Von den Bergen bis zum Meer: Roadtrip von Christchurch bis Marlborough Sounds
Monique
12/10/2025


Es gibt Momente auf einer langen Reise, da fallen einem die verrücktesten Dinge auf. Während wir in unserem kleinen Campervan durch Neuseeland rollen, wird uns plötzlich klar: Unser weitester Punkt von Köln liegt bereits hinter uns: und zwar in Akaroa, auf der Südinsel von Neuseeland. Ganze 18.700 Kilometer entfernt von Zuhause saßen wir dort am blauen Wasser auf dem Steg, völlig ahnungslos, dass wir gerade den geografischen Höhepunkt unserer Entfernung erreicht hatten. Ein lustiger Gedanke, denn obwohl noch so viel Reise vor uns liegt, sind wir rein geografisch seit diesem Moment auf dem Rückweg.
Der kleine Campervan – ein Toyota Hiace – wird erstmal im Supermarkt eingeweiht: Schränke füllen, Kühlschrank bestücken, Gaskochplatte begutachten, das Campingklo ignorieren. Sitzbänke und Bettkonstruktion wirken noch fremd, aber nach ein paar Handgriffen fühlt sich alles an wie ein gemütliches, mobiles Zuhause auf sieben Quadratmetern.
Im Regen führt der Weg nach Hanmer Springs, wo unter freiem Himmel heiße Pools dampfen und der Regen sanft auf die Wasseroberfläche trommelt. 35 bis 40 Grad warmes Wasser und ein grauer Himmel sind genau die perfekte Kombination. Und zwischen all der Entspannung wird wieder einmal klar, wie frei, unaufgeregt, ohne Eile und weit weg von Verpflichtungen wir sind.
Durch dichten Regen und Wolken geht es weiter zur Marble Hill / Lake Daniels Campsite im Lewis Pass National Reserve. Die Berge hängen schwer in den Wolken. Auf der Campsite suchen wir uns einen Platz, richten alles ein und bauen das Bett auf. Ohne Standheizung schlafen wir mit Jacke, warmen Socken und Mütze, sodass nur die Nasen kalt bleiben.
Der nächste Morgen kommt mit blauem Himmel und Sonne. Vor uns glänzen die grünen Hügel während wir Kaffee kochen und draußen frühstücken. Bei einem anschließenden Spaziergang durch den Wald und am Hope River, tanken wir Energie für den Tag.
Während der Fahrt stoppen wir an den Maruia Falls, essen später auf einer Wiese unter strahlendem Himmel und fahren anschließend durch das liebliche Motueka Valley. Weinberge, Hopfenfelder, Obstplantagen begleiten uns bis nach Mārahau, wo die Berge direkt ins Meer übergehen. Der Campingplatz hat auch eine Community Kitchen, die wir gerne nutzen, denn Kochen ist so viel einfacher außerhalb des Campervans.
Der Abel Tasman Nationalpark empfängt uns am nächsten Morgen mit goldenen Stränden und türkisfarbenem Wasser. Ein Wassertaxi bringt uns zur Onetahuti Bay, wo wir in die Kajaks steigen. Drei Stunden paddeln wir entlang dieser Bilderbuchküste, sehen viele Seelöwen und sogar zwei Little Blue Penguins in den Wellen verschwinden. Beim Lunch am Strand gibt es Sandwiches, Kuche und Sand zwischen den Zehen. Frisch gestärkt machen wir eine zweieinhalbstündige Wanderung durchs dichte Grün bis zu einer Bucht, wo ein Wassertaxi uns zurück bringen wird. Vor der Abfahrt passt sogar ein spontaner Sprung ins Meer.
Später schlafen wir im Wald auf der Brooks Village Campsite bei Nelson und frühstücken dort mit einem neuseeländischen Paar, das mit seinem strengen neuseeländischen Dialekt echt schwer zu verstehen ist. Ein perfekter Start in einen Samstag, an dem wir über den Markt von Nelson schlendern, Julia und Mark von fernwehbilder.de treffen und anschließend den geografischen Mittelpunkt Neuseelands besuchen. Auf dem Weg nach Picton kommen wir durch Havelock. Da Stephan auf dem Beifahrersitz Zeit hat, recherchiert er, ob ein Stopp sich im Ort lohnt. Allerdings! Hier gibt es die die berühmten Grünschalmuscheln, die ihren Ursprung in Neuseeland haben. Wir finden ein süßes Café, die uns Muscheln einmal in Weißweinsoße und einmal in Blausschimmelsoße kochen. Der Stopp hat sich gelohnt. Das Muschelfleisch ist super lecker und auch sehr üppig.
Nach diesem leckeren Zwischenstopp halten wir anschließend noch an einem Aussichtspunkt und genießen den Blick auf Havelock und auf der anderen Seite auf den Pelorus Sound. Die nächste Nacht verbringen wir in der Whatamango Bay mit Blick auf einen fjordähnlichen Meeresarm. Ebbe und Flut malen ständig neue Muster ins Wasser während ich ein Glas Rosé genieße.
Am nächsten Morgen bringt uns die Fähre durch die Marlborough Sounds nach Wellington. Eine Fahrt durch Buchten, grüne Hügelrücken und glitzerndes Wasser. Die Südinsel verabschiedet sich mit einem sonnigen Lächeln von uns.
Und während die Fähre langsam Richtung Nordinsel gleitet, wird uns klar: Diese Etappe unseres Roadtrips war mehr als nur Kilometer, Berge und Campsites. Es war das Gefühl von Freiheit im Regen, Wärme in heißen Quellen, Staunen auf dem Wasser, Zufriedenheit im Morgensonnenschein und wunderbare Ausblicke über Fjorde und Berge.




























