Zwischen Großstadt und Gletscher: La Paz
Monique
9/28/2025


Die Anreise nach La Paz ist schon ein Erlebnis für sich. Besonders beeindruckend wird es, wenn der Bus die Plateaukante erreicht und sich der Blick in den Talkessel von La Paz öffnet. Der erste Blick hinunter auf dieses riesige Häusermeer, das sich in das Tal schmiegt, verschlägt uns die Sprache.
Unsere Unterkunft überrascht uns gleich doppelt: eine wirklich tolle Wohnung. Mit Blick auf die Stadt und Berge und sogar mit der gleichen Waschmaschine wie zuhause. Endlich wieder selbst eine Maschine Wäsche anschalten! Wer hätte gedacht, dass so etwas nach Wochen des Reisens Spaß macht?
La Paz, der weltweit höchstgelegende Regierungssitz auf 3.650m, gilt als kulinarisches Paradies, und schon am ersten Tag testen wir das aus: mittags Burger, abends japanisch. Die Auswahl ist riesig, und wir merken schnell, dass man hier allein mit Essen viele Tage füllen könnte.








Am nächsten Tag starten wir gemütlich und machen uns auf den Weg zu einem Aussichtspunkt. Unterwegs entdecken wir ein Restaurant, das so verlockend klingt, dass wir kurzerhand einkehren. Tätsächlich erleben wir ein fantastisches Mittagessen auf Fine-Dining-Niveau mit Blick über die Stadt. Der geplante Aussichtspunkt war damit überflüssig.
Am Nachmittag nehmen wir spontan an einer Stadtführung teil. Sie führt uns durch das historische Viertel, über den berühmten Hexenmarkt und zu den wichtigsten Plätzen der Innenstadt. Besonders eindrucksvoll ist die Fahrt mit den Seilbahnen, die La Paz in allen Himmelsrichtungen durchziehen. Von oben eröffnet sich ein völlig neuer Blick auf die Stadt.
Der Hexenmarkt wird eigentlich als Zaubermarkt bezeichnet. Dort werden für indigene Rituale und dem Glauben an die Pachamama (Mutter Erde) viele Kräuter, Amulette, getrocknete Lamaföten und Figuren für Schutz, Glück, Liebe und Gesundheit verkauft.










Tags darauf geht es hinaus in die Natur: zunächst ins Valle de la Luna mit seinen bizarren Felsformationen. Über Holzbrücken gehen wir durch eine Landschaft aus bizarr geformten Felsnadeln und Schluchten, die tatsächlich an eine Mondoberfläche erinnert.
Danach fahren wir weiter zum Valle de las Animas. Wir haben Glück im Unglück, da Uber eigentlich das falsche Ziel ausgewählt hat und der Taxifahrer auch absolut nicht verhandlungsbereit ist und uns einfach im Nirdgendwo aussetzt. Es stellt sich aber heraus, dass dies eine alternative Route ist, die letztlich viel schöner sein wird als die Offizielle. Wir wandern also zunächst durch den Palca Canyon, der uns sofort in seinen Bann zieht. Zwischen steilen Felswänden und imposanten Türmen wandern wir zum Teil durch das Flussbett. Der Weg führt uns insgesamt jeweils rund 450 Höhenmeter bergauf und bergab, was bei der Hitze anstrengend ist. Doch jeder Schritt lohnt sich. Immer wieder öffnen sich neue Ausblicke und wir sind glücklich, dass wir durchgehalten haben und nicht umgekehrt sind.







Am nächsten Tag widme ich mich der Kultur und besuche gleich drei Museen. Jedes erzählt auf seine Weise die Geschichte und Eigenart dieses Landes. Stephan hatte weniger Glück mit seiner Tagesplanung: Die gebuchte Massage war so schlecht, dass er nach wenigen Minuten gegangen ist.






Ein weiteres Highlight ist unser Tagesausflug zum Gletscher Charquini und zur Laguna Esmeralda. Strahlendes Wetter, die schneebedeckten Berge und das türkisblaue Wasser. Die Landschaft ist wiederum komplett anders. Schwarzes Gestein wechselt sich mit dem Gletscher ab. Dazwischen Lamas und Alpakas. Auch einige Viscacha können wir entdecken. Das sind kleine Nagetiere, die aussehen wie Kaninchen, jedoch eher Chinchillas sind.
Abends gönnen wir uns zur Krönung noch eine Paarmassage. Etwas ungewohnt, wenn dazu Panflötenmusik spielt, aber definitiv eine Erfahrung.








Dann heißt es weiterreisen nach Cochabamba. Leider starten wir beide mit Bauchifauchi in den Tag. Hinzu kommt, dass wir noch keine Bustickets haben. Wegen der aktuellen Dieselkrise ist das gar nicht so einfach: Nur dreimal pro Woche darf getankt werden, und die LKW- und Busfahrer stehen stundenlang Schlange. Am Busbahnhof haben wir jedoch Glück und nur 30 Minuten später fährt ein Bus ab und wir bekommen zwei Plätze.
Neben den tollen Ausblicken auf die spektakulären Anden - wir fahren immerhin 2000 Höhenmeter hoch und runter - sieht man leider auch Vieles, das nicht sehr schön ist. Die kleinen Ortschaften, die wir passieren, wirken trostlos mit ihren halbfertigen, schmucklosen Häusern, ohne Grün und durchzogen von dreckigen, staubigen Straßen. Schlimmer noch ist die unfassbare Menge an Müll entlang der Strecke. Über hunderte Kilometer ist die Landschaft entlang der Straße von Abfällen aller Art übersäht. Das Plastik wird vom Wind auf die Weiden und Felder geweht, so dass man in den Zäunen den Müll hängen sieht. Das Ausmaß der Umweltverschmutzung steht im krassen Gegensatz zur Schönheit der Landschaft.
Als einzige Gringos an Bord erleben wir wieder hautnah, wie Südamerikaner reisen: Videos auf den Handys laufen in voller Lautstärke, ebenso die Telefongespräche. Der Bus hält außerdem bei jeder Gelegenheit. Sei es, um Passagiere mitten an der Straße rauszulassen, wenn die Busfahrer noch eine Snack kaufen möchten oder an einer der vielen Mautstellen. Jedes Mal steigen auch Verkäufer:innen ein, die Snacks, warme Gerichte, USB-Kabel oder einfach nur Getränke verkaufen möchten. Eine laute, chaotische, anstrengende, aber auch lebensnahe Art, unterwegs zu sein.

