allem eines: sehr häufig Wäsche waschen.











































Nach den Bergen fahren wir weiter nach Udawalawe. Endlich wartet wieder ein Pool auf uns, denn die Temperaturen sind wieder gestiegen. Bei unserer Gastgeberin nehmen wir an einem Kochkurs teil. Wir bereiten vegetarisches Kottu Roti zu, ein ursprünglich aus der tamilischen und muslimischen Küche stammendes Gericht, das aus klein gehacktem Fladenbrot mit Gemüse und Ei besteht. Außerdem gibt es Pfannkuchen mit frischer Kokosnussfüllung, die unser absolutes Lieblingsessen sind. Da sehen wir auch wieder eine Kokosnussraspel und eine Machete, die zur Grundausstattung in den Küchen Sri Lankas gehören.
Dann wartet noch eine Safari im Udawalawe-Nationalpark auf uns. Wir sehen mehrere Elefantenherden. Einige Tiere stehen im Wasserloch und kühlen sich im Schlamm ab, andere schieben mit ihren Rüsseln Gras zusammen oder ziehen gemütlich durch die Savanne. Dazu entdecken wir Wasserbüffel, Affen, Pfauen, den leuchtend grünen Bee-Eater und sogar mehrere Krokodile. Die wirken allerdings erstaunlich langweilig und liegen regungslos am Ufer.
Inzwischen sind wir einen Monat in Sri Lanka unterwegs und das Land überrascht uns weiterhin. Kaum ein anderes Reiseziel auf unserer Reise vereint so viele unterschiedliche Landschaften auf so engem Raum: von tropischen Stränden über Teeplantagen bis hin zu dichten Nationalparks und grünen Bergwelten.
Gleichzeitig finden wir, dass Sri Lanka kein klassisches Asien-Anfängerreiseland ist, zumindest dann nicht, wenn man individuell und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Vieles erfordert Geduld, Flexibilität und manchmal auch eine Portion Gelassenheit. Wer nicht mit einer komplett organisierten Rundreise samt Fahrer unterwegs ist, muss sich vieles selbst erarbeiten. Hinzu kommt, dass an touristischen Orten fast jeder etwas verkaufen oder seine Dienste anbieten möchte. Auffällig ist für uns, dass oft die Bewertungen zwischen Buchungsportalen von Unterkünften und der Realität eine große Lücke klafft. Gleichzeitig erleben wir die Menschen als unglaublich herzlich und gastfreundlich. Und am Ende wird es diese Herzlichkeit sein, an die wir uns erinnern werden.















