Sucre, die weiße Hauptstadt

Monique

10/12/2025

Unsere Entdeckungstour durch Sucre beginnt mit einer Free Walking Tour, die uns direkt an den Platz führt, an dem Sucre gegründet wurde. Von dort geht es weiter durch das sogenannte Katzenviertel, über die Plaza Mayor bis hin zum Mercado Central. Der Markt bietet wie immer alles. Von Obst, Gemüse, Brot, Blumen, Butter und Fleisch. Praktischerweise liegt der Markt direkt gegenüber unserer Wohnung und ich kann frisch und günstig einkaufen.

Sucre macht seinem Beinamen „Weiße Stadt“ alle Ehre. Nahezu jedes Haus strahlt in hellem Weiß. Früher wurden die Gebäude aus Lehm gebaut, und um sie dauerhaft zu festigen, hat man sie mit Kalk überstrichen. Diese Tradition prägt bis heute die Stadt. Kein Wunder, dass Sucre zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

An einem Nachmittag schlendern wir durch die Stadt, vorbei am Plaza Bolívar, wo Miniaturversionen des Eiffelturms, eines Triumphbogens und eines Obelisken stehen, ganz so wie in Paris. Anschließend führt uns unser Weg zum Friedhof von Sucre, einem Ort, der anders ist, als wir ihn aus Deutschland kennen.

Statt Grabsteinen findet man hier ganze Mausoleen und Glasnischen, in denen die Verstorbenen beigesetzt sind. Die Angehörigen gestalten die kleinen Kammern mit Fotos, Blumen, Kerzen, Getränken oder kleinen Erinnerungsstücken. Viele Familien kommen regelmäßig hierher, setzen sich auf die Bänke davor und unterhalten sich mit ihren Verstorbenen, als wären sie noch ein Teil des Alltags.

Diese enge Verbindung zum Tod hat in Bolivien eine tiefe kulturelle Bedeutung. Viele Menschen glauben an ein Leben nach dem Tod, an eine spirituelle Weiterexistenz der Seele, die über die Familie wacht. Das macht den Friedhof zu einem Ort der Nähe und der Erinnerung.I

Danach erledigen wir noch Organisatorisches: Bustickets nach Uyuni kaufen, Geld abheben (diesmal über mich, was mit meinem Namen deutlich einfacher war). Die Angestellte wollte nur wissen, was ich beruflich mache. Da musste ich angesichts meiner Situation ein wenig flunkern.

Am Abend gönnen wir uns etwas Besonderes: ein sieben Gänge Menü, das nicht nur hervorragend schmeckt, sondern dank des aktuellen Umrechnungskurses auch erstaunlich günstig ist. Ein kleiner Luxusmoment, den wir in vollen Zügen genießen.

Am nächsten Tag steht ein Ausflug in den Dinosaurierpark auf dem Programm. Schon die Lage ist kurios, denn der Park befindet sich direkt neben einer großen Zementfabrik, deren graue Silos im Hintergrund aufragen. Die Dinosaurierspuren, welche 68 Millionen Jahre alt sind, verlaufen hier senkrecht an einer Felswand! Der Grund ist geologisch sehr spannend. Denn nachdem die Dinos ihre Spuren im Schlamm hinterlassen hatten, verschoben sich die tektonischen Platten und richteten die Gesteinsschichten auf. Zudem gibt es noch einige ganz nett anzusehen Dinosaurierfiguren in realer Größe.

Später geht es mit dem Nachtbus nach Uyuni. Vorher essen wir noch, wie viele Bolivanier, auf dem Mercado Central ein Sandwich und trinken heiße Schokolade dazu. Leider erwischen wir für den Nachtbus nur einen Semi-Cama-Bus mit 150°-Sitzen – und minimaler Beinfreiheit. Viel Schlaf war damit nicht drin, maximal zwei Stunden.