Sinharaja Regenwald, Mirissa und Colombo
Monique
7/19/2026


Der Ruf der Pfaue schallt über das Feld direkt vor uns. Schon nach wenigen Minuten wissen wir: Unsere Unterkunft hat den wohl schönsten Balkon des gesamten Tals. Stundenlang könnten wir hier sitzen, den Vögeln und Insekten lauschen und einfach den Blick über das satte Grün schweifen lassen.
Doch auch diese Unterkunft zeigt uns, dass meist nicht alles perfekt ist. Unser Gastgeber ist zwar freundlich, kommt aber längst nicht an die Herzlichkeit heran, die wir in den vergangenen Wochen überall erlebt haben. Er bleibt eher wortkarg und wirkt in manchen Situationen etwas überfordert.
Das zeigt sich auch, als sich am Abend eine Ameisenstraße direkt über Stephan im Bett ausbreitet, während ich auf einer Nachtspaziergang unterwegs bin.
Zusätzlich befindet sich direkt gegenüber eine Unterkunft, die am Wochenende überwiegend von Einheimischen besucht wird. Viele Hotels mit internationalen Gästen nehmen bewusst keine Buchungen von Einheimischen an. Uns wurde erklärt, dass manche Gruppen sehr viel Alkohol trinken, laut Musik hören und sich nicht an die Hausregeln halten. Zum Glück bin ich während des lautesten Trubels auf meiner Wanderung unterwegs. Trotzdem ist es irgendwie absurd: Wir fahren mitten in den Regenwald, um Ruhe zu finden, und werden stattdessen beschallt. Immerhin kehrt pünktlich um 22 Uhr Ruhe ein.
Mit Stirnlampen machen der Guide und ich uns auf den Weg entlang des Dorfes und am Rand des UNESCO-geschützten Sinharaja-Regenwaldes, der nach 18 Uhr nicht mehr betreten werden darf. Zwischen Teeplantagen, kleinen Flüssen und einfachen Häusern entdecken wir viele kleine Tiere. Viele Dorfbewohner stehen nur mit Sarong bekleidet vor ihren Häusern und beobachten und neugierig, die mitten in der Dunkelheit durch ihr Dorf laufen.
Dabei entdecken wir Skorpione, riesige Spinnen, Schlangen, Eulen, große Motten und Schnecken, die fast handtellergroß sind. Eine davon übersehe ich leider und trete versehentlich darauf. Das laute Knacken des Schneckenhauses lässt mich sofort zusammenzucken.
Nur die beiden Tiere, auf die ich heimlich gehofft hatte, die seltene Fischkatze und ein Schlanklori, lassen sich leider nicht blicken.
Am nächsten Morgen geht es für sechs Stunden mitten hinein in den Regenwald. Die Luftfeuchtigkeit ist unglaublich hoch und schon nach wenigen Minuten läuft uns der Schweiß in Strömen herunter. Unser Guide zeigt uns Affen, eine Viper, Kobras, Nashornkäfer und zahlreiche bunte Vögel.
Zwischendurch erreichen wir einen natürlichen Pool mitten im Wald. Genau in diesem Moment beginnt es zu regnen. Im Regen mitten im Regenwald zu baden ist ein toller unwirklicher Moment.
Weniger schön wird es beim Umziehen. Plötzlich entdecke ich mehrere Blutegel an meinen Füßen. Einer hat sich besonders hartnäckig an meinem großen Zeh festgebissen. Stephan muss ihn kraftvoll entfernen und den Biss sehe ich noch Tage später. Nach der Wanderung finde ich sogar noch einen kleinen Blutegel in meiner Socke. Der hat den Rückweg im Schuh allerdings nicht überlebt, hinterlässt dafür aber eine kleine Blutspur.






















Danach verlassen wir das Hochland und fahren in den Süden Sri Lankas. Hier beginnt inzwischen die Nebensaison. Das Meer ist deutlich rauer geworden, weshalb Tauchen kaum noch möglich ist. Auch die Wale sind inzwischen weiter an die Ostküste rund um Nilaveli gezogen, genau dort, wo wir einige Wochen zuvor unterwegs waren.
Für die letzten Strandtage haben wir uns ein kleines Boutiquehotel ausgesucht. Schon beim Ankommen stellt sich sofort Urlaubsgefühl ein. Vom Pool blicken wir direkt aufs Meer, erfrischende Mocktails stehen auf dem Tisch und mit einem guten Buch in der Hand vergeht der Nachmittag wie im Flug.
Am Morgen werde ich von trompetenartigen Vogelrufen, zwitschernden Vögeln und kleinen Insekten begrüßt, die neugierig an meiner Yogamatte vorbeihuschen. So startet der Tag mit einer entspannten Yogaeinheit, bevor ich mich zu Stephan in den Pool geselle, der bereits seine Bahnen zieht.
Von hier aus unternehmen wir einen Ausflug nach Galle. Einfach an den Straßenrand stellen, den nächsten Bus heranwinken, das Ziel nennen und einsteigen.
Für gerade einmal 1,04 Euro fahren wir eine mit dem Bus nach Galle. Unterwegs steigen viele Schülerinnen und Schüler ein. Ein kleiner Junge setzt sich neben Stephan und verfolgt fasziniert dessen Handyspiel. Kurz darauf informiert er seinen Freund vor ihm, der sich ebenfalls zwischen den Sitzen hindurchlehnt und begeistert zuschaut.
Das historische Galle Fort gehört seit 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ursprünglich wurde die Festung im 16. Jahrhundert von den Portugiesen errichtet und später von den Niederländern zu ihrer heutigen Form ausgebaut. Hinter den mächtigen Mauern finden sich koloniale Gebäude, kleine Cafés, Boutiquen und gemütliche Gassen.
Wir spazieren über die Festungsmauer und durch die Altstadt. Doch die Hitze ist an diesem Tag so drückend, dass unsere Motivation für eine stundenlange Besichtigung schnell schwindet. Stattdessen hören wir förmlich den Pool unseres Hotels nach uns rufen. Da bleiben wir dann auch den kompletten nächsten Tag. Nur für einen Strandspaziergang und eine ayurvedische Massage, bewegen wir uns mal.
























Mit dem Zug geht es schließlich weiter nach Colombo. Für umgerechnet gerade einmal 2,60 Euro fahren wir in die Hauptstadt. Die Tickets werden erst 25 Minuten vor Abfahrt verkauft und beim Einsteigen ist der Zug bereits gut gefüllt. Gerade noch ergattern wir zwei der letzten freien Plätze im Wagon.
Alle Fenster und Türen bleiben geöffnet, damit wenigstens etwas Luft durch den Waggon zieht. Während der Fahrt ziehen noch einmal viele Bilder unserer vergangenen Wochen an uns vorbei: Wäsche, die auf Zäunen und Hausdächern trocknet, Menschen, die ihren Müll im Garten verbrennen, Tuktuks zwischen Reisfeldern, Kokospalmen und immer wieder der Blick aufs Meer. Je näher wir Colombo kommen, desto voller wird der Zug und desto wärmer wird es im Wagon.
In Colombo begrüßen uns tropische Temperaturen und ein langer Stau auf dem Weg zum Hotel. Irgendwie fällt uns dabei auf, dass wir schon lange nicht mehr im Berufsverkehr festgesteckt haben.
Unser Zimmer liegt im 24. Stock und bietet einen fantastischen Blick über das Meer. Auf dem Dach warten ein Pool und eine Bar. Das Hotel ist ein gelungener Abschluss unserer Zeit in Sri Lanka.
Natürlich erkunden wir auch noch die Stadt. Die rot-weiß gestreifte Jami Ul-Alfar Moschee besser bekannt als Red Mosque, gehört zu den auffälligsten Gebäuden Colombos. Da wir an einem Freitag dort sind, können wir sie wegen des Freitagsgebets nur von außen bestaunen. Das reicht allerdings schon, um von der außergewöhnlichen Architektur beeindruckt zu sein.
Rund um den Pettah Market tauchen wir anschließend ins wuselige Alltagsleben der Hauptstadt ein. Händler rufen ihre Angebote aus, Gewürze, Stoffe und Obst stapeln sich in den kleinen Geschäften und überall herrscht geschäftiges Treiben.
Im ehemaligen Fort-Viertel spazieren wir vorbei am historischen Clock Tower und zahlreichen Gebäuden aus der britischen Kolonialzeit. Das schicke Dutch Hospital lassen wir wegen der hohen Restaurantpreise links liegen und gönnen uns stattdessen lieber Tee und Kuchen.
An der Promenade des Galle Face Green lassen Familien Drachen steigen und Straßenverkäufer bieten Snacks an. Bevor wir zurück ins Hotel gehen, schaut Stephan noch schnell beim Friseur in der One Galle Face Mall vorbei. Weniger erfreulich fällt dagegen unsere Hotelwäsche aus, sie kostet am Ende fast so viel wie zwei komplette Restaurantbesuche.
Den letzten Abend in Sri Lanka verbringen wir genau so, wie wir ihn uns wünschen. Zunächst nutzen wir die Badewanne mit Sonneruntergangsausblci und anschliedend die Bar auf der Dachterrasse unseres Hotels. Wir genießen den Blick über das nächtliche Colombo und lauschen der Live-Musik. Mit jedem Lied wird uns bewusster, dass fünf intensive Wochen auf dieser faszinierenden Insel hinter uns liegen und wir stoßen auf all die Begegnungen und Abenteuer an.
Am nächsten Morgen gibt es zum Frühstück noch einmal Daal Curry, Coconut Roti und dazu Mangosteen, die ich am Vortag auf dem Markt gekauft habe. Zum Abschluss in Colombo machen wir einen Besuch im Gangaramaya Tempels. In der Mittagssonne ist der Steinboden im Tempel aufgeheizt. Barfuß und Stephan in Socken geht es schnell in die schattigen Innenräume. Im Gangaramaya Tempel gibt es unglaublich viel zu entdecken. Zwischen unzähligen Buddha-Statuen, einer weißen Stupa und einem Ableger des heiligen Bodhi-Baums wirkt der Tempel fast wie ein kurioses Sammelsurium. Neben religiösen Gegenständen stehen dort alte Kameras, Uhren, Figuren und viele weitere Spenden, die Gläubige im Laufe der Jahre hinterlassen haben. Ein ungewöhnlicher Mix, der den Tempel einzigartig macht.
Nur wenige Schritte weiter liegt der Seema Malakaya Tempel auf dem Beira Lake. Über einen Steg gelangen wir zu der kleinen Tempelanlage, die vom Wasser umgeben und von zahlreichen Buddha-Statuen eingerahmt wird. Besonders interessant ist der Fasten-Buddha. Seine eingefallenen Wangen und die deutlich sichtbaren Rippen zeigen eindrucksvoll die Zeit der extremen Askese Buddhas vor seiner Erleuchtung.l'

































Nach 35 Tagen verlassen wir Sri Lanka mit vielen schönen Erinnerungen. Kaum ein anderes Land verbindet Palmen, Teeplantagen und Reisfelder auf so engem Raum. Beeindruckt hat uns vor allem die tiefe Verbundenheit der Menschen mit dem Buddhismus. Obwohl viele selbst nicht viel besitzen, spenden sie regelmäßig für Tempel, Klöster oder den Erhalt religiöser Stätten.
Sri Lanka stand vor unserer Reise nicht auf unserer Wunschliste. Nach den Wochen in Japan, Südkorea und Taiwan hatten wir uns einfach einen deutlichen Kulturwechsel gewünscht und genau den haben wir bekommen. Das Land hat uns mit seiner Natur, seinen herzlichen Menschen und den vielen kleinen Begegnungen überrascht. Es ist sicherlich kein Reiseziel, das immer einfach ist. Wer sich darauf einlässt, wird mit Erlebnissen belohnt, die lange in Erinnerung bleiben.
