Von Amed nach Ubud - Unter Wasser und mitten im balinesischen Leben
Monique
2/23/2026


Amed empfängt, zumindest mich, mit Salzwasser auf der Haut und Neopren auf den Schultern. Denn in Amed verbringe ich zwei intensive Tage mit einem Tauchkurs bei meinem Tauchlehrer Gede. Zum Start übe ich im Pool, vier Tauchgänge finden dann im offenen Meer statt.
Tulamben ist ein kleines Fischerdorf, das als eines der besten Tauchgebiete der Welt gilt.
Und tatsächlich bin ich überwältigt als vor meiner Brille die Hauptattraktion, das Wrack der USAT Liberty erscheint.
Das US-Transportschiff wurde 1942 torpediert und liegt hier leicht zugänglich auf Grund. Neben dem Wrack bietet die Gegend exzellente Tauchspots wie den Coral Garden, Pyramids und Drop Off, die ich mit artenreicher Unterwasserwelt genießen konnte.
Mit jedem Tauchgang ist bei mir die Freude gestiegen, in eine andere Welt einzutauchen. Nach der bestandenen Theorieprüfung, alles über ein tolles E-Learning, mache ich noch einen Fun Dive mit Ronald, dem Besitzer des kleinen Resorts. Dank all dem Neuerlernten macht es immer mehr Spaß, sich unter Wasser zu bewegen und den vielen verschiedenen Fischen zuzuschauen. Von Kugelfischen, über Moränen bis zu Clownfischen ist ganz viel dabei. Einmal halten wir so ruhig unsere Balance unter Wasser, dass ein Fisch an meinem Finger knabbern kann.
Von Gede erfahre ich, dass die vielen Frauen, die ich in Tumbalen am Strand sehe, hier ihr Geld verdienen, indem sie die Flaschen und Ausrüstung der Tauchgäste tragen. Im Durchschnitt kommen sie auf etwa 10.000.000 Indonesische Rupiah im Monat, das sind zirka 500 Euro, und verdienen damit mehr als mein Tauchlehrer Gede.
Seit den 1960er-Jahren, als das gesunkene Schiff die ersten Tauchgäste anzog, ist Amed langsam gewachsen und Tourismus stellt eine Lebensgrundlage dar. Damals haben Frauen die Idee und das Geschäft aufgebaut, die Ausrüstung zu tragen und setzen dies über Generationen fort.
Stephan nutzt die Zeit ohne mich ganz entspannt: mal am Pool mit einem Buch, mal im Fitnessstudio oder bei einer Massage. Während ich unter Wasser an bunten Korallen vorbeigleite und Fischschwärme beobachte, genießt er seine ganz eigene kleine Auszeit über Wasser.












Von der Küste zieht es uns weiter ins Hochland nach Kintamani. In der Trockenzeit ist die Region bekannt für spektakuläre Sonnenaufgänge mit Blick auf den Vulkan Mount Batur und den gleichnamigen Kratersee. In der Regenzeit jedoch zeigt sich die Gegend von einer ganz anderen Seite. Wolken hängen dauerhaft tief, der erhoffte Ausblick bleibt verborgen, und die Landwirtschaft rund um den See bringt viele Fliegen mit sich. Unser Hotel liegt zudem direkt an der Straße, ist laut und wenig gemütlich. Wir merken schnell, dass wir hier nicht richtig ankommen, und entscheiden uns spontan, einen Tag früher weiterzuziehen.
Dank des Vulkan Mount Batur gibt es in der Region viele heiße Quellen. Auch wir gehen in die Hot Springs und sind mitten drin im balinesischen Leben. Wir sind die einzigen Touristen und es ist sehr interessant bei 36 Grad Wassertemperatur den anderen zuzuschauen. Da wird im Wasser getrunken, gegessen und sogar geraucht. Trotzdem ist alles sehr sauber und viele bleiben ebenfalls sehr lange im Wasser. Einer sitzt sogar mit einem Bimbsstein im Wasser, zum Glück im anderen Becken, und reinigt komplett Haut und Nägel. Anschließend werden die Duschen nochmals genutzt und sich minutenlang eingeseift und gewaschen.












Ubud empfängt uns mit einem kleinen Kulturschock. Die Hauptstraße ist verstopft von Autos und Motorrollern, Hupen gehören hier zur Geräuschkulisse. Umso größer ist die Erleichterung, als wir in unserer Unterkunft ankommen. Unser Bungalow liegt in einer kleinen Wohnanlage, umgeben von Grün, wie eine Oase mitten im Trubel.
Am ersten Abend gehen wir gemeinsam zum Faszien-Yoga. Für Stephan ist es die erste bewusste Begegnung mit Yoga, für mich inzwischen ein fester Bestandteil der letzten Wochen. Kurz darauf setzt der Regen ein, der uns nun mehrere Tage begleiten wird. Am nächsten Tag schlendern wir durch den Markt von Ubud mit all seinen Souvenirständen, besuchen den Palast und gehen anschließend in den Monkey Forest. Rund 1.100 Makaken leben hier in einem geschützten Waldgebiet mitten in der Stadt. Zwischen Tempelruinen und riesigen Bäumen klettern sie über Geländer, sitzen auf Mauern und beobachten neugierig die Gäste.
Während ich später noch einmal zum Yoga gehe, wird mir bewusst, dass sich mein Körper bereits verändert hat. Die vielen Einheiten der letzten Wochen machen mich geschmeidiger in den Bewegungen.
Beim Abendessen in einem kleinen indischen Restaurant fällt plötzlich der Strom aus. Für knapp 45 Minuten sitzen wir im Dunkel bei Kerzen. Später erfahren wir, dass Reparaturarbeiten der Grund waren.
Je länger wir auf Bali sind, desto deutlicher sehen wir, wie sehr Religion hier den Alltag prägt. Opfergaben gehören zum Stadtbild, stehen vor Haustüren, auf Treppenstufen, am Straßenrand. Fast täglich entdecken wir irgendwo Balinesen, die sich traditionell gewandet für ein religiöses Fest versammeln. Tempel und Schreine sind allgegenwärtig, sie sind fester Teil der Architektur. Viele Figuren sind bunt bemalt und prachtvolle Tore goldverziert. Die Übergänge von öffentlichen Stätten zu Privaträumen sind fließend. Oft wissen wir gar nicht, ob es sich um einen Tempel oder um ein Privathaus handelt, so überschwänglich sind Türen, Mauern und Gärten verziert.
Diese Pracht hat aber auch ihren Preis. Im Durchschnitt fließen rund 35 Prozent des monatlichen Einkommens in den Aufbau und Erhalt religiöser Bauten. Frauen investieren darüberhinaus etwa 40 Prozent ihrer Zeit in religiöse Verpflichtungen, z.B. die Herstellung dieser kunstvollen kleinen Körbchen. Das sind unvorstellbare Zahlen, vor allem, wenn man bedenkt, wie wenig Einkommen einer balinesischen Familie monatlich zur Verfügung steht. Für Balinesen ist es aber auch eine Frage des Stolzes. Man ist sich der isolierten Position im muslimischen Indonesien sehr bewusst. Uns ist der religiöse Eifer ganz recht. Diese Mischung aus Architektur, Spiritualität und Natur macht den Charme von Bali aus.




























