Ubud bis Gili Air: zwischen Yoga, Tempeln und Tauchen
Monique
3/1/2026
Rund um Ubud lässt sich Bali wunderbar zu Fuß entdecken. Eine unserer ersten Erkundungen führt uns auf einen Rice-Terrace-Walk, vorbei an sattgrünen Reisfeldern, kleinen Wegen und Wasserläufen. Mittags kehren wir ein, essen mit Blick ins Grün und merken, wie entschleunigend diese Landschaft wirkt. Ubud zeigt sich hier von seiner ruhigeren Seite, fernab der Hauptstraße, die laut und voll ist.
Zurück im Ort schlendern wir durch eine kleine Einkaufsstraße, besuchen einen Wassertempel in balinesischer Kleidung und gönnen uns Kaffee und Kuchen.
Später sitze ich noch bei einer Meditation mit einem buddhistischen Mönch. Über sechs Buchseiten hinweg werden indische Chants gesungen. Ich war sehr überrascht, wie fordernd das ist, Konzentration und Atem gleichermaßen umzusetzen. Es passt gut, dass wir den Tag anschließend bei einem indischen Essen ausklingen lassen. In einer Region, die vom Hinduismus geprägt ist, fühlt sich diese Küche fast wie eine kulinarische Verlängerung der Spiritualität an.
Ein weiterer Ausflug führt uns zu den Mupu Rice Terraces. Zunächst genießen wir die Aussicht von oben, denn es regnet. Später laufen wir durch matschige Wege direkt durch die Felder. Manche Terrassen sind bereits abgeerntet, andere stehen in sattem Grün.
Anschließend besuchen wir noch zwei Tempel: Pura Gunung Kawi Sebatu wirkt ruhig und eingebettet in die Natur, während Tirta Empul mit seinen heiligen Wasserbecken deutlich lebendiger ist und viel mehr Touristen anzieht.
Während Stephan sich in den Tagen in Ubud beim Friseur und bei Massagen verwöhnen lässt, gehe ich erneut zum Yoga inklusive einer Klangreise. Die kreative Umsetzung mit einem Sänger und mir unbekannten Instrumenten beeindruckt mich sehr. Ubud ist ein Zentrum für Yoga, doch in Gesprächen erfahre (und sehe) ich, dass die Teilnehmenden ausschließlich Touristen sind. Vielleicht liegt es an der besonderen Mischung aus Natur, Tieren und der spirituellen Aura, die Bali umgibt, dass so viele Touristen hier Yoga praktizieren. Mag sein, dass auch das üppige Angebot an Yogastudios zu erhöhter Nachfrage führt.
Auch Massagen gibt es an jeder Straßenecke. Für etwa acht Euro bekommt man eine Stunde Massage, ein Angebot, das auch wiederum nur von Touristen angenommen wird. Die Einheimischen können sich selbst diese - für uns geringen - Preise nicht leisten.
Auf der Fahrt von Ubud nach Padangbai, unserem Hafen für die Weiterreise, kommen wir durch Gegenden, die gar nicht vom Tourismus berührt sind. Keine Yogastudios, keine Massagesalons, kein Matcha Latte, keine Coworking-Cafés. Dabei denken wir wieder an die vielen Digital Nomads, die vor allem im Süden der Insel und in Ubud leben. Wie authentisch ist dieses Leben mit westlichem Luxus eigentlich?


























Die Überfahrt nach Gili Air ist wellig. Starker Wind und Regen lassen das Boot ordentlich schwanken und im Hafenbecken schwimmt viel Müll. Auf Gili Air selbst gibt es keinen motorisierten Verkehr, stattdessen werden wir mit einer Pferdekutsche über die Insel gefahren. Die kurze Strecke zum Norden der Insel ist überraschend teuer. Der erste Eindruck ist dennoch positiv: klein, ruhig, entspannt. Der Vibe der Insel ist sofort spürbar. Was wohl auch daran liegt, dass wir in der Nebensaison hier sind und die Insel eher leer.
Am nächsten Tag beginne ich mit meiner Advanced Open Water Ausbildung. Fünf verschiedene Aufgabenbereiche gilt es zu absolvieren, darunter ein Tauchgang bis 30 Meter Tiefe und Navigation mit dem Kompass am ersten Tag. Begleitet wird alles wieder von einem E-Learning. Gleich zu Beginn starten Yudi und ich mit dem tiefsten Tauchgang. Natürlich nehme ich eine Kamera mit, denn schließlich will ich „advanced“ werden.
Schon das reine Beobachten des Lebens unter Wasser ist überwältigend: Stachelrochen und viele bunte Fische kann ich entdecken. In 29 Metern Tiefe liegt ein Schiffswrack, unser Ziel für heute. Innerlich könnte ich vor Begeisterung jubeln, doch genau das Gegenteil ist gefragt: ruhig bleiben, gleichmäßig atmen, Kontrolle behalten.
Am zweiten Tag lasse ich die Kamera bewusst weg, um mich voll auf die Übungen zu konzentrieren. Rückblickend ärgert es mich ein wenig, denn wir sehen Tintenfische und Oktopusse, die ihre Farbe ändern, riesige Karettschildkröten, bunte Fangschreckenkrebse und ganze Fischschwärme in gelber Farbe. Gleichzeitig ist es schön, sich ganz auf das Erleben einzulassen. Eine der Übungen besteht darin, unter Wasser zu schweben und durch Ringe zu tauchen, ohne sie zu berühren, denn eine perfekte Tarierung ist alles.
Eine weitere Aufgabe: Mein Tauchlehrer „verliert“ absichtlich einen Gegenstand, den ich mithilfe verschiedener Suchmuster finden muss. Jede Übung ist für sich herausfordernd und macht gleichzeitig großen Spaß. Besonders eindrucksvoll ist ein Drift Dive entlang einer Unterwasserwand vor Gili Air. Wir rollen rückwärts vom Boot ins Wasser, tauchen direkt auf 20 Meter ab und lassen uns von der Strömung treiben. Einfach schauen, schweben, genießen. Wobei ein Flossenschlag zuviel mich in der Strömung auch mal schneller werden lässt, als mir lieb ist.
Nach den jeweiligen Tauchtagen verbringen Stephan und ich Zeit gemeinsam auf der Insel. Mit dem Fahrrad umrunden wir Gili Air. Es fährt sich leicht, doch der viele Müll ist nicht zu übersehen. Der Regen der vergangenen Tage hat zusätzlich Abfälle ins Meer gespült. Mein Tauchlehrer erklärt, dass vieles davon von Lombok stammt und durch starke Regenfälle ins Wasser gelangt. Inzwischen wird Müll zumindest in den Schulen thematisiert. Umso ernüchternder ist es, als ich sehe, wie nach einer Zementlieferung die Betonreste einfach ins Meer gekippt werden. Es gilt wohl: "Hauptsache, das Boot ist sauber". Mein Tauchlehrer erzählt mir, dass er immer wieder von Touristen auf diesen schlechten Umgang mit dem Müll angesprochen wird. Er selbst hat bei all unseren Tauchgängen Korallen von Plastikmüll entfernt.
Auch der Klimawandel schlägt bereits voll zu. Seit 15 Jahren verändert sich der Regen und teilweise werden die Gili-Insel abgetragen und verschwinden irgendwann ganz. Mit chinesischer Unterstützung werden gezielt neue Korallenbänke aufgebaut, denn sie binden bis zu 80% Kohlendioxid.
Trotzdem lassen sich die Tage auf Gili Air gut genießen. Leckeres Essen, kleine Läden, entspannte Abende. In der Nebensaison sind die Preise niedrig, und süße Leckereien schmecken irgendwie noch besser. Ein prägendes Bild der Insel sind die vielen Katzen. Überall streuern sie rum und werden von den Einheimischen und Touristen gefüttert. Die meisten tragen ein Halsband und gehören somit zu den Familien
Nach den ersten 3 Tagen ziehen wir um. Auf dem Weg zu unserer neuen Unterkunft laufen wir durch das Dorf und kommen an der Grundschule, der Moschee und einigen Wohnhäusern vorbei. Meist sitzen Frauen mit ihren Kindern davor. Die Mitte der Insel ist weiterhin vom alltäglichen Leben der Insulaner, während es in Strandnähe die Angebote für Touristen gibt. Unsere Bungalowanlage mit Pool ist eine tolle Oase. Wir fühlen uns so wohl, dass wir entscheiden noch 2 weitere Tage auf Gili Air zu verbringen. Der Tag plätschert vor sich hin und als am Nachmittag der Regen einsetzt, setzen wir uns ein ein Bambushaus bei Cappuccino und Matcha Latte. Beim Abendessen spielen wir und hören dem Regen zu.
Am nächsten Morgen erwartet uns wieder Sonnenschein pur und daher geht es für uns zum schnorcheln. Die bunte Unterwasserwelt ist vielfältig und beim Schnorcheln sehe ich dann auch noch eine Kadettschildkröte, die durchs Wasser gleitet.
Unser Zeit auf Gili Air endet mit einem wolkenlosen und sternenklaren Nachmittel und dem Muezzin im Ohr, der zum Ramadan extra motiviert ist.





























