Singapur: mehr als nur ein Hub

Monique

3/11/2026

Schon der Weg vom Flughafen zeigt, wie unkompliziert Reisen in Singapur sein kann. Für gerade einmal zwei Euro bringt uns die Metro vom Flughafen direkt nach Little India, dem Viertel, in dem unser Hotel liegt.

Die kulturelle Vielfalt des Stadtstaats zeigt sich sofort. Viele Schilder in der Metro sind gleich in mehreren Sprachen beschriftet: Englisch, Chinesisch und Malaiisch. Singapur versteht sich bewusst als multikulturelle Gesellschaft mit chinesischen, malaiischen und indischen Wurzeln.

Der Himmel begrüßt uns allerdings erst einmal tropisch: mit Regen und einem kräftigen Gewitter. Praktisch, dass direkt gegenüber unserem Hotel eine große Mall liegt. Wir flüchten uns hinein und schlendern durch die Geschäfte. In asiatischen Einkaufszentren gibt es einfach so viele Dinge, die wir aus Deutschland nicht kennen. Die ausgefallenen Snacks bis hin zu kleinen Gadgets, die man eigentlich nicht braucht, finden wir sofort spannend.

Endlich finden wir was typisch japanisches: Gyudon, eine japanische Reisschüssel mit dünn geschnittenem Rindfleisch. Das letzte Mal haben wir das 2017 auf unserer Reise nach Japan gegessen.

Am Abend gehe ich noch zum Yoga. Besonders spannend ist, dass der Lehrer ein indischer Yogini ist. Die Stunde fühlt sich völlig anders an als die eher stylischen Yoga-Sessions, die ich in Brisbane oder auf Bali erlebt habe und ein bisschen erinnert mich das an meine Zeit in Indien vor zehn Jahren.

Am nächsten Tag beginnen wir unsere Stadterkundung in Little India. Die bunten Häuser, Tempel und vielen Menschen lassen uns wirklich fühlen als seien wir in Indien. Besonders beeindruckend ist der Sri Veeramakaliamman Tempel, einer der ältesten hinduistischen Tempel der Stadt. Er ist der Göttin Kali gewidmet, die im Hinduismus als Beschützerin gilt. Der bunte Tempelturm ist mit unzähligen Figuren geschmückt, und im Inneren liegt der Duft von Räucherstäbchen in der Luft. Dort treffe ich ein Paar aus Indonesien mit einem Rucksack von den Minions. Ich bin hin und weg und darf den Rucksack für ein Foto mal aufsetzen.

Wir fahren weiter nach Chinatown und besuchen den Buddha Tooth Relic Temple, ein eindrucksvoller Tempel im traditionellen chinesischen Stil. Der Name geht auf eine Reliquie zurück, die angeblich ein Zahn Buddhas sein soll. Die Opfergaben für den Tempel können hier ganz modern digital über einen Automaten gekauft werden. Die Straßen rund um den Tempel sind voller Restaurants und kleiner Geschäfte.

Natürlich fahren wir auch zu den Gardens by the Bay. Im Cloud Forest ist zwischen den tropischen Pflanzen eine Jurassic-World-Ausstellung mit lebensgroßen Dinosauriern, die verdammt echt ausschauen. Am Eingang ragen Dinos auf und dazu die berühmte Filmmusik. Kurz glauben wir (oder ich zumindest), dass gleich einer der Dinos an uns vorbeiläuft. Im Flower Dome ist es ruhiger und wir können blumentechnisch durch die ganze Welt spazieren. Einige beeindruckende Pflanzen sind mit dabei. Die berühmten riesigen künstlichen Bäume der Gardens by the Bay spenden tagsüber Schatten und abends, als es dunkel wird, beginnt die Lichtershow der Supertrees. Die riesigen Konstruktionen leuchten in wechselnden Farben, während Musik über den Park klingt und ist ein toller Ausklang vom Tag. Im Hintergrund leuchtet das berühmte Marina Bay Sands, das Hotel mit der schiffsförmigen Plattform auf dem Dach.

Der zweite Tag beginnt überraschend nostalgisch. Wir besuchen die Friends Experience, eine Ausstellung rund um die Serie „Friends“. Zwischen den bekannten Kulissen fühlt es sich fast so an, als würden wir selbst durch die Serie laufen. Wir sind jedenfalls super glücklich und haben viel Spaß den Requisiten so nahe zu kommen und ganz viele Fotos machen zu können.

Danach wechseln wir von Popkultur zu Kunst und besuchen die National Gallery Singapore. Das Museum befindet sich in zwei ehemaligen Kolonialgebäuden, dem alten Supreme Court und dem ehemaligen Rathaus, und ist sehr nett anzusehen. Zum Internationalen Frauentag gibt es hier eine Sonderausstellung über Künstlerinnen und weibliche Perspektiven in der Kunst.

Auf dem Weg dorthin sehen wir eine Gruppe Frauen, die auf der Straße zusammensitzen und gemeinsam essen. Ich habe die Frauen angesprochen warum sie dort sitzen und sie meinten, weil es ein Feiertag sei. Wahrscheinlich anläßlich des Frauentages.

Danach fahren wir ins Viertel Tiong Bahru. Es gehört zu den ältesten Wohnvierteln der Stadt und zeigt ein interessantes Konzept der Stadtplanung. Viele Gebäude wurden im Rahmen des HDB-Programms gebaut – staatlich geförderte Wohnungen, die dennoch architektonisch hochwertig gestaltet sind.

Das Ziel der Regierung ist es, möglichst vielen Menschen den Kauf einer Wohnung zu ermöglichen. Deshalb lebt ein Großteil der Bevölkerung in solchen staatlich geförderten Wohnungen, die übrigens nur vom Staat geliehen sind - für 99 Jahre.

Zum Mittagessen geht es in ein Hawker Centre. Diese offenen Foodmärkte sind ein zentraler Bestandteil der Esskultur in Singapur. Viele kleine Stände bieten Gerichte aus unterschiedlichen Küchen wie chinesisch, indisch oder malaiisch an. Wir gönnen uns ein Gericht mit Ente und es ist frisch, unglaublich lecker und gleichzeitig erstaunlich günstig.

Anschließend fahren wir nach Tanjong Pagar und nehmen den Aufzug hinauf in die 50. Etage eines Hochhauses. Von hier oben reicht der Blick bei klarem Wetter sogar bis nach Malaysia. Einige der Türme sind durch eine Brücke miteinander verbunden, sodass man dort oben sogar einen kleinen Spaziergang machen kann.

Unten angekommen laufen wir durch das Viertel, das stark von japanischen Restaurants geprägt ist. Es ist spannend zu sehen, wie die einzelnen Kulturen hier in einem Schmelztiegel zusammen leben und wir uns durch die asiatische Küche essen können.

Zurück in Little India erleben wir noch einmal eine ganz andere Atmosphäre. Direkt neben einer Moschee sitzen hunderte muslimische Männer im Park und warten auf den Moment des Fastenbrechens im Ramadan.

Nach unserem indischen Abendessen bahnen wir uns noch einen Weg durch die Massen an Menschen, die nun nach dem Fastenbrechen hier auf den Straßen unterwegs sind. Auffällig ist, dass hier fast ausschließlich Männer zu sehen sind. Viele kaufen Essen an kleinen Ständen oder essen direkt vor Ort. Zwischen all den Menschen bin ich zeitweise tatsächlich die einzige Frau.

Unser letzter Tag führt uns auf die Insel Sentosa, die als Freizeit- und Erholungsinsel Singapurs gilt. Hier besuchen wir das Oceanium, eines der größten Aquarien der Welt. In riesigen Becken schwimmen Haie, Rochen und unzählige tropische Fische. Besonders beeindruckend ist das große Panoramafenster, vor dem man minutenlang sitzen kann, während sich die Unterwasserwelt langsam vorbeibewegt.

Anschließend spazieren wir über die Insel und am Strand entlang. Sentosa ist ein wenig wie ein kleines Urlaubsparadies mitten in der Großstadt an. Leider haben wir kein Badezeug dabei, sonst wären wir noch ins Wasser gesprungen. Zum Mittagessen und Abendessen landen wir natürlich wieder in einem Hawker Centre. Dabei essen wir u.a. Fried Kway Teow, welches ursprünglich aus China kommt und inzwischen von Singapur adaptiert wurde. Am Abend mit Blick auf die Skyline der Stadt genießen wir noch einen berühmten Singapore Sling, ein Cocktail der in den 1920er erfunden wurde.

An unserem letzten Tag in Singapur laufen wir zum historischen Viertel Kampong Glam, in dem die renovierte Moschee mit goldenen Dach den Mittelpunkt darstellt. Da auch hier Ramadan gefeiert wird, ist es derzeit tagsüber ruhiger, da viele Essensstände geschlossen haben. Wer abends den Troubel mag, ist hier dann auf jeden Fall an der richtigen Adresse.

Singapur hat uns sehr überrascht, denn die Stadt gilt eher als Hub für Reisende, die einen kurzen Stoppover hier machen. Auch wir haben mit einigen Touristen gesprochen, die lediglich zwei Nächte verbringen. Da wir uns die Zeit nehmen können, sind wir über unsere Tage in dieser vielfältigen Stadt froh. Die unterschiedlichen Kulturen spiegeln sich überall wider. So hat die Stadt vier offizielle Amtssprachen und wer mag, kann sich durch die asiatsiche Küche essen. Man kann durch die Hawker-Märkte sein Budget schonen und wer weniger aufs Geld schaut, kann in tollen Restaurants und Cafés sein Geld lassen. Diese Mischung macht Spaß und lässt die Zeit nur so fliegen.