Ushuaia - Am Ende der Welt

Monique

11/3/2025

Bereits die Ankunft in Ushuaia fühlt sich besonders an. Eingebettet zwischen schneebedeckten Bergen, Fjorden und Meer, liegt die südlichste Stadt der Welt wie ein Außenposten am Rand der Welt. Unser kleines B&B ist gemütlich, mit Blick auf die umliegenden Gipfel. Jeden Morgen werden meine Spanischkenntnisse von der Gastgeberin herausgefordert und wir reden über das Wetter und Nachrichten. Draußen liegt das Abenteuer, denn im Hafen liegen Kreuzfahrt- und Expeditionsschiffe. Diese sind bereit für ihre Reise in die Antarktis. Und ganz ehrlich: Am liebsten würden wir einfach mitfahren. Leider würde das aber unser Budget sprengen. Wir nehmen uns fest vor: Eines Tages kommen wir wieder.

Das Gefühl, am Ende der Welt zu sein, ist überwältigend. Hier trifft man Menschen, die Pinguine zählen, Gletscher erforschen oder Postkarten aus der Antarktis verschicken. In unserem B&B wohnt tatsächlich eine Delegation aus Großbritannien vom UK Antarctic Heritage Trust, die für sechs Monate auf eine Forschungsstation in die Antarktis reist. Allein diese Begegnung lässt uns staunen: Wo sonst ist das möglich?

Wir erkunden den Nationalpark Tierra del Fuego, wandern durch die Wälder und am Ufer entlang und genießen das Mittagessen mit Blick auf den türkisblauen Lago Roca. Danach spazieren wir noch am Ufer entlang und werden von Sonne, Wind und Ruhe begleitet. Alles fühlt sich gleichzeitig friedlich und unendlich weit entfernt an.

Ein weiteres Highlight ist die Bootstour über den Beagle-Kanal. Wir fahren zum Leuchtturm Les Eclaireurs. Er soll die letzte Landmarke für Schiffe gewesen sein, die den Beagle-Kanal vor dem Südpol durchfuhren. Schiffe, die den Leuchtturm nicht erreichten, gingen in den antarktischen Gewässern verloren.

Das Schiff fährt vorbei an der Isla H. und dann weiter zur Isla Bridges, an welcher wir auch für einen Spaziergang aussteigen.

Wir sehen unzählige Vögel, darunter viele Kormorane, deren Guano zwar streng riecht, aber die Felsen in weiße Kunstwerke verwandelt. Außerdem sehen wir Seelöwen und sogar Seeelefanten, die beeindruckend groß sind.

Ushuaia liegt in der Mitte des Beagle-Kanals. Auf der einen Seite öffnet sich der Weg zum Pazifik, auf der anderen zum Atlantik. Bis zum Kap Hoorn sind es nur fünf Tage auf dem Meer, bis zur Antarktis etwa zehn. Wenn man dort steht, mit dem Wind im Gesicht, ist es buchstäblich das Ende der Welt.

Doch Ushuaia, inzwischen die teuerste Stadt in Südamerika, selbst zeigt auch seine rauen Seiten. Die Hauptstraße wirkt wenig charmant, einige Gebäude sind leer oder baufällig. Dazwischen blitzen alte, bunte Holzhäuser auf, besonders Richtung Nationalpark oder Waldrand. Ab November füllt sich die Stadt mit mehr Touristen, wenn die Antarktis-Saison beginnt und mehr Schiffe anlegen.

Ein weiteres Erlebnis ist die Bootstour zu den Magellan- und Papua-Pinguinen. Diese kleinen, charmanten Wesen watscheln unbeirrt durch Wind und Wetter, und wir können uns kaum sattsehen. Auch hier leben wieder viele Kormorane zusammen mit den Pinguinen.

Am nächsten Tag schlägt das patagonische Wetter um. Die Temperaturen fallen um zehn Grad, Regen prasselt, und die Sicht verschwindet. Ein perfekter Tag für das Museum über Feuerland, Antarktis und den Falklandkrieg. Drei Stunden tauchen wir in Geschichte, Forschung und Entdeckergeist ein, insbesondere über das Erreichen des Südpols.

Ein weiterer Regentag folgt, was perfekt für Entspannung, Kaffee und ein bisschen Shopping ist. Angeblich soll es sogar am nächsten Tag schneien. In Patagonien ist das Wetter unberechenbar, der Wind unbarmherzig. Eine neue Jeans wird schließlich mein Kompromiss zwischen Praktikabilität und Reisetauglichkeit.

Zum Abschluss mieten wir ein Auto, um die Insel Feuerland auf eigene Faust zu erkunden. Am Mirador Glacier Martial erwartet uns dichter Schneefall. Spontan entscheiden wir uns für eine Wanderung durch den Wald. Alles ist still, nur unsere Schritte knirschen im Schnee. Danach wärmen wir uns in einer kleinen Hütte mit einem „Submarino“ auf – heiße Milch mit einem Stück Schokolade, das langsam hineinschmilzt. Yummy.

Weiter geht’s über verschneite Straßen nach Villa Marina am Lago Khami. Während draußen dichte Schneeflocken fallen, essen wir wärmenden Linseneintopf und träumen und reden von wärmeren Reisezielen. Am Pass Garibaldi ist die Sicht gleich null, nur Schneegestöber. Der Pass liegt auf 425 Metern und hätte einen wunderbaren Blick auf die Berge freigegeben.

Wir starten noch den Wanderweg zur Laguna Esmeralda, kehren aber nach wenigen Metern um. Matsch, Kälte, null Sicht und eine Gruppe Wanderer, deren Hosen bis zu den Knien im Schlamm stecken, überzeugen uns schnell: Das müssen wir uns heute nicht geben.

Ushuaia ist kein Ort, den man wegen seiner Schönheit besucht. Es ist ein Ort, den man fühlt. Das Wetter, der Wind, die Atmosphäre und die Nähe zur Antarktis machen es zu einem einmaligen Erlebnis. Hier, am Ende der Welt, spürt man, wie klein Vieles ist und wie groß die Welt wirklich sein kann.