Sri Lanka - Erste Eindrücke in Wilpattu und Anuradhapura
Stephan
6/19/2026
Sri Lanka, na nu, wolltet ihr nicht nach China?
Mit dieser Frage hatten wir eigentlich gerechnet, aber niemand stellte sie. Denn wir hatten ja reichlich davon gesprochen, wie sehr wir uns auf China freuen und dass es eines der Highlights unserer Reise werden würde. Insbesondere die Großstädte Shenzhen und Chongqing sowie einige besondere Naturlandschaften wollten wir besuchen. Also warum haben wir uns anders entschieden?
Die Entscheidung trafen wir sehr schnell und ziemlich spontan. Monique erwähnte schon in Südkorea, mit dem sie lange nicht warm wurde, dass es doch irgendwie viel Asien sei und sie China gegenüber zwiespältig eingestellt sei. Mit dieser eher beiläufigen Aussage sprach sie aus, was auch mir schon durch den Kopf gegangen war. Nach einem kurzen Gespräch war für uns klar, dass wir uns einen kulturellen Wechsel wünschen. Japan und Südkorea waren sich doch schon sehr ähnlich, und Taiwan lag ja noch vor uns. In Taiwan erlebten wir, dass es China kulturell wiederum so nahesteht, dass wir uns in unserer Entscheidung, nicht nach China zu reisen, bestätigt fühlten. Wir sind uns außerdem sicher, dass wir ohnehin irgendwann nach China reisen werden.
Wir überprüften kurz, welche Optionen sich hinsichtlich Lage und Flugroute anbieten und zugleich unser Interesse wecken. Die Wahl fiel schließlich auf Sri Lanka, das wir bis dahin wirklich überhaupt nicht auf dem Schirm hatten. Sri Lanka bietet mit einer anderen Kultur, einer anderer Kulinarik, Palmen, malerischen Stränden, Teehochland und vielen Nationalparks eine große Bandbreite attraktiver Eindrücke und Erlebnisse. Mit der getroffenen Entscheidung folgte Monique ihrer etablierten Routine und nutzte Social Media, um sich zumindest grob über die Gegebenheiten vor Ort und mögliche Reiserouten zu informieren.
Die Flüge nach Colombo verliefen unspektakulär, und dennoch war es anstrengend. Man kann noch so viel und so lange reisen – an manche Dinge gewöhnt man sich einfach nicht richtig. Nach der Ankunft am Flughafen ging es kurz zum Geldautomaten und zum Kauf von SIM-Karten, anschließend weiter zur Unterkunft in Negombo. Wieder nutzten wir eine neue Taxi-App. Im ganzen Land können wir uns mit „PickMe“ Tuk-Tuks und Taxis bestellen.
Der erste Tag in Sri Lanka und einzige in Negombo verläuft unspektakulär. Wir haben eine Unterkunft mit Pool und wollen nur relaxen und die nächste Station planen. Durch den Austausch mit Locals und einer sehr erfahrenen Sri Lanka-Reisenden in unserem Hotel, entscheiden wir uns als nächstes Ziel für den Wilpattu Nationalpark.


















Die Ankunft an unserem Resort ist etwas ernüchternd, da der Besitzer gerade ein weiteres Gästehaus baut und wir entsprechend von Baulärm begrüßt werden. Wir sprechen das an, bekommen dann ein anderes Zimmer und zum Schluss einen kleinen Rabatt.
Die Safari startet nach einen unruhigen, von tiefen Bässen begleiteten Nacht früh am nächsten Morgen. Später erfahren wir, dass in der Nähe ein traditionelles Theaterstück über Stunden mitten in der Nacht aufgeführt wird?! So richtig verstanden haben wir das aber nicht. Egal, die Vorfreude auf die Safari kann uns das nicht nehmen.
Der Wilpattu Nationalpark ist der größte und älteste Nationalpark in Sri Lanka und besonders bekannt für seine Leoparden. Viele kommen nur dafür hier her. Die Tiere bewegen sich frei im Nationalpark und auch aus diesem heraus oder hinein. Während wir hier noch über die Pfauen, Affen oder Axishirsche staunen, werden wir schon wenig später feststellen, dass sie einem überall im Land begegnen. Auch die wilden Elefanten, die wir im Park fasziniert beobachten, sind in Sri Lanka weit verbreitet und nicht so harmlos wie sie wirken.
Unser Guide, der uns in den nächsten Tagen fahren und führen wird, erzählt, dass pro Jahr mehr als 600 Menschen von Elefanten getötet werden. Diese dringen auch in Dörfer und Gebäude ein, wenn sie auf Futtersuche sind. Mehr als 1000 Menschen, meist Farmer, sterben jährlich durch Schlangenbisse, weil sie im Feld keine Schuhe tragen. Für uns faszinierende und exotische Geschöpfe, sind die Tiere hier tägliche Herausforderungen für die Einwohner. Erst am Tag zuvor hätten Affen sein Auto ramponiert, erzählt er uns. Er zeigt uns den abgebrochenen Spiegel und das kaputte Rücklicht. Er lacht und scheint sich nicht groß darüber zu ärgern. Im Verhältnis zu den Schäden, die durch Elefanten verursacht werden, ist es wohl kein große Sache. Diese können die Wände der Häuser einreißen, wenn sie dahinter Nahrung vermuten. Es werden zwar Zäune gebaut, doch die Elefanten holen sich einfach Baumstämme aus dem Wald und zerstören diese damit. Clevere Kerle.
Nach dem Wilpattu Nationalpark geht's weiter nach Anuradhapura. Unser Fahrer fährt barfuß, die Motoröllampe leuchtet und der Geschwindigkeitsmesser funktioniert nicht. Auch mein Gurt ist unbrauchbar. Egal, es ist immer noch besser als ein Tuktuk.
Anuradhapura ist die ehemalige Königsstadt, eine der ältesten, kontinuierlich bewohnten Städte der Welt und noch heute religiöses Zentrum Sri Lankas. Hier findet man einige der höchsten antiken Bauwerke der Welt und den berühmen "Sri Maha Bodhi", den heiligsten Baum Sri Lankas. Dieser ist tatsächlich ein Ableger des Baums, unter dem Buddha einst Erleuchtung fand. Die riesigen, weißen Stupas sind beeindruckend und die vielen Pilger in ihrer weißen Kleidung verleihen dem Ort eine besondere Atmosphäre. Wir erkunden gemeinsam mit unserem Guide die verschiedenen heiligen Orte des geschichtlichen Zentrums von Anuradhapura. Unser Guide (der Name leider ziemlich unaussprechbar und daher vergessen), erzählt uns viel über den Buddhismus und seine Kräfte. Er selbst habe 3 1/2 Jahre im Dschungel gelebt, meditiert und die traditionelle Kampfkunst "Angampora" erlernt. Er erklärt uns wie man durch Meditation eine so hohe Konzentrationsfähigkeit erlangen kann, dass man natürliche Grenzen überschreitet und fantastische Kräfte entfaltet. So könne man die Alterung stoppen oder auch fliegen lernen. Fliegende Mönche haben wir leider nicht gesehen, aber die jahrtausende alten Bauwerke sind auch beeindruckend.








In unserem Resort am Wilpattu-Nationalpark trafen wir ein nettes belgisches Paar, mit dem wir uns auf Anhieb gut verstanden. Kein Wunder, denn die beiden stehen am Anfang einer 14-monatigen Reise. Schnell beschlossen wir, uns in dieselbe Unterkunft in Anuradhapura einzubuchen, wo wir sie tatsächlich wieder antrafen.
Es ist immer schön, sich mit anderen Langzeitreisenden auszutauschen. Vieles ähnelt sich doch, und gerade über die Herausforderungen des Reisens als Paar können wir uns bestens mit dem Paar aus Brüssel unterhalten. Für uns ist es gleichzeitig ein Blick zurück an den Anfang unserer eigenen Reise. Dabei wird uns bewusst, wie viel wir in den vergangenen zehn Monaten gelernt haben und wie sehr wir uns als Reisende und Paar weiterentwickelt haben. Der gemeinsame Abend in unserer bescheidenen Unterkunft mit der etwas überfürsorglichen Gastgeberin bleibt uns jedenfalls in guter Erinnerung.
Am nächsten Tag verbringen wir den Vormittag entspannt mit einem Kaffee am See, bevor wir am Nachmittag erneut mit unserem Guide aufbrechen. Wir besuchen die Ruinen des malerisch gelegenen Mönchsklosters Vessagiriya Rock und beobachten anschließend den Sonnenuntergang vom Udamaluwa-Tempel in Mihintale.
Die Fahrt nach Trincomalee am darauffolgenden Tag beinhaltet einen Stopp bei heißen Quellen, die sich letztlich als heiße Wasserbrunnen entpuppen. Immerhin können wir dort Saft von einer Palme probieren, der überraschend lecker schmeckt. Bevor wir unser Hotel erreichen, besuchen wir noch ein Museum und ein altes Fort in Trincomalee. Beides ist den Besuch kaum wert und verdeutlicht gleichzeitig die große Armut des Landes.
Das historische Museumsgebäude wurde erst vor rund 15 Jahren aufwendig restauriert und wirkt bereits wieder stark sanierungsbedürftig. Für die notwendige Instandhaltung fehlt schlicht das Geld. Kein Wunder, schließlich steckt dem Land die schwere Staatskrise der Jahre 2022 und 2023 noch immer in den Knochen. Auch der aktuelle Konflikt im Nahen Osten belastet den Tourismus, da viele Reisende ausbleiben. Das tut uns besonders für die Menschen leid, die uns überall mit großer Freundlichkeit begegnen und sich außergewöhnlich um ihre Gäste bemühen.
Sri Lanka ist wieder ganz anders als die Länder, die wir zuvor bereist haben, und wir brauchen einige Tage, um uns darauf einzustellen. Der Einstieg gelingt jedoch gut und wir fühlen uns wohl. Nach den intensiven Tagen voller Kultur, Geschichte und langer Fahrten freuen wir uns nun auf einige entspannte Tage am Meer.












































