Zurück in Tokio: Zwischen Streetfood und Tempeln in Japans Metropole

Monique

3/18/2026

Als wir in Tokio ankommen, fühlt sich vieles gleichzeitig vertraut und fremd an. Unsere erste Reise hierher liegt inzwischen neun Jahre zurück, und doch sind viele Eindrücke wieder da. Wir haben für acht Tage eine kleine Wohnung im Stadtteil Morishita gemietet. Ein ruhiges Wohnviertel mit kleinen Restaurants, Wohnhäusern und schmalen Straßen. Ein Gegensatz zu den unzähligen Wolkenkratzer, Shoppingmalls und Neonlichter der Stadt.

Dabei ist Tokio streng genommen gar keine Stadt. Seit 1943 ist Tokio eine Metropolregion mit 23 sogenannten „Special Wards“. Stadtteile sind heute eigenständige Verwaltungsbezirke, wie kleine Städte innerhalb der riesigen Metropolregion.

Schon nach kurzer Zeit merken wir wieder, wie sehr sich Japan von vielen anderen Ländern unterscheidet. Öffentliche Mülleimer gibt es kaum, trotzdem sind Straßen und Parks sauber. Gleichzeitig fällt uns auf, wie viel Plastik beim Essen to go verwendet wird, denn auswärts zu Essen bzw. Kaufen ist oftmals günstiger, als selbst zu kochen.

In vielen kleinen Restaurants bestellen wir unser Essen an Automaten. Wir wählen das Gericht aus, bezahlen direkt und bekommen ein Ticket, das man am Tresen abgibt. Wenige Minuten später steht das Essen auf dem Tisch. Manchmal sitzen wir dabei nebeneinander mit Blick zur Wand, eine typische Sitzordnung in vielen kleinen Lokalen und perfekt für Menschen, die alleine essen. Oft bekommen wir für sechs bis acht Euro Essen für zwei Personen, Wasser oder Tee gibt es kostenlos dazu.

Besonders begeistert bin ich wieder von einem meiner Lieblingsgerichte: Okonomiyaki und Hiroshimayaki. Das sind herzhafte japanische Pfannkuchen mit Kohl, Fleisch oder Meeresfrüchten, die direkt auf einer heißen Teppanyaki-Platte zubereitet werden. Und natürlich begegnet uns überall Matcha in hoher Qualität: als Tee, als Kuchen oder als Eis. Auch auch alles andere, wie Baumkuchen, Izakaya, Curries oder Gydon, schmeckt sehr gut. Wir sind in unserem persönlichen Foodie-Heaven angekommen.

Ein anderes kulinarisches Erlebnis haben wir in einem kleinen Sushi-Restaurant, das seit von einem älteren Ehepaar geführt wird. Beide sind inzwischen deutlich über 70 Jahre alt, und der Mann steht seit mehr als 40 Jahren als Sushimeister hinter der Theke. Mit ruhigen, eingespielten Handgriffen bereitet er jedes Stück direkt vor unseren Augen zu.

Tokio erschlägt uns mit seinem Shoppingangebot allerdings auch regelrecht. Japanische Marken und Geschäfte dominieren das Angebot, das sich dadurch angenehm frisch und spannend entdecken lässt. Viertel wie Ginza sind eher die Ausnahme, da sich Ginza stark an internationalen Luxusmarken orientiert. Die breite Einkaufsstraße gilt als eine der teuersten Shoppingmeilen der Welt.

Ganz anders ist die Atmosphäre in Akihabara. Das Viertel gilt als Zentrum für Anime, Manga, Gaming und Technik. Arcade-Hallen mit blinkenden Spielautomaten, Nerd-Shops und Elektronikläden prägen das Bild. Auch wir laufen durch die ganzen Einkaushäuser, die sich über mehrere Etagen ziehen. Überall blinkt es und mit bunten Schildern soll man zum Kaufen verführt werden. Wirklich sehr viele Geschäfte bedienen mit ihrem Angebot eine Nische und sind nur für Fans wirklich interessant. Trotzdem macht es Spaß, sich die manchmal skurrilen Produkte anzuschauen. Auch gibt es Räume mit unzähligen Gashapon-Automaten. Ab zirka 2 € kann man sich Kapselspielzeug kaufen und sammeln. Meist kleine Figuren oder Schlüsselanhänger.

Einen anderen Blick auf Tokio gibt es im Viertel Kabukichō, Tokios berühmtesten Vergnügungs- und Rotlichtviertel im Bezirk Shinjuku. Hostess- und Hostclubs gehören fest zur Nachtleben. In diesen Lokalen zahlen Gäste nicht für Musik oder Getränke, sondern für Gesellschaft. Es gibt große Reklametafeln auf denen junge Männer und Frauen sich für Kunden präsentieren. Wenige hundert Meter weiter befindet sich das Barviertel Golden Gai. Eine historische Ecke mit über 200 winzigen, charmanten Bars, die den Geist des alten Tokios bewahrt. Eine Karte soll Gästen helfen sich durch die kleinen Gassen zu bewegen.

Zwischen all dem modernen Stadtleben finden sich immer wieder Orte, die tief in der japanischen Tradition verwurzelt sind. Besonders interessant ist der Gotokuji-Tempel. Der buddhistische Tempel gilt als Geburtsort der berühmten winkenden Glückskatze, der Maneki-neko. Einer Legende zufolge rettete die Katze Tama einst einem Samurai das Leben, indem sie ihn während eines Gewitters zu sich rief und ihn so vor einem Blitzschlag bewahrte. Heute bringen Besucher kleine Katzenfiguren als Opfergabe mit, um Glück, Gesundheit oder geschäftlichen Erfolg zu erbitten. Auch wir kaufen eine kleine Katze und suchen ihr einen Platz an der Sonne.

In einem Tempel in Asakusa versuchen wir unser Glück auf eine andere Weise. Für etwa 50 Cent ziehen wir ein kleines Holzstäbchen aus einer Dose, nachdem wir sie geschüttelt haben. Die Nummer bestimmt, welchen Glückszettel wir bekommen.

Ein schöner Ausflug führt uns nach Shibamata, einem eher ruhigen und traditionellen Viertel im Nordosten Tokios. Im Mittelpunkt steht der Daikyōji-Tempel, ein buddhistischer Tempel aus dem 17. Jahrhundert. Der dazugehörige Garten ist an diesem Tag leider noch geschlossen, stattdessen zieht es uns weiter Richtung Fluss. Auf dem Deich laufen wir entlang des Wassers und haben Ausblick auf die Skyline der Hochhäuser. Wir probieren auch eine lokale Spezialität: Beifuß-Reisknödel mit süßer roter Bohnenpaste.

Außerdem zieht es mich in ein Origami-Museum zu einem Origami-Kurs. Ich bin die einzige Touristin und der Rest sind Väter und eine Oma mit ihren Enkel-/Kinder. Ich bin beeindruckt mit welcher Motivation die Kinder dabei sind. Der "English-Guide" ist lediglich das Tablet vom Kursleiter mit Google-Translator. Aber es klappt auch so wunderbar, da man über einen Bildschirm jede Faltung des Papiers sehr gut folgen kann. Passend zum japanischen Mädchenfest Hinamatsuri falten wir kleine Figuren aus Papier.

Auch einen Kalligrafie-Kurs besuche ich und bekomme einen Eindruck davon, wie komplex die japanische Schrift ist. Insgesamt existieren rund 5000 Kanji-Zeichen, etwa 3000 davon lernen Kinder während ihrer Schulzeit. Dazu kommen noch die Silbenschriften Hiragana und Katakana, mit denen Laute dargestellt werden. Es ist unglaublich schwierig, den Pinsel so zu führen, dass es auch gut aussieht. Wir schreiben das Zeichen für Baum und den eigenen Namen und können die Werke mitnehmen.

Neben dem Contemporary Art Museum, wo ich alleine unterwegs war, geht es zusammen ins Fukagawa-Edo-Musum. Es ist eine kleine Zeitreise, denn in einer detailgetreu nachgebauten Stadt aus der Edo-Zeit spazieren wir durch enge Gassen und werfen einen Blick in einfache Holzhäuser des Tokios vor über 150 Jahren.

Ein besonders schöner Abend führt uns nach Shibuya. Dort treffen wir Hinata und Mayu wieder, die wir vor Monaten in Bolivien kennengelernt haben. Zusammen mit ihrer Cousine Zara gehen wir Monjayaki essen. Dies ist eine Spezialität aus Tokio, die dem Okonomiyaki ähnelt und eine fast flüssige Konsistenz hat und direkt auf einer heißen Platte zubereitet wird. Wir haben eine wunderbare Zeit und bekommen nochmals einen anderen Blick auf die Menschen. So erfahren wir, dass beim Dating der Mann bei 3. Date "Ich liebe dich" sagen muss, damit die Frauen das als Verbindlichkeit für eine Beziehung akzeptieren. Und auch sie bestätigen, dass die Japaner durchschnittlich 10 Urlaubstage pro Jahr haben. Krankentage gibt es nicht, dafür muss Urlaub genommen werden.

Eine ganz neue Seite von Tokio sehen wir auf der künstlichen Insel Odaiba und stehen plötzlich am Strand. Damit hätten wir in Tokio wirklich nicht gerechnet. Vor uns das Wasser der Bucht und die Skyline mit der Rainbow Bridge. Zum Sonnenuntergang färbt sich der Himmel wunderschön.

Ein absolutes Highlight ist für uns ein Capybara-Café. Dort treffen wir Pisuke und Kohaku, zwei vierjährige Capybaras, die wir streicheln und füttern dürfen. Dabei trinken wir mit den wohl ruhigsten Nagetieren der Welt einen Café Latte. Welch ein Spaß! Aber nicht alle der verrückten Cafés in Tokio sind einen Besuch wert. Einmal besuchten wir ein Maid Café, wo junge Frauen in Kostümen für Unterhaltung sorgen sollen. Schon die Räumlichkeiten waren aber so ernüchternd und die ganze Atmosphäre gar nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten, dass wir kurzerhand wieder gingen. Ansonsten haben wir Werbung für Katzen- und Igelcafés gesehen.

Und natürlich begegnen uns auch wieder die berühmten japanischen Toiletten mit beheiztem Sitz, Warmwasserfunktionen und einer ganzen Reihe von Knöpfen. Bei kalten Temperaturen von 9 bis 11 Grad ist es einfach nur wohlig diese Wärme am Poppes zu spüren.

Eine kleine Herausforderung und Wissenschaft für sich, ist der ÖPNV. Tokio hat ein riesiges Netz aus verschiedenen Bahn- und Metrogesellschaften. Einige Linien gehören zur Metro, andere zu privaten Betreibern oder zur Bahn. Das günstige Touristenticket funktioniert nur für die Metro, für andere Linien oder die Tram nutzen wir unsere extra Suicakarte oder müssen an Automaten an der Ausstiegsstation nachbezahlen. Das System wirkt über Jahrzehnte gewachsen und neues hinzugefügt, statt alles zu vereinheitlichen.

Manchmal fragen wir uns, wie wir unsere erste Reise in Japan 2017 eigentlich gemeistert haben? Ohne Google Translate, ohne dass Google Maps in der Metro jede Verbindung, jeden Umstieg und sogar den richtigen Ausgang anzeigt. Damals standen wir oft ratlos vor Fahrplänen oder Speisekarten, auf denen ausschließlich japanische Schriftzeichen zu sehen waren. Heute ist vieles einfacher, denn Englisch ist deutlich verbreiteter, und mit dem Smartphone in der Hand lässt sich vieles entschlüsseln.

Mit meiner Kamera in der Hand fällt mir auf, wie unglaublich fotogewaltig Tokio ist. Hinter jeder Ecke wartet ein neues Motiv, wie Reklametafeln, Tempel oder das viele, leckere Essen. Es macht unglaublich viel Spaß zu fotografieren. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich bei der Fotoauswahl für die Webseite zurückzuhalten. Doch Tokio hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. Die folgenden Fotos nehmen euch, noch mehr als sonst, mit durch unsere Tage in Tokio: Viel Spaß beim Mitreisen.