San Pedro de Atacama

Stephan

10/15/2025

San Pedro de Atacama liegt direkt hinter der Grenze zu Bolivien und ist sehr touristisch. Es ist Teil des sogenannten "Lithium Dreieck", zu dem die Salzwüste bei Uyuni, eine Salzwüste in Argentinien und die Atacama Salzwüste gehören. Vom Lithiumabbau haben wir aber weder hier noch in Bolivien etwas gesehen.

Da unser Hostal sehr zentral gelegen war, haben wir von San Pedro eigentlich auch nur ein paar Straßen, in denen die ganzen Restaurants und Touranbieter zu finden sind, kennengelernt. Dennoch wurde für uns sofort sichtbar, dass Chile anders ist. Das Preisniveau ist mit Deutschland vergleichbar, mehr Menschen sprechen Englisch und man sieht überhaupt keine indigene Bevölkerung. Zumindest niemanden in traditioneller Kleidung. Stattdessen scheint in Chile der rockige Metallook angesagt zu sein, denn sehr viele tragen schwarz und haben zahlreiche Tattoos und Piercings.

Bei vergleichsweise hohen Temperaturen von 27° haben wir uns direkt wohl gefühlt. Obwohl wir ja sehr früh aufgestanden waren und uns eigentlich vorgenommen hatten, den Rest des Tages zu entspannen, konnten wir nicht anders. Wir buchten uns bei einem Touranbieter einen Ausflug, um abends die Sterne anzugucken. Die Atacamawüste ist vielleicht der Ort der Welt mit der klarsten Sicht in den Weltraum. Daher befinden sich hier auch gleich mehrere Sternwarten bzw. Radioteleskop-Projekte verschiedener Länder. Während unserer Gipfelbesteigung am übernächsten Tag, konnten wir einige davon sehen.

Wir wurden abends also abgeholt und nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt wieder abgesetzt. Das Programm bestand aus ein paar Erklärungen zu den Sternenbildern der Südhalbkugel und dem Weltall allgemein, einer Fotosession samt Milchstraße und Magellanwolke, und dem Blick durch ein Teleskop auf verschiedene Himmelsobjekte. Die Erläuterungen waren mir persönlich etwas zu oberflächlich, da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Die Fotos sind aber eine schöne Erinnerung und wir konnten sogar den Saturn durch das Teleskop sehen.

Den nächsten Tag haben wir genutzt, um an den Texten, Videos und Fotos der letzten Tage zu arbeiten. Außerdem haben wir die nächsten Wochen der Reise geplant und zum Teil mit Buchungen für Flüge und Unterkünfte konkretisiert. Es ist erstaunlich wie schnell wir inzwischen diese Entscheidungen treffen können. Innerhalb weniger Stunden hat Monique Optionen recherchiert und eine komplexe Reiseroute erstellt. Gemeinsam haben wir dann Prioritäten gesetzt und Zeiträume festgelegt. Unter anderen Umständen würden wir uns dafür deutlich mehr Zeit nehmen, die wir hier aber nicht haben. Bei der Planung ist deutlich geworden, dass das günstige Reisen vorerst vorbei ist. Chile und Argentinien werden deutlich teurer als Peru und Bolivien! Da werden wir uns umstellen müssen. Dafür erwartet uns auch ein Highlight nach dem Anderen und wir freuen uns darauf.

Am letzten Tag in San Pedro wollen wir noch mal aktiv sein. Wir buchen eine Tour, um den Gipfel von Cerro Toco zu erklimmen. Das sind zwar nur 400 Höhenmeter, aber eben ab 5200m. Das ist für den Körper eine völlig andere Belastung als auf z.B. 2000m. Unser Guide Carlos, der uns morgens um 7 Uhr abholt, ist ein echtes Unikat! Schon bevor wir in den Geländewagen steigen, begutachtet er unsere Kleidung mit einem prüfenden Blick. Er fragt genau nach welche Wandererfahrung wir haben, wo wir waren, wie hoch wir schon waren. Er fasst sogar meine Hose an und schüttelt den Kopf, das würde nicht reichen. Wäre aber kein Problem, er hätte was dabei. Ein zweites Paar warmer Handschuhe, einen Helm und Stöcke bekommen wir auch noch. Während der Fahrt singt und summt Carlos zu seiner Musik, die man nur als eine seltsame Mischung aus Rock, Volk und Kinderliedern beschreiben kann. Er erzählt uns, dass er jeden Tag in die Berge ginge und den Sommer über immer in den italienischen Alpen verbringe. Später wird er uns noch zu einer dreitägigen Expedition auf den Mont Blanc einladen.

Der Aufstieg zum Gipfel ist langsam und mühsam, aber unter Carlos wachsamen Augen und strengen Anweisungen kommen wir nach 1:20h verhältnismäßig zügig am Gipfel an. Wir sind beide überzeugt: So einen Guide, der gleichzeitig streng, entspannt, fröhlich und hochprofessionell ist, haben wir noch nicht erlebt. Auf dem Weg nimmt Carlos auch noch einen einsamen Chilenen unter seine Fittiche, der sichtbar Mühe hat, den Weg zu bewältigen. Die Aussicht am Gipfel ist überwältigend und der Augenblick der Ankunft emotional. Da wir so gut unterwegs waren, gehen wir auch noch rüber zum zweiten Gipfel. Dort machen wir dann noch eine kurze Essenspause bevor wir uns an den Abstieg wagen. Dieser ist aber kein großes Problem mehr und geht recht zugüg voran.
Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, die Ausflüge in die Atacamawüste zu machen, und stattdessen die Gipfelbesteigung gewählt. Das war genau richtig! Ob wir noch die 6000 knacken werden? Zurück in der Unterkunft sind wir jedenfalls völlig platt und müssen erstmal richtig essen und schlafen. Erstaunlich, was die Höhe dem Körper abverlangt.