Polonnaruwa, Kandy und wildes Wasser
Monique
7/3/2026
Mit dem Local Bus geht es für uns von Habarana nach Polonnaruwa. Die knapp 50-minütige Fahrt kostet uns zusammen gerade einmal einen Euro. Erstaunlich, wie günstig der öffentliche Nahverkehr in Sri Lanka ist und eigentlich logisch, denn Mobilität soll für jeden nutzbar sein. Die Einheimischen im Bus begegnen uns mit einem Lächeln, helfen uns oder fragen neugierig nach unserer Herkunft.
In Polonnaruwa erwartet uns eine kleine, liebevoll geführte Unterkunft mit Pool, direkt neben weitläufigen Reisfeldern. Nach der schwitzigen Fahrt kommt die Abkühlung genau richtig. An beiden Abenden genießen wir klassisches Rice and Curry mit einer riesigen Auswahl an verschiedenen Currys, Gemüse und Reis. Wie so oft in Sri Lanka, sind die Essensportionen für zwei Personen überdimensioniert und eher für schwer körperlich Tätige gedacht.
Die historische Königsstadt von Polonnaruwa erkunden wir mit dem Fahrrad. Die UNESCO-Welterbestätte war vom 11. bis 13. Jahrhundert Hauptstadt Sri Lankas und erstreckt sich über ein riesiges Gelände. Zu Fuß wäre das bei über 30 Grad ganz schön anstrengend.
Doch nicht nur die Temperaturen machen diesen Tag besonders. Wir sind genau am Poson Full Moon Poya Day hier, dem zweithöchsten buddhistischen Feiertag Sri Lankas. Er erinnert an die Einführung des Buddhismus auf der Insel im 3. Jahrhundert vor Christus. Jeder Vollmond ist in Sri Lanka ein religiöser Feiertag, an dem unter anderem kein Alkohol verkauft werden darf. Entsprechend viele Pilgerinnen und Pilger sind unterwegs.
Schnell merken wir, dass wir heute fast genauso interessant sind wie die jahrhundertealten Ruinen. Immer wieder werden wir begrüßt, Menschen winken uns zu oder fragen nach gemeinsamen Fotos. Ein kleines Mädchen spricht Stephan mutig auf Englisch an und stellt ihm neugierig Fragen. Mehrere Frauen machen mir Komplimente oder berühren freundlich meinen Arm. Diese Herzlichkeit berührt uns sehr.
Zwischen den beeindruckenden Ruinen besuchen wir auch einen Hindutempel. Ein Mönch spricht einen Segen für mich und zeichnet mir anschließend einen Tilaka auf die Stirn, ein Segenszeichen, das symbolisch für das dritte Auge und damit für Erkenntnis und innere Energie steht.
An vielen Tempeln heißt es Schuhe ausziehen. Bei der Mittagshitze wird der Steinboden allerdings so heiß, dass wir teilweise fast über den Boden hüpfen, um uns nicht die Füße zu verbrennen.
Nach dem Rundgang radeln wir noch einige Kilometer durch die Reisfelder zurück zu unserer Unterkunft. Diese Strecke gehört für uns zu den schönsten des Tages. Links leuchten die sattgrünen Felder, Palmen wiegen sich im Wind und rechts fließt ein Fluss, in dem auch Menschen baden. Immer wieder winken uns Menschen vom Straßenrand freundlich zu. Wahrscheinlich verirren sich bei dieser Hitze nur wenige Tourist:innen auf Fahrrädern. Ich genieße den Fahrtwind, schaue in die Landschaft und plötzlich schimmern Tränen in meinen Augen, wegen der überraschenden Schönheit der Landschaft.
Überall entlang der Straßen werden an diesem Feiertag kostenlos Mahlzeiten verteilt. Teilweise ziehen sich die Warteschlangen über mehrere Hundert Meter. An einer der größten Ausgabestellen werden an zwei Tagen bis zu 30.000 Pilger mit gebratenen Reis versorgt. Uns wird erzählt, dass der wohlhabendste Reishändler Südostasiens diese Aktion organisiert und selbst beim Austeilen mithilft. Eine beeindruckende Geste. Schöner wäre es natürlich, wenn die Menschen genug verdienen würden, um nicht auf Wohltätigkeit angewiesen zu sein.
Den Rückweg von der Ancient City bis zu unserem Resort legen wir schließlich zu Fuß zurück. Fünf Kilometer laufen wir entlang der Straße in der Nachmittagssonne. Die Straße ist voller Autos, Tuk-Tuks und Traktoren mit Menschen drauf, die alle nach Polonnaruwa wollen. Unterwegs begegnen uns sogar Elefanten auf Lastwagen, die für eine große Parade am nächsten Tag hergefahren werden. Wieder winken uns unzählige Menschen zu und wundern sich sicherlich über uns Touristen. Nach der Rückkehr im Resort springen wir zur Abkühlung direkt in den Pool.
Am Abend erleben wir einen Sonnenuntergang, wie ihn wohl nur Sri Lanka hinbekommt. Hinter den Reisfeldern erhebt sich ein einzelner Berg, zwei Pfaue laufen gemächlich durch die Felder und ein Radfahrer fährt langsam zwischen den Reisfeldern dem Abendlicht entgegen. Pfaue werden für mich wohl für immer zu Sri Lanka gehören, denn wir sehen und hören sie einmal öfters.

































Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Kandy. Da die erste Busfahrt so unkompliziert war, entscheiden wir uns erneut für einen Local Bus.
Vor der Abfahrt geht es noch schnell auf die Toilette. Wie so oft in Sri Lanka erwartet mich ein Hock-WC. Alles ist erstaunlich sauber, weil nach jeder Benutzung reichlich Wasser zum Reinigen verwendet wird. Die Dame in der Nachbarkabine meint es dabei allerdings besonders gut und überschwemmt gleich meine Kabine und Füße mit.
Was auf einer 50-minütigen Fahrt noch charmant war, wird auf vier Stunden allerdings zu einer kleinen Herausforderung. Der Bus ist bis auf den letzten Zentimeter gefüllt. Menschen stehen dicht gedrängt im Mittelgang, ständig drückt sich jemand an Stephan heran, da zunächst den Ganplatz hat. Dazu läuft ohne Pause laute Musik über die Lautsprecher.
Jetzt verstehen wir auch, warum wir in diesen Bussen keine anderen Reisenden sehen. Die meisten Tourist:innen entscheiden sich lieber für klimatisierte Privattransfers.
Trotzdem vergeht die Zeit überraschend schnell. Es gibt unterwegs einfach unglaublich viel zu beobachten: kleine Dörfer, bunte Tempel, Händler am Straßenrand und das Alltagsleben Sri Lankas.
Was für uns ein Abenteuer ist, ist für viele Menschen hier tägliche Realität. Dieser Gedanke begleitet uns noch eine ganze Weile.
In Kandy beziehen wir ein Hotel direkt am See. Schon bei unserem ersten Spaziergang entdecken wir einen riesigen Waran, der gemütlich durchs Wasser gleitet. Ein beeindruckendes und großes Tier.
Auch hier merken wir, dass Nebensaison ist und durch den Konflikt im Nahen Osten bleiben viele internationale Gäste aus und die Stadt wirkt deutlich ruhiger als erwartet.
Bevor wir mit dem Sightseeing beginnen, suchen wir zunächst eine kleine Werkstatt. Die Schraube an unserer Actioncam-Halterung ist festgerostet und muss dringend gelöst werden. Tatsächlich finden wir einen winzigen Straßenstand, dessen Besitzer das Problem innerhalb weniger Minuten behebt. Improvisation funktioniert in Sri Lanka erstaunlich gut.
Da Stephan sich mit Bauchifauchi ins Hotel zurückzieht, mache ich mich allein auf den Weg zum Mittagessen. Dort lerne ich Ellyse aus Wales kennen. Spontan beschließen wir, gemeinsam zum Sri Maha Bodhi Viharaya zu fahren. Von den Schultern der 27m großen Buddha-Statue genießen wir einen fantastischen Blick über Kandy und den See.
Auf dem Rückweg schlendern wir noch über den lebhaften Local Market und vorbei am alten Gefängnis mitten in der Stadt, bevor wir uns verabschieden.
Am Abend besuchen wir dann wieder gemeinsam eine traditionelle Tanzshow. Das heruntergekommene Theater versprüht zwar wenig Charme, dafür sorgen Feuerschlucker und -tänzer und Akrobatik für Unterhaltung. Zwischendurch kreisen Teller auf den Mündern der Künstler. Wir denken allerdings auch daran, wie leicht die schweren Bühnenvorhänge wohl Feuer fangen könnten.
Anschließend geht es zum berühmten Zahntempel, der direkt nebenan liegt. Der Tempel gehört zu den wichtigsten buddhistischen Heiligtümern der Welt. Hier soll der linke Eckzahn Buddhas aufbewahrt werden. Dreimal täglich wird der Schrein für kurze Zeit geöffnet. Den eigentlichen Zahn sieht man allerdings nicht, lediglich den reich verzierten Schrein, und das auch nur für 2 Sekunden beim Vorbeigehen.
Trotzdem herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Überall bringen Menschen Lotusblüten als Opfergabe mit, traditionelle Musik erklingt und Mönche singen ihre Abendgebete. Früher galt der Besitz der Zahnreliquie als Legitimation für den singhalesischen Königsthron. Außerdem schrieb man ihr die Kraft zu, Regen zu bringen und das Land vor Dürren zu schützen.
Spannend finden wir auch, wie multireligiös das Viertel rund um den Tempel ist. Direkt nebeneinander befinden sich buddhistische und hinduistische Heiligtümer, außerdem eine Moschee und eine christliche Kirche.
Am nächsten Tag erkunden wir die Umgebung mit einem Tuk-Tuk-Fahrer. Erster Stopp ist das Nelligala International Buddhist Centre. Zwischen Räucherstäbchen, blühenden Seerosen und fast völliger Stille genießen wir diesen Ort ganz in Ruhe. Nur wenige Einheimische sind unterwegs. Im Tempel werden sogar Reliquien mit Haaren und Knochen Buddhas aufbewahrt. Von hier oben reicht der Blick weit über die sattgrünen Hügel Zentral-Sri-Lankas.
Danach besuchen wir das Teemuseum. Eine Mitarbeiterin erklärt uns die Herstellung von weißem, goldenem und schwarzem Tee sogar auf Deutsch. Fragen versteht sie zwar nur auf Englisch, doch ihren deutschen Vortrag hat sie perfekt auswendig gelernt. Natürlich probieren wir verschiedene Sorten, und Stephan nimmt gleich noch ein paar Packungen für zuhause mit.
Anschließend spazieren wir durch die Königlichen Botanischen Gärten von Peradeniya. Riesige Bäume, Palmenalleen und unzählige tropische Pflanzen machen den Park zu einer grünen Oase. Viele Blumen stehen zwar gerade nicht in Blüte, dennoch ist der Garten wunderschön.
Wir verlassen Kandy und fahren weiter nach Kitulgala, mitten hinein in die Berge. Von unserem kleinen Hotel blicken wir direkt ins satte Grün der umliegenden Hänge. Erst einmal geht es natürlich in den Pool. Während wir entspannen, kreist sogar ein Adler direkt über uns.
Am Nachmittag wartet noch ein kleines Abenteuer. Kitulgala gilt als Zentrum des Wildwasserraftings in Sri Lanka. Da die Regenzeit bereits vorbei ist, sind die Stromschnellen zwar eher gemütlich, trotzdem macht die Fahrt riesigen Spaß.
Außerdem passieren wir die berühmte Brücke aus dem Film Die Brücke am Kwai von 1957. Zwischendurch lässt unser Guide das Boot vor einer Stromschnelle mehrfach auf den Wellen surfen, bis es schließlich tatsächlich umkippt. Das Wasser ist herrlich erfrischend und wir lassen uns ein wenig flussabwärts treiben, bevor wir wieder eingesammelt werden. Allein für den Blick in die Landschaft vom Wasser aus, hat die Tour sich gelohnt.
Sri Lanka überrascht uns weiterhin. Mal sind es beeindruckende Tempel und jahrhundertealte Ruinen, mal Begegnungen mit unglaublich herzlichen Menschen oder Ausblicke auf Reisfeldern und Pfaue.
















































