Regen, Ramen und viel Geschichte auf Kyushu

Monique

4/17/2026

In Nagasaki tauchen wir direkt in Chinatown ein, wo wir uns ohne lange zu überlegen eine dampfende Schüssel Champon bestellen. Das ist eine lokale Nudelspezialität, die mit Meeresfrüchten, Gemüse und einer kräftigen Brühe serviert wird. Mit diesem leckeren Mittagessen kommen wir in Nagasaki gut an.

Am Abend zieht es uns hinauf in den Glover Garden. Zwischen westlich geprägten Villen aus dem 19. Jahrhundert und verwinkelten Wegen genießen wir den Blick über die Bucht von Nagasaki. Die Stadt spielt historisch eine besondere Rolle, da sie lange Zeit einer der wenigen Orte war, an denen Japan Handel mit dem Ausland betrieb und genau das spürt man hier noch heute. Später lassen wir den Tag mit Okonomiyaki im Nagasaki Style ausklingen, bevor wir im Onsen unseres Hotels entspannen. Das warme Wasser und die Ruhe sind ein perfekter Abschluss.

Der nächste Morgen beginnt traditionell mit Fisch, Reis und kleinen Beilagen. Gestärkt besuchen wir das Nagasaki Atomic Bomb Museum und den angrenzenden Nagasaki Peace Park. Nagasaki ist neben Hiroshima die zweite Stadt, die 1945 von einer Atombombe getroffen wurde. Die Eindrücke sind intensiv und stimmen uns nachdenklich. Bei einer Schüssel Tonkotsu Ramen hebt sich unsere Stimmung wieder.

Ein Abstecher zum Suwa Shrine bringt eine ruhigere, spirituelle Atmosphäre, bevor wir die Stadt verlassen und mit dem Bus weiter nach Unzen Onsen fahren.

Die Strecke schlängelt sich durch die Berge, und schon bei der Ankunft merken wir: Hier ticken die Uhren langsamer und ein schwerer Schwefelduft liegt in der Luft, denn direkt an der Hauptstraße liegen die heißen, brodelnden Quellen.

Unser Hotel ist ein großzügiger und komfortabler Rückzugsort. Das Zimmer ist mit Tatami-Matten ausgekleidet und wir schlafen auf Futons. Beim Abendessen wird es plötzlich lebhaft, als eine Reisegruppe aus China und Korea eintrifft. Welch ein Kontrast zu den sonst ruhigen Japaner:innen! Es wird laut und gedrängelt und die Teller werden voll geschaufelt.

Am nächsten Tag zeigt sich Unzen jedoch von seiner nassen Seite: Nebel und Regen, der den ganzen Tag nicht aufhören will. Unsere Wanderpläne lösen sich damit in Luft auf, doch statt uns zu ärgern, nehmen wir das Tempo raus. Wir frühstücken in Ruhe und nutzen den Vormittag für Organisatorisches. Als wir später durch das Dorf zu einem kleinen Restaurant laufen, begegnet uns kaum jemand. Alles wirkt ruhig, fast verlassen, als hätte der Regen den Ort komplett eingehüllt. Der Nachmittag vergeht entspannt mit Lesen, einem kleinen Tischtennis-Match, das Stephan knapp für sich entscheidet, und natürlich einem Besuch im Onsen. Der Blick aus dem Außenbereich bleibt zwar wolkenverhangen, aber auch das sieht sehr schön aus.

Auch steht wieder Karaoke an, und schnell merken wir, wie anspruchsvoll viele Songs eigentlich sind. Dafür tauchen wir umso mehr in die Texte ein und haben unseren Spaß dabei.

Am nächsten Morgen lässt der Regen endlich nach, doch statt Sonnenschein erwartet uns eine dichte Nebelwand, die sich durch den Ort zieht. Es hat fast etwas Mystisches, als wir den Bus Richtung Shimabara nehmen. In engen Serpentinen geht es hinab, und wir können uns nur vorstellen, wie schön diese Landschaft bei klarem Wetter sein muss.

Vom Hafen setzen wir mit der Fähre nach Kumamoto über. Kaum angekommen, tauchen wir wieder in das Stadtleben ein: Shopping-Arcaden, eine überraschend schöne Lightshow auf dem Dach einer Mall und natürlich gutes Sushi.

Ein zentrales Highlight ist das Kumamoto Castle. Die imposante Burganlage gehört zu den bedeutendsten in Japan, wurde jedoch beim schweren Erdbeben 2016 stark beschädigt. Noch heute wird sie aufwendig restauriert. Ein Prozess, der insgesamt 25 Jahre dauern soll. Vor Ort wird deutlich, wie wichtig die Burg für die Menschen ist. Kleine Filme zeigen die emotionale Bedeutung des Wiederaufbaus, und man spürt den Stolz und die Hoffnung, die damit verbunden sind. Vom Rathaus aus genießen wir den Blick über die Stadt und entdecken in der Ferne sogar die Rauchwolke des Vulkans Mount Aso.

Zum Abschluss zieht es uns in den Suizenji Jojuen Garden, einen liebevoll angelegten Landschaftsgarten mit viel Grün, kleinen Hügeln und kunstvoll geschnittenen Bäumen. Später spazieren wir bei sommerlichen Temperaturen entlang des Kase-Flusses. Nach vielen kühlen und regnerischen Tagen fühlt sich die Sonne einfach herrlich an und rundet diese Etappe unserer Reise auf eine angenehme Weise ab.