Zwischen Sand und Geoglyphen in Ica und Nasca
Stephan
9/5/2025
Nach Lima beginnt für uns ein neuer Abschnitt unserer Reise, da wir bis hierhin schon alles durchgeplant hatten. Nun müssen wir aber entscheiden wie es weitergehen soll. In den weniger touristischen Norden oder nach Süden Richtung Arequipa? Letztlich haben wir uns entschieden, die touristische Route zu wählen: Die Oase Huacachina, dann Nasca und weiter bis nach Arequipa.
Mit dem Bus geht's also entspannte 4 1/2 Stunden südlich Richtung Ica. Sobald man die Stadtgrenze von Lima verlässt wird sichtbar, warum es die zweitgrößte Stadt der Welt in der Wüste sein soll. Was in Lima selbst gar nicht erkennbar ist, ist nun offensichtlich: Der Boden ist trocken und sandig. Hier wächst nur grün, wenn es bewässert wird. Die Anblicke der trockenen Wüstenlandschaft durchbrochen von grünen Agrarflächen oder hin und wieder einer kleinen Parkanlage beeindrucken uns. Zum Teil fragt man sich wie Menschen hier leben können, so unwirtlich und menschenfeindlich wirkt die Wüste.




Wir haben uns - zum Glück - dafür entschieden in der Stadt Ica zu übernachten und nicht direkt in der Oase, wie es sicher die meisten Touristen machen. Unser kleines, feines Hostel liegt nur 10 Taximinuten von der Oase entfernt und Ica selbst ist erfrischend authentisch im Gegensatz zum touristischen Miraflores in Lima. Schon der Weg von der Busstation zum Hostel zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht, so bunt und lebendig ist hier das Treiben auf den Straßen. Dass wir bei angenehmen 25°auch endlich mal wieder die Sonne sehen, trägt nicht unwesentlich dazu bei. Wir haben in Ica einige Werbeschilder von Schamanen zur spirituriellen Reinigung mit Meerschweinchen entdeckt, leider gar keine Meerschweinchen gesehen. In Ica scheint das TukTuk das Hauptfortbewegungsmittel zu sein, so viele gibt es hier. Selbstverständlich haben wir uns das nicht entgehen lassen und auch angemessen um den Preis gefeilscht. (Er sagte 5, wir sagten dann 4, weil wir das noch klein hatten. Erfolgreich verhandelt!)




Die Oase Huacachina liegt unmittelbar an der Stadtgrenze. In einem Moment fährt man noch entlang der Hauptstraße, dann plötzlich ragen die ersten Sanddünen vor einem auf und kurz darauf ist man schon mittendrin. Die Oase selbst ist ziemlich unattraktiv. Ein kleiner See, auf dem man Tretboot fahren kann, umzingelt von Hotels, Restaurants und Tourenanbietern. Am Anfang sind wir erschlagen von den Massen an Touristen, die sich die Düne hochkämpfen. Wer glaubt, dass man hier ein romantisches Plätzchen findet, um gemeinsam den Sonnenuntergang zu genießen, muss erstmal tief schlucken. Allein der Lärm der Dutzenden Wüstenbuggies, die die Touristen durch die Dünen fahren, verhindert erfolgreich jeglichen Anflug von Besinnlichkeit.
Egal, dann ist es eben so, wir stellen uns darauf ein. Wir buchen die obligatorische Wüstenbuggytour und ich buche mir noch eine Skiausrüstung mit dazu. Am nächsten Tag geht's um 16 Uhr los. Vorher sind wir aber noch zum ältesten Weingut Südamerikas gefahren und haben uns den Prozess der Herstellung in einer Führung erklären lassen. In der dazugehörigen Verkostung haben wir uns für die Buggytour ein bisschen locker gemacht.








Wir sind in der Gruppe etwa 10 Personen und fahren zunächst ein paar Aussichtspunkte ab. Danach wird's spannend als wir am ersten Abhang halten und es entweder mit dem Board auf dem Bauch bergab geht oder wie ich auf den Skiern. Und was soll man sagen? Das hat gut geklappt und richtig Spaß gemacht! Am Anfang fühlen sich die Ski wie angeklebt an, aber sobald man eine gewisse Geschwindigkeit erreicht, fährt es sich fast wie auf Schnee. Schade, dass die Hänge der Dünen zu kurz sind, um richtig in Fahrt zu kommen. Allerdings ist es extrem anstrengend, die Hügel in Skischuhen wieder hochzulaufen, so dass es insgesamt bei nur wenigen Abfahrten bleibt. Dennoch war das ein besonderes Erlebnis, das darüber hinwegtröstet hat, dass wir von Kopf bis Fuß voller Sand waren.








Am nächsten Tag sind wir mit dem Bus weiter nach Nasca, um uns die berühmten Nasca-Linien anzusehen. Ich glaube 90% der Touristen in Nasca bleiben nur eine Nacht, machen einen Flug über die Linien und fahren weiter. Wir haben es im Grunde nicht anders gemacht, haben unsere Zeit dort aber gut genutzt. Nasca selbst hat nicht viel zu bieten, aber auch hier wurde wegen irgendeiner Heiligen groß gefeiert. Wir haben uns an zwei Abenden die Darbietungen der zum Teil beeindruckend professionell auftretenden Tänzer:innen und Sänger:innen auf dem Hauptplatz angesehen. Die Peruaner:innen, die von jung bis alt zahlreich erschienen sind, um sich die Show anzusehen, sind für uns genauso faszinierend wie das Bühnenprogramm.
Der Flug über die Nasca-Linien war natürlich das Highlight unseres Besuchs hier. In nur 30 Minuten überfliegt man in einer kleinen, einmotorigen Maschine die in den Boden eingearbeiteten Geoglyphen. Das Flugzeug neigt sich dabei extrem zur Seite, um allen Insassen einen guten Blick zu ermöglichen. Das geht durchaus auf den Magen und eine etwas wirre, exzentrische Schwedin musste sich während des Flugs auch lautstark übergeben. Die Linien sind toll anzusehen, aber gleichzeitig geht alles so schnell vorbei, dass man gar nicht richtig einordnen kann was man da gerade wahrgenommen hat.
Das ganze drumherum um den Flug war darüberhinaus eine Zumutung. Zuerst wurden wir bereits 30 Minuten vor dem genannten Zeitpunkt am Hotel abgeholt. Monique kam da gerade aus der Dusche. Wir mussten in Windeseile das Zimmer räumen. Dann hat man uns im Flughafen 'ne Stunde warten lassen bis es losging. Nach dem Flug mussten wir weitere 45 Minuten warten bis uns das Shuttle wieder zurück zum Hotel brachte. Für 30 Minuten Flug waren wir insgesamt drei Stunden beschäftigt. Am besten fand ich aber die Piloten. Das war ein richtiger Boys-Club, einer cooler als der andere. Eine Hand immer an der Sonnenbrille und die andere am Warmwasserhebel. Die haben im Wartebereich gemeinsam auf ihren Smartphones gut hörbar und lachend Ballerspiele gezockt, um sich die Zeit zwischen den Flügen zu vertreiben. Unsere zwei Piloten haben während des Flugs auch mehrfach darauf hingewiesen, dass Trinkgeld gern gesehen ist. Mehr als gelangweilt die Namen der Geoglyphen zu nennen, haben sie aber nicht getan. Also, geht's noch?!
Wir haben den Flug noch mit einem Besuch im Museum über die Nasca-Kultur abgerundet. Das hat sehr geholfen, um das vorher Gesehene besser einzuordnen. Die Geoglyphen sind nicht alle zur gleichen Zeit entstanden, dienten vor allem religiösen Zwecken und sind auch nicht nur bei Nasca zu finden. Hier ist aber die größte Konzentration bekannter Figuren und die Infrastruktur (Flughafen), um diese zu besichtigen. Ein Must-See in Peru? Nicht unbedingt, aber wenn man mal da ist...
















Der gefürchtete Nachtbus nach Arequipa steht an. 10 Stunden Fahrt über peruanische Straßen. Die Horrorfahrt letztes Jahr in Kolumbien habe ich leider noch allzu gut in Erinnerung. Die Sorgen waren zum Glück unberechtigt und wir kommen morgens um 9 einigermaßen fit in Arequipa an, da die Sitze angenehm ausklappbar waren. Nachtfahrten gehören damit dennoch nicht zu meinen liebsten Beschäftigungen, aber so verliert man nicht einen ganzen Tag. Mal sehen was Arequipa, die weiße Stadt, anzubieten hat.

