von Jiufen über Taitung nach Lü Dao
Monique
6/2/2026


Von Taipeh aus fahren wir etwa eine Stunde mit dem Bus nach Jiufen im Norden Taiwans. Das ehemalige Bergdorf gehört heute zu den beliebtesten Ausflugszielen des Landes und lockt sowohl Tagesgäste als auch Wandernde an. Kaum angekommen, stürzen wir uns ins Getümmel der engen Gassen. Jiufen verdankt seinen Aufstieg einst dem Goldrausch, heute lebt der Ort von seinen verwinkelten Straßen, traditionellen Teehäusern und unzähligen kleinen Geschäften im nostalgischen; chinesischen Stil.
Schon auf den ersten Metern steigt uns der Geruch von Stinky Tofu in die Nase, einer taiwanischen Spezialität, die für viele gewöhnungsbedürftig ist. Zwischen Souvenirs, Süßigkeiten und allerlei Snacks schieben wir uns durch die Menschenmengen. Dazwischen entdecken wir ein kleines Kino, in dem kostenlos Kurzfilme über das Leben in der Bergregion gezeigt werden. Eine schöne Möglichkeit, mehr über die Geschichte und Menschen des Ortes zu erfahren.
Unsere Unterkunft belohnt uns mit einem wunderbaren Blick über die Bucht. Während draußen die Nachmittagshitze drückt, genießen wir die Klimaanlage und beobachten das Treiben von oben. Als am Abend die Tagestouristen verschwunden sind, zeigt Jiufen sein vielleicht schönstes Gesicht. Überall leuchten rote Laternen, die Gassen werden ruhiger und die Atmosphäre fast magisch.
Passend dazu feiern wir an diesem Tag unseren neunten Hochzeitstag. Auf der Suche nach einem besonderen Restaurant werden wir zwar nicht ganz fündig und landen schließlich bei einer taiwanischen Beef Bowl. Doch am Ende spielt das gar keine große Rolle. Bei einem Cocktail und einem Spaziergang durch die romantisch beleuchteten Gassen werden wir ein wenig sentimental. Wir denken an die vergangenen Monate zurück, an all die Erlebnisse und daran, wie viele Herausforderungen wir gemeinsam gemeistert haben.
Wenn wir schon in den Bergen sind, darf natürlich auch eine Wanderung nicht fehlen. Bei 37 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit packen wir reichlich Wasser ein. Bereits nach wenigen Minuten läuft uns der Schweiß in Strömen herunter. Stephan ist überzeugt, noch nie in seinem Leben so geschwitzt zu haben. Nach etwa einer Stunde erreichen wir den Tea Pot Mountain. Unter einer Pagode genießen wir die Aussicht und vor allem den Schatten. Lange bleiben wir nicht allein. Ein Paar aus Singapur gesellt sich zu uns, und aus einer kurzen Pause wird ein fast einstündiges Gespräch. Während die beiden anschließend weiterziehen, entscheiden wir uns aufgrund der Hitze für den Rückweg.
Am Abend genießen wir in einem chinesischen Restaurant unser geliebtes Hähnchen Gong Bao mit Aubergine. Seit unserem Kennenlernen in China im Jahr 2013 gehört diese Kombination zu unseren Favoriten. Umso schöner, dass sie hier in Taiwan genauso schmeckt wie damals.



























Am nächsten Morgen ziehen Gewitterwolken auf und entladen sich direkt über den Bergen. Trotz Regen geht es für uns weiter. Mit dem Zug fahren wir entlang der spektakulären Ostküste nach Taitung. Immer wieder blicken wir auf grüne Berghänge und breite Flussbetten, die meist trocken daliegen. In der Taifunsaison transportieren sie jedoch gewaltige Wassermassen aus den Bergen Richtung Meer.
Taitung dient uns lediglich als Zwischenstopp für eine Nacht. Wir spazieren durch die Innenstadt, stellen fest, dass im Kino leider kein Film mit englischen Untertiteln läuft, und ziehen stattdessen weiter zum Nachtmarkt. Dort werden Entenfüße, Entenköpfe und riesige Melonen angeboten, was uns an unsere Zeit in China erinnert. Beim Ringewerfen um Getränke versuchen wir unser Glück, gehen am Ende aber mit leeren Händen nach Hause.










Nach einem gemütlichen Frühstück bringt uns die Fähre nach Lüdao, besser bekannt als Green Island. Die Überfahrt hat es in sich. Hohe Wellen sorgen dafür, dass zahlreiche Passagiere seekrank werden. Kinder weinen, Tüten rascheln und wir sind froh, als die Insel endlich auftaucht. Die Ausläufer eines Taifuns beeinflussen bereits den Fährverkehr, der in den nächsten Tagen sogar zeitweise komplett eingestellt wird.
Green Island empfängt uns dafür mit beeindruckender Natur. Im White Terror Memorial Park erfahren wir mehr über die politische Geschichte Taiwans. Während der Zeit des sogenannten Weißen Terrors wurden hier politische Gefangene interniert. Ein bewegender Ort, der einen ganz anderen Blick auf das Land ermöglicht.
Zum Sonnenuntergang sitzen wir am Strand und anschließend zum Abendessen in einer Strandbar und genießen die entspannte Atmosphäre. Am nächsten Tag erkunden wir mit unserem Roller die Insel. Wir besuchen die kleine Guanyin-Höhle und probieren uns an einer traditionellen Wahrsagung. Dazu zieht man einen nummerierten Holzstab und entnimmt anschließend die passende Weissagung aus einem Fach.
Vor allem die Küstenstraße begeistert uns. Schroffe Klippen fallen ins Meer ab, gewaltige Wellen brechen an den Felsen und hinter jeder Kurve wartet ein neuer Ausblick. Auf dem Across Mountain Ancient Trail wird es noch einmal schweißtreibend. Dafür begegnen uns riesige Schmetterlinge, Echsen und Spinnen, die ihre beeindruckenden Netze zwischen den Bäumen gespannt haben.
Ein besonderes Highlight sind zwei Tauchgänge für mich. Bei angenehmen 29 Grad Wassertemperatur verbringe ich jeweils rund 45 Minuten unter Wasser. Gemeinsam mit einer Gruppe aus Seoul freue wir ich mich über das deutlich wärmere Wasser im Vergleich zu Südkorea. Die Unterwasserwelt erinnert mich stark an Indonesien. Zwischen bunten Korallen schwimmen Clownfische, Doktorfische und zahlreiche andere tropische Arten. Besonders spannend ist ein ehemaliger Hafenbereich, dessen Überreste inzwischen von Korallen überwachsen sind. Sogar ein Unterwasserpostamt in Form eines Seepferdchens gibt es hier.
Nach dem Tauchen zieht es uns noch einmal an den Strand. Baden ist allerdings kaum möglich. Die Wellen sind zu stark und die Küste besteht überwiegend aus großen Steinen. Für eine Insel hat Lüdao erstaunlich wenige klassische Sandstrände.
An unserem letzten Vormittag fahren wir noch einmal mit dem Roller los. Mit einem Tee in der Hand setzen wir uns unter eine Pagode am Leuchtturm und schauen aufs Meer hinaus. Ein Moment, in dem wir einfach nur dasitzen und den Augenblick genießt.
Wenig später bringt uns die Fähre zurück nach Taitung. Von dort geht es mit dem Zug weiter nach Kaohsiung. Während die Küste langsam hinter uns verschwindet, bleiben vor allem die grünen Berge und die entspannte Atmosphäre von Green Island in Erinnerung.








































