Wandern im Nationalpark Cotopaxi
Stephan & Monique
8/7/2025
Der Nationalpark Cotopaxi liegt zwei Autostunden südlich von Quito. Der eigentliche Nationalpark ist sehr klein und umfasst kaum mehr als den Vulkan selbst. Das umliegende Land ist in privater Hand und wird landwirtschaftlich bewirtschaftet. Das Hostel liegt außerhalb des Nationalparks ca. 30 Minuten mit dem Auto entfernt. Allerdings sind die Straßen hier extrem schlecht und Autos können nur sehr langsam fahren - oft nicht mehr als Schritttempo.
Das Hostel dient als Ausgangspunkt für Wanderungen in den Nationalpark und zu den umliegenden Vulkanen. Es liegt auf 3500m und man kann von dort zwei Wanderungen direkt starten: Eine kurze Wanderung zu einem kleinen Wasserfall und eine Wanderung zum Gipfel des Pasachoa auf 4200m. Bei der 14km Wanderung sind wir von den 5 Hunden des Hostels begleitet worden, die gerne am Wegesrand Hasen jagen und fressen. Der Wanderweg war eine Mischung aus steilen Anstiegen und geraden Passagen. Die 700HM im Anstieg haben wir in unter 3 Stunden geschafft.
Die wirklich spannenden Wanderungen müssen mit Guides und Genehmigungen extra gebucht werden. Wir haben uns für die Wanderung zum Gletscher des Cotopaxi entschieden und am Abreisetag noch einen Ausritt am Rande des Nationalparks gebucht.
Vom Parkplatz zum Gletscher sind es 500 Höhenmeter (von 4500m > 5000m). Die Höhe ist hier nur eine der Hürden, denn das Wetter war die viel größere Herausforderung. Am Cotopaxi weht immer ein kräftiger Wind. Dass dieser noch dazu mit Temperaturen von ca. -10 Grad sehr kalt ist, macht es erforderlich, sich gut vorzubereiten. Als wir den Hang des Cotopaxi hochstapften hat es dazu noch geregnet. Wir haben also alles angezogen, das wir an warmer, schützender Kleidung dabei hatten: T-shirt, Longsleeve, Fleece, Jacke, Regenjacke und jeweils 2 Hosen übereinander.
Unter so schlechten Bedingungen sind wir beide noch nie wandern gewesen. Sich dem stürmischen Wind, der uns den Regen eisig ins Gesicht wehte, entgegenzustellen, kostete Überwindung und Kraft. Wie waren, als wir vom Parkplatz losliefen, 10 Personen, von denen es nur 7 bis zum Gletscher geschafft haben. Trotz oder wegen der Bedingungen haben wir die 500HM innerhalb von 75 Minuten geschafft.
Auf dem Rückweg vom Gletscher stoppten wir noch kurz beim Basislager auf 4864m, wo wir einen heissen Kakao trinken konnten, der aber kaum aufwärmte. Entsprechend froh waren wir dann, als wir uns auf den Rückweg zum Jeep machten. Der Abstieg war im Vergleich zum Aufstieg ein Kinderspiel und ging geradewegs eine windgeschützte Rinne herab. Als Belohnung für unsere Mühen zeigte der Cotopaxi uns für einen kurzen Augenblick seinen Gipfel. Im Nachhinein erfuhren wir, dass die Gipfelbesteigung an diesem Tag aufgrund der Witterung auch abgebrochen werden musste. Schön war diese Wanderung nicht, aber sicher eine, die uns noch lang im Gedächtnis bleiben wird.
Das Wandern in dieser Höhe ist auch nicht ohne vorherige Akklimatisierung machbar. Die Höhenkrankheit ist tükisch und nichts, das man einfach überwindet, indem man mal die Zähne zusammenbeisst. Als wir am zweiten Tag in Quito Richtung Gipfel des Pichincha unterwegs waren, hatte Stephan z.B. erhebliche Probleme mit der Höhe: Kopfschmerzen, Schwindel, schwere Beine und Luftnot. Letzteres ist schwer zu greifen, wenn man es erlebt. Es fühlt sich nicht so an wie man es kennt, wenn man z.B. beim Sport irgendwann außer Atem ist. In einem Moment ist alles ganz normal und dann plötzlich atmet man schwerer und schwerer und kann den Körper irgendwie nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgen. Hält man dann nicht sofort an und kommt erstmal wieder richtig zu Atem, wird es nur noch schlimmer. Ist man aber auf die Höhe akklimatisiert, kann man auch unter Belastung dem Körper genügend Sauerstoff zuführen.
Die Akklimatisierung braucht aber Zeit und manchmal klappt es auch gar nicht. Ein junger Deutscher im Hostel klagte schon nach Ankunft über Probleme. Als das nicht besser wurde, ist er an Tag zwei zur nächsten größeren Stadt auf eine niedrigere Höhe abgereist. Durch seinen Kumpel erfuhren wir später, dass er mit einem Lungenödem im Krankenhaus liegt. Der Rest des Urlaubs und auch der Rückflug sind damit erstmal erledigt.
Man würde ja meinen, dass so ein Ausritt im Vergleich zum Cotopaxi eine entspannte Sache ist. Jaein! Denn auch an diesem Tag haben wir keine Sonne gesehen und es mit einem eisigen Wind zu tun gehabt. Immerhin hat es nicht geregnet. Die Ausblicke in die Landschaft waren einmalig und Stephan hat den Ritt auch irgendwie überstanden, auch wenn er so schnell nicht wieder auf dem Rücken eines Pferdes sitzen muss (Die machen doch, was sie wollen!)
Die Zeit am Cotopaxi war intensiv, nicht nur aufgrund der Wanderungen. Auch das lebhafte Hostel mit den internationalen Gästen, auf die man sich einlassen muss, hat uns gefordert. Dennoch hatten wir hier eine gute Zeit und reisen mit bleibenden Eindrücken weiter. Bevor es dann am 8.8. mit dem Flieger zur Isla Santa Cruz weitergeht, haben wir uns einen Tag Ruhe in Quito gegönnt. Nur wir zwei, ein nettes Appartment, ein paar Besorgungen, ein Spaziergang durch den Park mit botanischem Garten und Tretbootfahren und Zeit, die Webseite zu pflegen. Nun sind wir wieder aufgetankt und freuen uns auf die Galapagos Inseln!
Hier ist der Link zum Video: https://youtu.be/ootQvu2ZvUE?feature=shared













