Willkommen auf Bali

Stephan

2/17/2026

„Bali, ich weiß ja nicht. Leben da nicht die ganzen Steuervermeider-Influencer und Möchtegern-Instagrammer? Sind wir dann umringt von biertrinkenden Partyaustraliern und hippen Digital Nomads mit MacBooks, die ihren Matcha Latte schlürfen? Ja, geil…“

Ungefähr so klang unsere innere Haltung, als wir die Flüge nach Bali buchten.
Warum wir trotzdem hingeflogen sind? Ganz pragmatisch: Die Flüge sind günstig, Bali ist ein Drehkreuz, und von dort kommt man bequem weiter Richtung Norden – dahin, wo wir eigentlich hinwollen. Vor allem aber hatten wir schlicht keine Lust, uns intensiv mit der Planung für Indonesien zu beschäftigen. Ein Luxusproblem, ich weiß, aber das war den Umständen geschuldet.

In den Wochen zuvor hatte uns der Reiseblues erwischt. Viele Langzeitreisende kennen das und nun wir auch. Mich hatte es noch mehr erwischt als Monique. Wäre unsere Wohnung in Köln frei gewesen, ich hätte ernsthaft über ein Rückflugticket nachgedacht. Ich war müde vom ständigen Ortswechsel, vom Sightseeing, von Entscheidungen, vom permanenten Sich-neu-einstellen-Müssen. Reisen ist eben auch anstrengend.

Unsere Gegenmaßnahme: eine Woche Stillstand in Brisbane. Airbnb, keine festen Pläne, eine überschaubare To-do-Liste. Ich wusste bei unserer Ankunft nichts über die Stadt und das war ok so. Zwei Tage lang bin ich kaum vor die Tür gegangen und habe nur so vor mich hin gewuselt. Auch Monique ist es deutlich entspannter angegangen. Diese Pause tat letztlich uns beiden gut. Wir lebten in den Tag hinein, ließen Fünfe gerade sein und luden unsere Akkus langsam wieder auf.

Für Bali machten wir es genauso: minimaler Planungsaufwand. Nach dem Querlesen von ein paar Guides buchten wir ein Hotel abseits des Massentourismus, mitten in Reisfeldern. Mehr nicht. Den Rest würden wir sehen.
Am Flughafen in Denpasar ließen wir uns Zeit. Geld abheben, SIM-Karten kaufen, Mittag essen und erst danach organisierten wir ein Taxi nach Sidemen. Aus dem Ankunftsstress in Fidschi hatten wir gelernt.

Unser Hotel liegt in den Hügeln, umgeben von sattem Grün. Als es kurz nach unserer Ankunft in Strömen zu regnen beginnt, sitzen wir mit Willkommensdrink auf der Terrasse und schauen einfach nur in die Landschaft. Noch am selben Tag gönne ich mir eine Massage, Monique bucht Yoga für den nächsten Morgen. Und schon am ersten Abend ist klar: Bali wird ein Glücksgriff. Die Menschen sind herzlich, die Landschaft ist atemberaubend, das Essen besser als erwartet und das Preisniveau überrascht uns ebenfalls positiv, sogar im Vergleich zu Thailand und Vietnam.

Wir erkunden Reisfelder zu Fuß, fahren mit dem Scooter zu einem Wasserfall und besuchen den Pura Besakih, den größten hinduistischen Tempel der Insel. Ein Guide wird uns dort recht bestimmt zugeteilt. Immerhin erklärt er uns geduldig die Feinheiten seiner Religion, betont die Einheit hinter Shiva, Brahma und Vishnu und führt mit uns eine kleine Gebetszeremonie durch. Am Ende gibt es Segnung und Armbänder begleitet von einer diskreten Einladung zu einer Spende.
Die Anlage beeindruckt mit ihrer Weitläufigkeit und kunstvollen Architektur. Gleichzeitig reihen sich Souvenirshops und Restaurants aneinander. Religion und Kommerz gehen hier erstaunlich selbstverständlich Hand in Hand.

Ansonsten lassen wir es uns gut gehen. Nach Monaten des Budgetrechnens ist es schön, nicht jede Ausgabe hinterfragen zu müssen. Mocktails am Pool, Massagen, Yoga, gutes Essen, alles möglich.. Diese Leichtigkeit fühlt sich befreiend an und tut uns gut. Die Landschaft mit den Hügeln und Reisfeldern ist einfach wunderschön. Die Ortschaften sind durchzogen von kleinen und größeren Tempeln und Schreinen. Jeden Morgen werden überall, auch in unserem Hotel, Opfergaben in Form von kleinen Blumengestecken vor die Türen gelegt. Der Geruch von Weihrauch schwebt in der Luft.

Sidemen ist für unseren Start auf Bali perfekt. Noch authentisch, mit genau dem Maß an Infrastruktur, das es angenehm macht. Doch wie lange noch? Ein junger Kellner erzählt uns, dass es hier erst seit fünf Jahren nennenswerten Tourismus gibt. Früher arbeitete er auf einem Kreuzfahrtschiff, lag sogar einmal vor Hamburg vor Anker und durfte das Schiff aber nicht verlassen. Jetzt kann er in seinem Dorf bleiben. Ubud, sagt er, habe vor 15 Jahren so ausgesehen wie Sidemen heute.
Die vielen Baustellen im Ort lassen erahnen, wohin die Reise geht. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch hier Authentizität gegen Touristenmassen eingetauscht wird. Umso schöner, dass wir Sidemen noch so überschaubar erleben dürfen.

Als Nächstes zieht es uns nach Amed an die Nordostküste – ruhiger als der Süden, heißt es. Das Hotel, das wir uns aussuchen, hat zufällig eine eigene Tauchschule. Monique nutzt die Gelegenheit und macht ihren Tauchschein. Ganz nach unserem Motto: "Erstmal haben!"

Und plötzlich fühlt sich alles wieder ganz anders an.
Wir sind in Asien – und Bali liefert genau dieses Gefühl, das wir so lieben. Herzlichkeit, Wärme und Gelassenheit. Wir sind angekommen.