Torotoro, eso es un número
Monique
10/7/2025


Die Anreise von Cochabamba nach Torotoro war schon ein Erlebnis für sich.
Es gibt keinen Fahrplan, d.h. das Collectivo fährt erst los, wenn alle Plätze verkauft worden sind. Wir mussten nicht lang warten und schon wurden Waren und unsere Rucksäcke aufs Dach geschnallt. Doch bevor es so richtig losging, mussten wir erst einmal tanken. Und als wäre das nicht genug Verzögerung für den Start, gab es unterwegs noch einen kleinen Unfall. Ein anderes Auto fuhr hinten auf unser Collectivo. Da wir in der vorletzten Reihe saßen, war der Knall echt laut.
Zum Glück nichts Schlimmes, die Beifahrerin des anderen Wagens stieg kurzerhand einfach bei uns ein, damit sie gemeinsam mit unserem Fahrer einen ruhigen Platz am Straßenrand finden konnte. Zu dritt verschwanden alle für eine Weile unter der Motorhaube, um sich gegenseitig von der Unversehrtheit ihrer Fahrzeuge zu überzeugen. Dann ging es mit einem Schulterzucken und einem Lächeln weiter, als wäre nichts passiert.
Im Collectivo ging es vorbei an eindrucksvollen Berglandschaften, die uns erneut die Sprache verschlugen. Die Straße gibt es erst seit 5 Jahren. Links und rechts erheben sich Steinwände und an vielen Stellen liegt ganz viel Geröll auf der Straße. An einigen Stellen sehen wir, wie Anwohner:innen der Region die Steine händisch von der Straße entfernen. Teilweise sind ganze Straßenabschnitte gesperrt und es wurde eine Ersatz-Geröllstraße eingerichtet.
In Torotoro angekommen, checkten wir in unser Hostel direkt am Dorfplatz ein. Der Blick auf die skurrilen Dinosaurierfiguren ist echt witzig. Zum Mittag gönnten wir uns ein günstiges, typisch bolivianisches Essen. Reichlich Reis, Kartoffeln und Beilage.
Danach besorgten wir uns die Tickets für den Nationalpark und buchten spontan einen Guide für eineinhalb Tage. Ohne lange zu zögern, starteten wir direkt in unser erstes Abenteuer.
Der Weg führte uns zum Cañón Torotoro, einer der größten Schluchten Boliviens. Am Mirador öffnet sich ein weiter Blick auf die zerklüftete Landschaft, die mit bis zu 300 Metern Tiefe beeindruckt. Weiter ging es zu den Puentes Petreos, natürlichen Steinbrücken, die vom Fluss über Jahrtausende aus dem Fels herausgearbeitet wurden und heute wie mächtige Bögen über der Schlucht stehen. Der Weg direkt durch das Flussbett hat viel Spaß gemacht.
Dann standen wir erstmals vor Dinosaurierspuren. Deutlich ist zu erkennen, wo die Urzeitriesen einst entlanggelaufen sind. Die Abdrücke gehören zu Sauropoden und Theropoden, die vor über 60 Millionen Jahren hier durchzogen. Witzig, wenn man sich vorstellt, dass diese gewaltigen Tiere einst genau diesen Weg nahmen.
Am nächsten Tag begann unser Ausflug mit einem Besuch der Ciudad de Itas. Hier hat die Natur durch Wind und Wasser ein Labyrinth aus Höhlen, Durchgängen und Kathedralen aus Stein geschaffen. Schon auf dem Weg dorthin raubte uns der Blick in den Cañón Garrapatal den Atem: ein tiefer Einschnitt in die Landschaft, in dem sich grüne Vegetation und rötlicher Fels abwechseln. Wir wanderten weiter zu den Laberint Ios Petreos, einem weitläufigen Wirrwarr aus Felsgängen.
Da wir den Flyer vom Nationalpark nicht wirklich gelesen haben, überraschte uns der nächste Halt: die Caverna Umajalanta. Die Höhle ist mit 4.600 Metern Länge und 164 Metern Höhenunterschied die größte und tiefste Boliviens. In ihren Kammern gibt es unterirdische Seen, Tropfsteinformationen und absolute Dunkelheit. Dafür waren Helm und Stirnlampe notwendig. Archäologen gehen davon aus, dass es hier einst einen Sumpf gab, aus dem Dinosaurier vor rund 150 Millionen Jahren tranken.
Torotoro hat uns gezeigt, wie nah sich in Bolivien Vergangenheit und Gegenwart berühren: vom Collectivo-Chaos mit Tanken und Unfall bis zu den uralten Spuren der Dinosaurier und der Höhle. Hier fühlten wir uns für zwei Tage wie Zeitreisende in die Urzeit.
Tag 1 im Torotoro Nationalpark










Tag 2 im Torotoro Nationalpark






